Rückblick auf das Informationsrecherchesystem Robotron 100 (IRS R100)
Eine Programmentwicklung aus der DDR

Dr.phil. Eberhardt Gering
Informationswissenschaftler, Diplomingenieurökonom 
Rostock 1969 / Berlin 2012
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1
Ausgangssituation
2
Verfügbare und geplante technische Kapazitäten
3
Programmtechnische Basis
4
Festlegungen für die Programmierung des IRS R100
5
Informationssprache des IRS R100
6
Organisation der Dokumentenanalyse
7
Zeitaufwand für den Recherchevorgang
8
Wissenschaftliche Grundlage des IRS R100
9
Praktischer Nutzen des IRS R100
10
Fachliche Einschätzung des IRS R100
11
Eigene Veröffentlichungen
12
Leistungsfähigkeit des R100 (Beispiel aus der Geodäsie)

1  Ausgangssituation
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In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurde vom Autor dieses Rückblicks in einem Rostocker Rechenzentrum ein automatisiertes Informationsrechesystem entwickelt und zur Anwendungsreife gebracht. Mit Bezugnahme auf die verfügbare Rechenanlage Robotron 100 (R 100) erhielt das Projekt die Bezeichnung "Informationsrechesystem Robotron 100" (Abkürzung IRS R100). 
Der R 100 war ein volltransistorisierter und programmgesteuerter Digitalrechner mit Lochkartentechnik für die Informationseingabe. In der Generationenfolge der Rechner (erst später bürgerte sich der Terminus "Computer" ein) war der R 100 eine Rechenanlage der Übergangsgeneration von elektromechanisch arbeitenden Geräten der Lochkartentechnik zu Datenverarbeitungsanlagen, deren Zentraleinheit ausschließlich mit mikroelektronischen Bauelementen ausgestattet war. 
Entwickelt und in der ersten Zeit auch hergestellt wurde der R 100 im Betrieb Elektronische Rechenmaschinen  Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Wenige Jahre später wurde die Fertigung in das Werk Saalfeld des Betriebes Carl Zeiss Jena verlagert.
(vgl. Zur Geschichte von Rechentechnik und Datenverarbeitung in der DDR, http://waste.informatik.hu-berlin.de/ Diplom/ robotron/ studienarbeit/...)
Der R100 wurde, weil die Dateneingabe anfangs nur über Lochkarten erfolgte, in der Fachliteratur als "volltransistorisierter Lochkartenrechner" beschrieben, was wiederum zu der abgekürzten, aus technischer und technologischer Hinsicht jedoch irreführenden und etwas abschätzigen Benennung "Lochkartenrechner" führte.

Ziel der Entwicklung des IRS R100 war die Automatisierung der Recherche nach Fachinformationen, wofür bisher in den  Einrichtungen der Information und Dokumentation (IuD) meist sehr viel Arbeitszeit aufgewendet werden mußte ( trotz verschiedener technischer Hilfsmittel wie zum Beispiel Handlochkartensysteme).

Das Entwerfen des IRS und das Programmieren der Rechnerabläufe in der R100-Maschinensprache erfolgte durch den Autor dieses Berichts. Es galt zu diesem Zeitpunkt in der bisher ausschließlich mit elektromechanischer Lochkartentechnik arbeitenden Rechenstation, für die neue, mit mikroelektronischen Bauelementen ausgestattete Anlage "Robotron 100" nutzbringende Anwendungsgebiete zu schaffen. Dabei wurde an die Möglichkeit, mit dem R100 die Recherche nach Fachinformationen zu automatisieren, zuerst nicht gedacht. Den Anstoß zur Programmierung eines Informationsrecherchesystems auf Basis R100 gab die Themensuche für die Diplomarbeit des Autors auf dem Fachgebiet Ingenieurökonomie. 

Generell steckte die Anwendung der EDV (Elektronische Datenverarbeitung) für Zwecke der Information und Dokumentation in den sechziger Jahren noch in den Kinderschuhen. Ab 1968 stand der Rechner Robotron 300, eine in der DDR entwickelte und in Serie gebaute Datenverarbeitungsanlage mittlerer Leistungsklasse, die auch für Aufgaben der Information und Dokumentation nutzbar war, in größerer Zahl zur Verfügung. Etwa zur gleichen Zeit wurde In einigen Industriezweigen (darunter der Ministeriumsbereich Erzbergbau Metallurgie und Kali sowie das Chemiekombinat Leuna) damit begonnen, aus den USA importierte Großrechenanlagen zu installieren und sie unter anderem für die Automatisierung der Informationsspeicherung und -recherche einzusetzen. 
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Zu diesen Anwendern von Großrechnern für Speicherung und Recherche von Fachinformationen  gehörte auch das Rostocker Institut für Schiffbau. Rechentechnische Basis war dort eine hochleistungsfähige Anlage vom Typ Control Data 1604, ausgerüstet unter anderem mit einem Programm für Recherchen in großen, auf Magnetband gespeicherten Fonds von bibliographischen Nachweisen. 
Dieses Programm benötigte allerdings für eine Recherche unverhältnismäßig viel Rechenzeit, da bei der Suche nach relevanten Dokumenten die auf dem Magnetband sequentiell gespeicherten Nachweise in relativ mühseliger Prozedur einzeln überprüft wurden, bis entweder ein Treffer vorlag oder bei Erreichen des Magnetbandendes eine Fehlmeldung erfolgte.

Weil die auf diese Weise durchgeführten Recherchen wegen der langen Rechenzeiten (dazu kam noch die sehr schlechte Qualität der Drucklisten), verbunden mit gravierenden Mängeln in der Organisation des Gesamtsystems, die Erwartungen in die neue Rechentechnik nicht  erfüllten, entstand sowohl auf den Leitungsebenen des Instituts (die Leitung der Informationseinrichtung inbegriffen) als auch bei den unmittelbaren Anwendern eine ablehnende Haltung gegenüber einer Nutzung der EDV für Aufgaben der Information und Dokumentation. Es verbreitete sich der scheinbar realistische, in Wirklichkeit jedoch höchst destruktiv wirkende Satz: "Die EDV soll erst einmal zeigen was sie kann, bevor man ihr Aufgaben der täglichen Praxis überträgt." 
Zur Lösung des Problems überlanger Rechenzeiten kam es Anfang der siebziger Jahre, als ein engagierter Programmierer des Instituts in enger Zusammenarbeit mit dem Autor dieses Berichts die mit dem IRS R100 gewonnenen Erfahrungen beim Arbeiten mit einer Suchmatrix auf das Rechercheprogramm der Anlage CD 1604 übertrug und die bisherige, ausschließlich sequentielle Suche durch eine Kombination aus sequentieller und inverser Suche ersetzte. Mit dem veränderten Suchmodus erhöhte sich das Recherchetempo der Anlage CD 1604 schlagartig auf ein Vielfaches der bisherigen Leistung. Zugleich konnten die Rechnerkosten für die Speicherung von Dokumentennachweisen um 50 Prozent und für die selektive Informationsverbreitung (SIV) sogar um 80 Prozent gesenkt werden.
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Dem Autor waren in den sechziger Jahren die oben genannten Projekte und Vorhaben zur Anwendung der EDV für Zwecke der Informationsspeicherung, -verarbeitung und -recherche zunächst weitgehend unbekannt. Die Idee, mit der Anlage R100 das Speichern und Wiederfinden von Fachinformationen zu organisieren, entstand vielmehr aus Überlegungen, wie sich fachwissenschaftliche Arbeit unter Nutzung von Rechentechnik effektiver als bisher effektiver organisieren ließ. Verschiedene Anregungen hierfür fanden sich in einschlägiger Fachliteratur, unter anderem in dem dem von Woitschach und Körner verfaßten Artikel zur "Automatischen Bibliothek" (Taschenbuch der Nachrichtenverarbeitung, 1962)  und in der Publikation von Allan Kent mit dem Titel: "Einführung in die Informationswiedergewinnung", erschienen 1962 in deutscher Sprache.. 
(siehe dazu auch das Literaturverzeichnis zur Diplomarbeit des Autors, Rostock 1969.)

Die Anlage R100 ermöglichte, wenn man einige technisch bedingte Einschränkungen hinreichend berücksichtigte, auf der Basis von maschinell lesbaren Lochkarten große geordnete Fonds von Literaturnachweisen aufzubauen, sie einer automatisierten Recherche zugänglich zu machen und die Recherche-Ergebnisse nutzergerecht aufzubereiten. 
Es rückte die Möglichkeit ins Blickfeld, mit dem IRS R100 zusammen mit neuen Lösungen für die Literaturbeschaffung und -auswertung sowie mit verbesserten Formen des Verbreitens der recherchierten Informationen,  einen wesentlichen Beitrag zur Intensivierung der IuD-Arbeitsprozesse zu leisten und die Qualität der Informationsleistungen spürbar zu erhöhen. 

Beim Entwickeln des IRS R100 durften die letztgenannten weitgreifenden wirtschaftlichen und systemorganisatorischen Fragen nicht aus dem Blick verloren werden. An erster Stelle mußte jedoch die selbstgestellte Aufgabe stehen, eine effektive programmtechnische Lösung als dem Kernstück automatisierter Informationsrecherche zu erarbeiten.
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2  Verfügbare und geplante technische Kapazitäten für die Anwendung des IRS Robotron 100 in der Praxis
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In ihrer ursprünglichen Konfiguration besteht die Anlage aus: 
(a) zwei Rechnerschränken mittlerer Größe zur Aufnahme der mit einem Magnettrommelspeicher ausgerüsteten Zentraleinheit und weiterer mikroelektronischer Baugruppen. 
b) Magnettrommelspeicher mit 900 Hauptspeicherplätzen zur Speicherung von Daten und Programmbefehlen (maximale Zugriffszeit 10 Millisekunden) und 40 Zwischenspeicherplätzen (maximale Zugriffszeit 2 Millisekunden);
(c) Lochkarten- Ein- umd Ausgaberät (EAG) für maschinenlesbare Lochkarten mit 12 Zeilen und 80 Spalten zum Speichern der numerischen Daten. Die maximale Lesegeschwindigkeit des EAG beträgt 6000 Lochkarten pro Stunde. 
(d) Bedienpult mit elektrischer, vom Maschinenprogramm ansteuerbarer Schreibmaschine zur Ausgabe von numerischen Daten im programmierbaren Druckbild sowie zur Eingabe von Programm- und Steuerbehlen. Ausgabe einer 12-stelligen Zahl in 1,1 Sekunden.
Zur Reduzierung der Ein- und Ausgabezeiten ist vorgesehen:
(e) Übergang vom Erfassungs- und Eingabemedium Lochkarte zum Medium Lochstreifen  mittels Lochstreifenleser und -stanzer;
(f) Anschluß eines lochstreifengesteuerten Schreib- bzw. Organisationsautmaten (Typ Optima 527 oder 528); 
(g) Anschluß einer programmgesteuerten Druckwerks für die Ausgabe der Recherche-Ergebnisse;

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3   Programmtechnische Basis
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Der grundlegende Idee zur Entwicklung des geplanten Systems der automatisierten Informationsrecherche besteht darin, die internen Abläufe des Speicherns, Recherchierens und Ausgebens von Informationen nach dem Prinzip einer Suchmatrix (synonym Dokument-Deskriptomatrix) zu gestalten. 
Durch die Verwendung des Prinzips der Suchmatrix unterscheidet sich das IRS R100 von jenen Systemen, die ausschließlich auf dem sequentiellen Speichern und Durchsuchen der Fonds von Dokumentennachweisen beruhen.
Informationsrecherchesysteme haben entweder Sachverhaltsinformationen (darunter Fakteninformationen) oder Dokumenteninformationen zum Gegenstand. Das IRS R100 gehört zu den Dokumenteninformationssystemen.
Jede wissenschaftliche oder technische Publikation, darunter auch jede nicht veröffentlichte, wird in der Fachsprache als Dokument bezeichnet. In einem IRS werden die vom Dokumentenauswerter in Erfassungsbelegen angelegten Dokumentenabbilder als Informationseinheiten  gespeichert und weiterverarbeitet. Ein Dokumentenabbild enthält im IRS R100 zwei Komponenten: die bibliografischen Angaben zum Dokument (synonym Dokumentenbezeichnung) und die Deskriptoren (genormte Sachwörter), welche den Inhalt des Dokuments beschreiben. 
Sämtliche Angaben müssen numerisch verschlüsslt sein, weil das IRS R100 keine Buchstaben und andere nichtnumerische Zeichen verarbeiten kann.

Die Speicherung der Dokumentenabbilder (Informationseinheiten) erfolgt im ersten Arbeitsschritt jedes IRS nach dem sequentiellen Prinzip. Das bedeutet, daß die in das IRS eingegebenen Dokumentenabbilder in der Reihenfolge ihres Eingangs im internen Speicher hintereinander, d.h. sequentiell, abgelegt werden. 
 
 

Allgemeine Darstellung eines Dokumentenabbildes
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{Dokumentenbezeichnung ; erster Deskriptor, zweiter Deskriptor, ... n-ter Deskriptor}

Der Fonds an Dokumentenabbildern ist nach den Dokumentenbezeichnungen sortiert.
Den Dokumentenbezeichnungen sind die Deskriptoren zugeordnet

Einfach strukturierte IRS verbleiben auf dieser Stufe. Bei Recherchen in solchen Systemen wird der sequentiell aufgebaute Speicher auch sequentiell, d.h. vom ersten bis zum letzten Dokumentenabbild abgefragt. Infolge der vielen damit verbundenen, nichtrelevanten Zwischenergebnisse werden die Recherchezeiten meist sehr lang.

Zur Effektivierung der Recherche wird in einem zweiten Arbeitsschritt der sequentiell geordnete Speicherfonds durch Vertauschen der Plätze von Dokumentenbezeichnung und Deskriptoren in eine Folge umgewandelt, die zur sequentiellen Folge invers (umgekehrt) ist. Deskriptoren und Dokumentenbezeichnungen bilden jetzt eine Matrix, in welcher jeder Deskriptor eine eigene Zeile und jede Dokumentenbezeichnung eine eigene Spalte bildet. 

Irritierend für den Leser ist, daß in der Fachsprache das Wort "Dokumentenbezeichnung" bzw. "Dokumentennachweis" zu "Dokument" verkürzt wurde, was zur Doppeldeutigkeit des Terminus "Dokument" führte. Mit "Dokument" bezeichnet man richtigerweise die in Schriftform vorliegende Informationsquelle selbst und nicht deren Nachweis. Der Gebrauch von "Dokument" im Wortkonstrukt "Dokument-Deskriptormatrix" ist sprachlich falsch. Nicht die Dokumente, sondern die Dokumentenbezeichnungen bzw. die bibliografischen Angaben zu den Dokumenten werden mit den Deskriptoren zu einer Matrix verknüpft. Im weiteren Text wird deshalb vom Verfasser anstelle von "Dokument-Deskriptormatrix" nur das Fachwort "Suchmatrix" verwendet.
Allgemeine Darstellung einer Suchmatrix
~~
 
Dok.bezeich. A
Dok.bezeich. B
Dok.bezeich. C
.....
Dok.bezeich. m
Deskriptor 1
1
0
1
.....
1
Deskriptor 2
0
1
1
 .....
0
.....
.....
......
.....
.....
.....
Deskriptor n
0
0
1
 .....
1
~~~
Der Fonds an Dokumentenabbildern ist nach den im Fonds insgesamt verwendeten Deskriptoren sortiert. 
Jeder Deskriptor bildet eine eigene Matrixzeile.
Jede Dokumentenbezeichnung bildet eine eigene Matrixspalte.
Jeder Schnittpunkt zwischen einer Matrixzeile und einer Matrixspalte bildet ein Matrixelement. Ein Matrixelement kann entweder den Wert 1 oder den Wert 0 haben. 
Wert 1 bedeutet, daß der Deskriptor der Schnittpunktzeile (der Zeilenindex) und die Dokumentenbezeichnung der Schnittpunktspalte (der Spaltenindex) inhaltlich zusammengehören. Das heißt, daß der betreffende Deskriptor ein Teil der Inhaltsbeschreibung des bezeichneten Dokuments ist.
Wert 0 bedeutet, daß der Deskriptor der Schnittpunktzeile und die Dokumentenbezeichnung der Schnittpunktspalte inhaltlich nicht zusammengehören.
  • Formulieren einer Suchfrage
Eine Suchfrage wird aus den Deskriptoren gebildet, nach denen in den Dokumentenabbildern gesucht werden soll. Kommt es zu einem Sucherfolg, so wird die betreffende Dokumentenbezeichnung als Fundstelle markiert und in die Suchmatrix aufgenommen. Wenn die Suchfrage aus einem einzelnen Deskriptor besteht (Einwort-Recherche), sind keine weiteren Angaben erforderlich. Enthält die Suchfrage mehr als einen Deskriptorer (Mehrwort-Recherche), so muß die Fragestellung zusätzliche Hinweise enthalten, ob und wie die Suchdeskriptoren miteinander verknüpft sind. Diese Hinweise kennzeichnen die anzuwendende Suchstrategie. Im IRS R100 können die Strategie der Disjunktion (logisches ODER), der Konjunktion (logisches UND) oder der Negation (logisches NICHT) angewendet werden.
  • Anlegen, Speichern und Löschen einer Suchmatrix 
Eine Suchmatrix wird erst dann angelegt, wenn eine Suchfrage beantwortet werden soll. Die Antwort besteht aus den Fundstellen (s.o.). Sofern keine weitere Präzisierung der Suchfrage und damit keine weitere Suche erforderlich ist, wird die Suchmatrix nach Ausgabe der Antwort wieder gelöscht.
Die Größe einer Suchmatrix wird von der freien Kapazität des internen Speichers bestimmt. Im R100 stehen als freie Kapazität 600 Speicherplätze zur Verfügung (die Restkapazität von 300 Speicherpläzen wird für das Rechnerprogramm benötigt). 
In die freie Speicherkapazität teilen sich die Suchdeskriptoren (= Menge der Zeilenindizes), die als Fundstelle markierten Dokumentenbezeichnungen (= Menge der Spaltenindizes) und die Matrixelemente (= Menge der Zeilen x Menge der Spalten). 
 
 
Speicherplatzbedarf für die Suchmatrix (Beispiele)
~~
Deskriptoren
(Zeilenindizes)
Fundstellen 
(Spaltenindizes)
Matrixelemente
Speicherplatzbedarf
1
10
1x10=10
1+10+10  =21
5
10
5x10=50
5+10+50  =65
10
25
10x25=250
10+25+250  =285

Die eigentliche Recherche erfolgt portionsweise mit der Eingabe jeweils begrenzter Mengen von Informationseinheiten (Dokumentenabbildern auf Lochkarten). Jede Einzelmenge wird sequentiell durchsucht auf das Vorhandensein eines der Deskriptoren, die in der Suchfrage enthalten sind. Wird ein entsprechendes Dokumentenabbild gefunden, so wird mit dessen Dokumentenbezeichnung in der im Aufbau begriffenen Suchmatrix eine neue Spalte aufgebaut. Das Matrixelement im Schnittpunkt der neuen Spalte mit der Zeile des betreffenden Suchdeskriptors erhält den Wert 1.
Nach Eingabe und Durchsuche aller Lochkartenteilmengen (Dokumentenabbilder) ist der Aufbau der Suchmatrix abgeschlossen. 
Im weiteren Verlauf wird entsprechend der Suchstragie in der Suchmatrix nach logischen Verknüpfungen von Deskriptoren gesucht.  Ist eine Verknüpfung vorhanden, so erhalten die betreffenden Matrixelemente zusätzlich zur Angabe ihres Wertes (= 1) noch eine Markierung. Ist die Suche nach Verknüpfungen abgeschlossen, werden alle Dokumentbezeichnungen, in deren Spalte ein markiertes Matrixelement vorliegt, gesondert in eine für den Nutzer bestimmte Ergebnismatrix überführt.


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4   Festlegungen für die Programmierung des IRS R100
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(1) Da zum Zeitpunkt der Systementwicklung noch nicht über Lochstreifenein- und -ausgabe verfügt werden kann, wird festgelegt:
a) Als Eingabemedium für Dokumentennachweise und Suchfragen werden 80-spaltige genormte Lochkarten verwendet.
b) Die Ausgabe der Recherche-Ergebnisses erfolgt programmgesteuert in Listenform über die elektronische Schreibmaschine.
(2) Für die Dokumentenerschließung und das Formulieren von Suchfragen wird ein erweiterungsfähiges Sachwortverzeichnis aufgebaut. Zur programmtechnischen Umsetzung der Sachwörter in maschinell lesbare Zeichenketten werden alle Sachwörter nach dem Prinzip des systemlosen Schlüssels numerisch kodiert. 
Anmerkung: Die Anlage R100 ermöglicht noch keine Verarbeitung von alphanumerischen Texten und Wörtern.
(3) Die für das IRS auszuwertenden Dokumente werden bei ihrer Erfassung vom Auswerter gewichtet. Gewichtsfaktoren sind die Art des Dokuments und der Charakter des im Dokument vorwiegend behandelten Gegenstandes. Die Bestimmung des Gewichts erfolgt anhand einer Tabelle der Gewichtsfaktoren (siehe unten stehende Tabelle).
(4) Der rechnerinterne Ablauf der Recherche erfolgt auf der Basis einer Suchmatrix (Dokument-Deskriptor-Matrx). Für die Suchmatrix stehen 600 Hauptspeicherplätze zur Verfügung.
(5) Zeilenindizes der Suchmatrix sind die numerisch verschlüsselten Suchwörter (Suchdeskriptoren). Spaltenindizes sind die  numerisch verschlüsselten Bezeichnungen der in die Suchmatrix aufgenommenen Dokumentenabbilder. Bei erreichter vollständiger Auslastung der für die Suchmatrix verfügbaren Speicherplätze werden automatisch die nachstehenden Schritte in der angegebenen Reihenfolge ausgeführt: Unterbrechung der Eingabe weiterer Dokumentenabbilder / Ausdrucken der Fundstellen in einer Ergebnismatrix / Löschen der bestehenden Suchmatrix / Fortsetzung der Eingabe von Dokumentenabbildern bei gleichzeitigem Aufbau einer neuen Suchmatrix.
Über das Ausdrucken der Ergebnismatrix  entscheidet der  Recherche-Durchführende.
(6) Nach dem vollständigen Aufbau der Suchmatrix und nach jeder Variierung der Suchfrage werden automatisch Angaben über die Anzahl der befragten und die Anzahl der gespeicherten bzw. relevanten Dokumentenabbilder ausgedruckt.
(7) Die Dokumentenbezeichnungen werden mit maximal 12-stelligen Zahlen verschlüsselt. Zur Erleichterung des Nutzerzugriffs zum Originaldokument werden in der Dokumentenbezeichnung mnemonische Schlüsselteile verwendet. Deren entschlüsselte Form wird dem Sachwortverzeichnis entnommen.Mnemonische Schlüsselteile erlauben es, sich die Bedeutung der betreffenden Zeichenkette leichter einzuprägen..
Für die numerischen Deskriptorbezeichnungen werden sämtliche 12 Zeichen, die im R100 für ein Datenwort zur Verfügung stehen, ausgenutzt. Die Deskriptorbezeichnungen werden ebenfalls dem jeweiligen  Sachwortverzeichnis entnommen. 
(8)  Für Mehrwortrecherchen werden je nach Vorgabe in der Suchfrage die Suchstrategien Logische Summe (logische Disjunktion), Logisches Produkt (logische Konjunktion) und Logische Differenz (logische Negation) angewendet. 
(9) Das Rechercheprogramm erlaubt das Variieren einer bereits eingegebenen Suchfrage durch Eingabe entsprechender Befehle am Kontroll-und Bedienpult. Möglich ist eine Vergrößerung der Anzahl der Suchdeskriptoren auf maximal 10. Zur Beschleunigung des Eingabevorganges wird in diesem Fall der auf Lochkarten gespeichert Fonds an Dokumentenabbildern nur nach den zusätzlichen Deskriptoren befragt. Der bereits gespeicherte Teil der Suchmatrix wird unverändert im internen Speicher belassen.
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Dokumentengewichte
Dieser Abschnitt ist nicht identisch mit der Methode des Gewichtens von Deskriptoren, über die S.Bergmann berichtet (siehe Quellenangabe unten). 

Das Dokumentengewicht drückt die Wertigkeit eines Dokuments aus, die bei seinem Erschließen vor der Eingabe in das IRS ermittelt wird. Die Wertigkeit leitet sich ab aus der Art des Dokuments und aus dem Grad an Bedeutung, welchen das Dokument im Rahmen seines Fachgebietes besitzt.
Im IRS R100 werden die in der nachstehenden Tabelle aufgelisten Gewichtsfaktoren verwendet.
 

Art des Dokuments Bedeutung des Dokuments Gewicht
Ausführlicher Beitrag Zentrale Bedeutung
09
Beitrag normaler Länge Zentrale Bedeutung
08
Ausführlicher oder normaler Beitrag Spezielle Bedeutung 
07
Ausführlicher oder normaler Beitrag Normale Bedeutung
06
Ausführlicher oder normaler Beitrag Allgemeine Bedeutung
05
Ausführlicher oder normaler Beitrag Hinweis ohne nähere Beschreibung
04
Kurzbeitrag; Notiz Zentrale Bedeutung
03
Kurzbeitrag; Notiz Normale Bedeutung
02
Kurzbeitrag; Notiz Hinweis ohne nähere Beschreibung
01
Vgl. S. Bergmann: Mechanisierung und Automatisierung der Literaturrecherche nach sequentiellem Prinzip. - Forschungsbericht des Instituts für Energetik, Hauptabteilung Information, Leipzig 1966.

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5    Informationssprache des IRS R100
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Eine Informationsprache ist das sprachliche Gerüst für die Mensch-Maschine-Kommunikation im IRS. Sie ermöglicht den fortwährenden Informationsaustausch zwischen dem Menschen, welcher das IRS von außen steuert, und dem rechnerinternen Systemteil, welcher die Steuerbefehle in automatisch ablaufende Handlungen umsetzt und die Ergebnisse der Handlungen dem Menschen mitteilt. Während die rechnerinternen Handlungen auf der Basis einer speziellen Maschinensprache stattfinden, erfolgt das Vorbereiten und Auslösen von Recherchen unter Verwendung von Sachwörtern der natürlichen Sprache des Menschen (im IRS R100 sind es Sachwörter der deutschen Sprache).  Unter Verwendung von Sachwörtern werden sowohl die in das IRS einzugebenden Dokumenteninformationen erfaßt und gespeichert als auch die Suchfragen formuliert. 
Aus der Vielzahl der Sachwörter, die in der Regel für das Beschreiben eines Dokumentes oder das Formulieren einer Suchfrage geeignet erscheinen,  werden bestimmte Sachwörter als Deskriptoren ausgewählt. Gleichbedeutende, aber nicht als Deskriptor benannte Sachwörter können als Synonyme zum Deskriptor mit für die Dokumentenbeschreibung verwendet werden. Synonyme werden in der Fachsprache auch Nichtdekriptoren genannt.
Im Fremdwörterbuch des Duden (Ausgabe von 1990) lautet die Definition von Deskriptor:  "Kenn- oder Schlüsselwort, durch das der Inhalt einer Information charakterisiert wird und das zur Bestimmung von Daten im Speicher eines Computers dient." 
Unter informationswissenschaftlichem Aspekt muß diese Definition dahingehend präzisiert werden daß ein Deskriptor ein genormtes Sachwort der jeweiligen Fachsprache ist. "Normung" bedeutet hier, daß der vom Deskriptor zum Ausdruck gebrachte Begriff durch eindeutige Definition des Begriffsinhalts und -umfangs genau beschrieben und eine Gleichsetzung mit anderen Sachwörtern, denen ein anderer Begriffsinhalt und -umfang zugrunde liegt, ausgeschlossen wird. Nichtgenormte Sachwörter dürfen nicht als Deskriptoren bezeichnet werden. 
Die Menge aller Deskriptoren eines Fachgebietes bildet zusammen mit den zum jeweiligen Deskriptor gehörenden Synonymen, Unter- und Oberbegriffen den Thesaurus des Fachgebiets bzw. der Fachdisziplin. 

Die Ausarbeitung eines Thesaurus für ein großes Fachgebiet ist eine sehr zeit- und kostenintensive Arbeit, welche häufig  die Beteiligung von Spezialisten anderer Fachrichtungen erfordert. Oftmals vergehen Jahre, bis ein fertiger Thesaurus vorliegt. In dieser langen Zeit kann keine zufriedenstellende praktische Arbeit mit dem Informationssystem, für das der Thesaurus bestimmt ist, stattfinden. Für das IRS R100 wird deshalb die Methode der parallelen Systementwicklung angewendet, bei welcher die Informationserfassung und -speicherung parallel zur Schaffung einer für den vorgesehenen Anwendungsbereich geeigneten Informationssprache erfolgt. 
 

Zur beschleunigten Ausarbeitung der Informationssprache wurde für die erste Phase der Entwicklung des IRS auf das Festlegen von Deskriptoren verzichtet. Das Indexieren von Dokumenten und Suchfragen wurde mit ungenormten, der Fachliteratur entnommenen Sachwörtern.durchgeführt.
Für eine Erprobung dieser Methode wurde das Fachgebiet "Datenverarbeitung und angrenzende Gebiete" gewählt. Ausgewertet wurde ein vollständiger Jahrgang der Fachzeitschrift "Rechentechnik / Datenverarbeitung". Erfaßt wurden alle dokumentierwürdigen Inhaltskomponenten der einzelnen Zeitschriftenartikel, Kurzmeldungen und bibliographischen Hinweise Die Erfassung erfolgte in Form von Sachworten und Sachwortgruppen (unter Sachwort wird ein fachsprachlich üblicher Ausdruck für einen Gegenstand oder Sachverhalt verstanden). Durch ständige Kontrolle der bereits erfaßten Sachwörter wurden Wiederholungen vermieden. Synonyme von Sachwörtern wurden ebenfalls erfaßt, soweit sie von fachsprachlicher Bedeutung waren. Das für einen bestimmten Gegenstand oder Sachverhalt am häufigsten benutzte Sachwort erhielt das Prädikat Vorzugswort (einer Vorstufe des Deskriptors). Bei einem fachsprachlich üblichen fremdsprachigen Sachwort wurde in der Regel die deutsche Übersetzung als Vorzugswort benannt (Beispiel: time sharing --> Zeitteilverfahren). 
Nach beendeter Auswertung aller 12 Hefte des Zeitschriftenjahrgangs umfaßte der ermittelte Wortschatz ca. 1100 Sachwörter und Sachwortgruppen.

Parallel zur Erfassung der Sachwörter wird ein systemloser Schlüssel aufgebaut, mit dem alle in der Sachwortliste enthaltenen Termini numerisch verschlüsselt werden. Das verschlüsselte Wort umfaßt einen Identifizierungs- und einen Klassifizierungsteil. Der Identifizierungsteil besteht aus einer fortlaufenn, mit 1 beginnenden und maximal 4-stelligen Zahl, genannt Ident-Nummer. Es werden nur die Vorzugswörter (siehe oben) auf diese Weise unverwechselbar gekennzeichnet. Synonyme erhalten keine Ident-Nummer.
Der Klassifizierungsteil der Schlüsselnummer dient der Einordnung eines Schlüsselwortes in eine oder in mehrere Sachwortklassen. Das Sachgebiet "Datenverarbeitung und angrenzende Gebiete" umfaßt zu diesem Zweck acht Sachwortklassen. 
 

Sachgebiet EDV und angrenzende Gebiete
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Sachwortklasse Bezeichnung
1
Rechnertypen, Herstellerfirmen, Herstellerländer
2
Anwendungsbereiche und -komplexe
3
Datenerfassung, Ein- und Ausgabe, Speichermedien
4
Rechnerinterne Vorgänge, Bauteile, Datenfernübertragung
5
Kybernetik, Operationsforschung, Informationswesen
6
Organisation der EDV, Programmiersprachen
7
Prozeßsteuerung, Numerische Steuerung
8
Ergänzungen (nimmt vorläufig alle Sachwörter auf, die nicht in eine der Klassen 1-7 eingeordnet werden können.

Jedem Sachwort wird ein zweiteiliger Verweisungsteil beigefügt. Verweisungsteil 1 gilt nur für Synonyme des Sachworts. Eingetragen wird hier die Ident-Nummer des jeweiligen Vorzugswortes. Verweisungsteil 2 kennzeichnete vorhandene assoziative Beziehungen zwischen den Sachwörtern (Verweisungen auf Teilsynonyme und wichtige Ober- und Unterbegriffe zum Basis-Sachwort). Eingetragen werden in diesen Teil die Ident-Nummern der Sachwörter, auf die verwiesen wird. Es kann auf eine beliebig große Zahl von verwandten Sachwörtern verwiesen werden.

Die Menge aller erfaßten Sach- und Vorzugswörter wird im Sachwortverzeichnis zusammengefaßt und auf Lochkarten gespeichert. Das Verzeichnis kann unabhängig vom Stand seiner Fertigung sofort für die maschinelle Speicherung und Recherche genutzt werden. Änderungen im Sachwortverzeichnis sind ohne großen Aufwand jederzeit möglich.
 


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6    Organisation der Dokumentenanalyse
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  • Auszuwertende Informationsquellen
Für die Auswertung und maschinelle Speicherung kommen alle einschlägigen Veröffentlichungen und nichtveröffentlichten Publikationen des jeweiligen Fachgebietes in Frage.
Im Prozeß der wissenschaftlich-technischen Revolution verkürzt sich allerdings fortwährend der Zeitraum, in welchem eine wissenschaftliche Information noch als aktuell, das heißt mit hohem Informationsgegalt versehen, betrachtet werden kann. Aus diesem Grund sind wegen der oft langwierigen Druckvorbereitung häufig Fachpublikationen in Buchform bei ihrem Erscheinen nicht mehr von der erwünschten Aktualität. Im Interesse einer möglichst aktuellen Information sollten daher die Möglichkeiten der automatischen Informationsrecherche besonders für das Auswerten und Speichern der in den Fachperiodika enthaltenen wissenschaftlichen und technischen Informationen genutzt werden. Hierbei haben nicht nur die längeren Zeitschriftenartikel einen dokumentierwürdigen Inhalt. Kurzmeldungen und bibliographische Notizen können ebenfalls ergiebige Informationsquellen sein. Sie sollten deshalb beim Auswerten von Publikationen (bei der Dokumentenanalyse) nicht vernachlässigt werden.
Neben den Periodika sind vor allem auch Messeprospekte, Konferenz- und Reiseberichte, Referate auf Fachtagungen usw. dokumentierwürdig. Ein spezielles Gebiet mit Quellen von hohem Informationswert bildet die Patentliteratur. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch allen Unterlagen über einschlägige wissenschaftliche und technische Untersuchungen, die im eigenen Fachbereich erfolgten oder geplant sind, gewidmet werden.

Zur einwandfreien Identifizierung der Dokumente, deren Nachweise beim Recherchieren gefundenen wurden, ist eine eindeutige Dokumentbezeichnung erforderlich. Im IRS R100 steht für die Bezeichnung der Dokumente ein 12-stelliger Nummernbereich zur Verfügung. Für das Kennzeichnen von Veröffentlichungen in Zeitschriften findet das nachstehende Nummernschema Verwendung.
 

Dezimalstelle
12-10 9-8 7-6 5-2 1
xxx xx xx xxxx x
Lfd.Nr. der Zeitschrift          ---------------------------------------------------------- ---|        
Monat der Veröffentlichung  ---------------------------------------------------------- ------- --|      
Jahr der Veröffentlichung     ---------------------------------------------------------- ------- ---- --|    
Seite                                 ---------------------------------------------------------- ------- ---- ---- ---|  
Stelle auf der Seite            ----------------------------------------------------------- ------- ---- ---- ------ -|

Mit Ausnahme der Zeitschriften-Nummer sind alle Schlüsselteile von mnemonischer Art, das heißt man kann ohne Hilfsmittel direkt auf die natürlichsprachige Bezeichnung des jeweiligen Schlüsselnummernteils schließen.
Die einstellige Zahl der Dezimalstelle 1 bezeichnet die Stelle auf der Seite der Zeitschrift, an der das analysierte Dokument zu finden ist. Diese Angabe ist insbesondere bei Kurzmeldungen und bibliographischen Hinweisen hilfreich.

  • Organisation der Dokumentenauswertung
Um den vorhandenen Literaturfondsmit Hilfe der EDV effektiv zu nutzen, ist eine straff geleitete Auswertungstätigkeit unter Einbeziehung von Spezialisten der jeweiligen Fachbereiche eine unerläßliche Voraussetzung. Dafür lassen sich mindestens zwei Gründe anführen:
Erstens sind die Mitarbeiter der betrieblichen Dokumentationseinrichtungen zahlenmäßig in der Regel nicht in der Lage, sämtliche für die betriebliche Information periodisch und aperiodisch bezogenen Fachpublikationen auszuwerten und für die Recherche aufzubereiten. Wertvolle wissenschaftlich-technische Informationen gelangen dadurch ungenutzt in die Archive oder werden in Form von "Umlaufmappen" nur einem eng begrenzten Personenkreis zugänglich gemacht.
Zweitens kann auch der beste Dokumentationsspezialist nicht über die Summe aller der Kenntnisse verfügen, welche ein Fachspezialist auf seinem Gebiet besitzt. Eine den Belangen des potentiellen Informationsnutzers entsprechende Dokumenenanalyse kann deshalb mit hohem Nutzeffekt nur vom Fachspezialisten, das heißt im übertragenen Sinne vom Informationsnutzer selbst, durchgeführt werden. 
 
Von Interesse ist in diesem Zusammenhang die Methode, die im Institut für Stahlbeton (Dresden) angewandt wird. In diesem Institut sind alle wissenschaftlichen Mitarbeiter in die Auswertetätigkeit einbezogen. Jeder Mitarbeiter ist für die Auswertung jeweils einer Zeitschrift verantwortlich. Die ihm dafür zur Verfügung stehende Zeit beträgt 14 Tage. Das Auswertungsergebnis wird auf vorgedruckten Karten festgehalten und an die Dokumentationsstelle des Instituts weitergeleitet. (siehe ZIID-Zeitschrift 6 / 1966, S.107)
Setzt man voraus, daß jedem Fachspezialisten nur Literatur seines Fachgebietes und der daran angrenzenden Gebiete zur Auswertung übertragen wird, so stellt die geschilderte Methode einen zumutbaren und effektiven Weg zur Aufbereitung des gesamten aktuellen Literaturfonds des Fachgebietes dar.

Die Anwendung dieser Methode erfordert, daß jeder Auswerter durch Mitarbeiter der Dokumentationseinrichtung mit den Methoden des Indexierens (Vergeben von Deskriptoren bzw. Sachwörtern zur Beschreibung eines Dokumenteninhalts) gründlich vertraut gemacht wird. Das zum Indexieren benötigte Instrumentarium (Thesaurus, Sachwortverzeichnis) muß jedem mit der Auswertung beauftragten Mitarbeiter in dem für seine Tätigkeit erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen. Ergänzungen und andere Veränderungen der Wortlisten müssen jedem Auswerter sofort in schriftlicher Form bekannt gemacht werden.
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7   Zeitaufwand für den Recherchevorgang
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Die unmittelbar mit dem R100 durchzuführenden Arbeiten des Rechercheprozesses bestehen aus drei Arbeitsgängen:
(1) Eingabe der Suchfrage und des Informationsfonds sowie Aufbau der Suchmatrix im internen Speicher;
(2) Kennzeichnung der relevanten Dokumentenbezeichnungen und Ermittlung der Fundstellenzahl (eigentlicher Recherchevorgang);
(3) Ausgabe des Recherche-Ergebnisses.
 
Vorgenommene Teste zeigen, daß die zum Durchführen der einzelnen Arbeitsgänge benötigten Zeiten von sehr unterschiedlicher Länge sind. Das günstigste Verhältnis von Zeitaufwand und Ergebnis wird im Arbeitsgang (2) erreicht. Dieser Arbeitsgang läuft vollständig in der Zentraleinheit des R100 ab. Die durchschnittliche Rechengeschwindigkeit von 43 Operationen in der Sekunde reicht aus, um auch aus umfangreicheren Suchmatrizen in 1 - 2 Minuten das Recherche-Ergebnis zu berechnen.
Ungünstiger liegen die Verhältnisse bei den Arbeitsgängen (1) und (3). Beide Arbeitsgänge werden von Peripheriegeräten in Zusammenarbeit mit der Zentraleinheit ausgeführt. Die niedrigen Arbeitsgeschwindigkeiten der elektromechanisch arbeitenden Peripheriegeräte sind jedoch nur beim Arbeitsgang (3) Ursache für den relativ hohen Zeitbedarf. (Ausdrucken einer Ergebnismatrix mit 54 Zeilen und 6 Spalten in ca. 400 Sekunden). Bei Anschluß eines Druckwerkes an den Rechner läßt sich der Zeitaufwand für die Druckausgabe beträchtlich verringern.

Die Eingabegeschwindigkeit beim Arbeitsgang (1) hängt in der Hauptsache von der Anzahl der Vergleichsoperationen ab, die zur Überprüfung jeder Lochkarte im Rechenwerk der Zentraleinheit vorgenommen werden müssen. Im Höchstfall sind für 1 Lochkarte 60 Vergleiche notwendig (wenn es keinen Sucherfolg gibt oder wenn der Erfolg erst beim letzten Vergleich mit  dem jeweiligen Suchdeskriptor eintritt). Für 100 Vergleiche (einschließlich Transportoperationen und Indexerhöhung) benötigt der R100 3,5 Sekunden. Die oben genannten 60 Vergleiche erfordern demnach 2,1 Sekunden Rechenzeit. Da ein Maschinengang des Lochkarten-Ein- und Ausgabegeräte (EAG) in 0,6 Sekunden abläuft, treten bei 2,1 Sekunden Rechenzeit 3 Zwischengänge auf (3 x 0,6 = 1,8 Sekunden). Die Folgekarte muß demnach 1,8 Sekunden auf ihre Verarbeitung warten.

Das erläuterte Beispiel stellt den Extremfall dar. Durch ihn wird die Geschwindigkeit der Lochkarteneingabe auf ein Viertel ihres möglichen Wertes reduziert. Ein Eingabetest mit unterschiedlicher Anzahl Suchdeskriptoren ergab folgende Werte:
 

Anzahl Suchdeskriptoren
Lochkarten/Stunde
6
2000
4
2800
3
3500
2
5400
1
5900

Die theoretisch höchste Eingabegeschwindigkeit von 6000 Lochkarten pro Stunde wird also nur bei 1 bis 2 Suchdeskriptoren  annähernd erreicht,

Um die automatische Recherche nicht wegen zu langer Eingabezeiten unwirtschaftlich werden zu lassen, muß eine möglichst tiefgehende Gliederung des einzugebenden Lochkartenfonds vorgenommen werden. Die Recherche sollte nur mit demjenigen Teil des Lochkartenfonds erfolgen, welcher den größten Funderfolg verspricht. Präzise formulierte Informationsaufträge; Einschränkungen des Zeitraums innerhalb dem recherchiert werden soll (beispielsweise bei Recherchen in Zeitschriften nur die Jahrgänge 1967 bis 1969) oder Beschränkung der Recherche auf bestimmte Quellen oder Autoren ermöglichen es, den einzugebenen Teil des Lochkarten-Informationsfonds klein zu halten. Durch möglichst sparsame, den Sachinhalt des Dokumentes aber dennoch genau charakterisierende Sachwortvergabe beim Indexieren läßt sich die Aufnahme unnötiger Sachwörter in den Informationsspeicher vermeiden. Damit kann auch von dieser Seite die Zahl der für die Recherche einzugebenden Lochkarten verringert werden.

Ausgehend von Testen mit unterschiedlich großen auf Lochkarten gespeicherten Informationsfonds kann angenommen werden, daß für die Speicherung des Sachinhaltes eines aus 12 Heften bestehenden Zeitschriftenjahrgangs normalen Umfangs etwa 350 bis 400 Lochkarten notwendig sind. Bei einer Recherche mit dem IRS R100 können demnach in einer Stunde 5 Jahrgänge nach 6 Deskriptoren durchsucht werden. 
Durch Ausnutzung der Möglichkeiten zum Variieren einer Suchfrage lassen sich Rechercheaufträge, die zusammen nicht mehr als 6 Deskriptoren enthalten, kombinieren (z.B. bilden 3 Rechercheaufträge mit je 2 Suchdeskriptoren eine Suchfrage mit 6 Suchwörtern). Auf diese Weise werden mehrere Rechercheaufträge mit einem einzigen Eingabevorgang bearbeitet.
Die praktische Recherchetätigkeit und insbesondere das Umstellen von der Lochkarten- auf die Lochstreifeneingabe werden weitere Möglichkeiten für das Beschleunigen des Eingabevorganges erschließen.
 


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   8   Wissenschaftliche Grundlage (Diplomarbeit) zum Thema
Informations-Recherche mit dem elektronischen Lochkartenrechner Robotron 100
~~~
Autor: Eberhardt Gering, Rostock
Eingereicht am 30.Mai 1969 an der Universität Rostock, Sektion Sozialistische Betriebswirtschaft
Betreuer: Dipl. oec. Müller, Leitender Mitarbeiter im Rechenzentrum des Instituts für Schiffbau, Rostock
Inhalt der Arbeit
~~
1. Information und Dokumentation im Prozeß der wissenschaftlich-technischen Revolution
2. Automatisierung der Informations-Recherche mit dem Robotron 100
2.1 Zum Begriff der Informations-Recherche
2.2 Grundprinzip der Informations-Recherche im dokumentalen Recherchesystem
   
2.3 Recherchesprache
2.3.1 Prä- und postkoordinierte Recherchesprachen
2.3.2 Anforderungen an eine für die automatische Informations-Recherche nutzbare Recherchesprache
2.3.3 Aufbau einer Recherchesprache für den Einsatz des Robotron 100 bei der Informations-Recherche
   
2.4 Dokumentenanalyse und Datenerfassung
2.4.1 Grundsätze der Dokumentenanalyse
2.4.2 Methodik der Erfassung des Sachinhalts der Dokumente
2.4.2.1 Dokument- und Deskriptormethode
2.4.2.2 Relevanzgewichtung 
2.4.2.3 Verwendung von Oberbegriffen beim Indexieren
2.4.2.4 Verbindungsanzeiger
2.4.2.5 Erfassen neuer Sachwörter
2.4.2.6 Anzahl der zum Indexieren benötigten Sachwörter
2.4.3 Organisation der Dokumentenanalyse
2.4.3.1 Auszuwertende Informationsquellen
2.4.3.2 Organisation der Auswertung
   
2.5 Mathematische Formulierung des Recherchevorganges im dokumentalen Recherchesystem
2.5.1 Informations-Recherche mit ungewichteten Informationen
2.5.2 Informations-Recherche mit Variierung des Rechecheauftrages
2.5.2 Informations-Recherche mit gewichteten Informationen
   
2.6 Abgrenzung des Aufgabengebietes für den Einsatz des Robotron 100
2.6.1 Gerätekonfiguration und technische Parameter des Robotron 100
2.6.2 Aufgabenstellung für den Einsatz des Robotron 100 bei der Informations-Recherche
2.6.2.1 Übersicht
2.6.2.2 Programmtechnische Aufgabenstellung
2.6.2.3 Anforderungen an die Arbeitsorganisation
2.7 Datenflußplanung
2.7.1 Darstellung des Gesamtkomplexes der Informations-Recherche
2.7.1.1 Materielle und informationelle Inputs und Outputs des Recherchesystems
2.7.1.2 Teilprozesse im Recherchesystem
2.7.2 Datenflußplan Sachwortverzeichnis
2.7.3 Datenflußplan Datenerfassung
2.7.4 Datenflußplan Recherche und Informationsweitergabe
   
2.8 Programmierung und Test 
2.8.1 Grundlagen der Programmierung
2.8.2 Programmablaufpläne und Erläuterungen                                                                                                        .
2.8.2.1 Programmablaufplan 0
2.8.2.2 Programmablaufplan 1
2.8.2.3 Programmablaufplan 2
2.8.2.4 Programmablaufplan 3
2.8.2.5 Bemerkungen zur Variirung der Suchfrage
2.8.3 Programmtests
2.8.4 Einschätzung des Zeitaufwandes für den Recherchevorgang
   
Anhang Zusammenstellung der wichtigsten Begriffe der Informationserfassung und Recherche 
   


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  9     Praktischer Nutzen des IRS R100
~~~

Das IRS R100 stellt dem Nutzer folgende Leistungen zur Verfügung:
 
x  Periodische, aktuelle und gezielte Information über Neuerscheinungen in der wissenschaftlich-technischen Literatur.
Periodisch - weil das IRS einen festen Rhythmus der Information über Neuzugänge zum Informationsspeicher gewährleistet;
Aktuell - weil das Einbeziehen eines großen Kreises von Fachleuten in die Auswertetätigkeit ein rasches und exaktes Auswerten der relevanten Fachliteratur sichert;
Gezielt - weil jeder Informationsnutzer entsprechend seinem spezifischem Nutzerprofil mit Informationen versorgt wird.
x  Schnelle und umfassende Information bei fallweisem Informationsbedarf (aperiodische Auftragsrecherchen);
x  Systematische und weitreichende Information über nichtveröffentlichte Dokumente (Forschungs- und 
    Entwicklungsberichte, Tagungsprotokolle u.a.).

Spezielle  Leistungsangebote sind darüber hinaus:
 

x  das gezielte Einbeziehen von Nutzern in die Auswertung von veröffentlichten und nichtveröffentlichten Publikationen
   zu Themen des Fachgebietes;
x  das Bereitstellen von Kopien des Sachwortverzeichnisses zum Fachgebiet des Nutzers und das Informieren von
   Nutzern über Veränderungen im Sachwortverzeichnis.
 

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  10     Fachliche Beurteilung der Diplomarbeit zum Thema
"Informations-Recherche mit dem elektronischen Lochkarten-Rechner Robotron 100"
~~~
Die vorliegende Arbeit stellt in ihrer Zielstellung, ihrer Ausführung  und ihren Ergebnissen  eine hervorragende Leistung dar. 
Dokumenten-Recherchen werden allgemein auf wesentlich leistungsfähigeren Anlagen als dem R 100 durchgeführt. Die von Herrn Gering entwickelte und realisierte Lösung zeigt eine musterhaft kombinierte Anwendung von organisatorischen Maßnahmen, mathematischen Methoden und technischen Bedingungen zur Lösung der Aufgabe. 
Mit der Variationsbreite der Suchbedingungen und den Rechenzeiten wurden bisher nicht bekannte Einsatzmöglichkeiten des 
R 100 erschlossen. Obwohl das Maschinenprogramm nicht Gegenstand der Arbeit ist, lassen die genannten Rechenzeiten darauf schließen, daß der Verfasser auch die Programmierung gut beherrscht.

Über das eingentliche fachliche Problem hinaus zeigt die Arbeit ganz allgemein, wie durch systematische, gründliche wissenschaftliche Arbeit mit z.Z. vorhandenen Grundmitteln Aufgaben wirtschaftlich gelöst werden können, für die bei nicht so gründlicher Analyse Importanlagen notwendig erscheinen. Da die Arbeit gut gegliedert ist und die Fachprobleme allgemeinverständlich dargelegt sind, ist diese Schlußfolgerung für Ökonomen erkennbar.

Damit hat die Arbeit über ihre unmittelbare Zielstellung hinaus ökonomischen und ideologischen Einfluß. Ich empfehle eine auszugsweise Popularisierung in der Fachpresse und bewerte sie mit
                                                                                                                                sehr gut

                      Rostock, 16.6.1969                                                                              gez. Müller (Gutachter)


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   11   Universitätsveröffentlichungen und öffentliche Publikationen durch den Autor des IRS R100
~~~
Hauptgegenstand der Veröffentlichungen:
Beschreibung der Grundlagen und Erläuterung der Funktionen eines vom Autor in den Jahren 1967 bis 1969 entworfenen, programmierten, getesteten und bis zur Praxisreife entwickelten automatisierten Informationsrecherchesystems.
Technische Basis für das in den Veröffentlichungen beschriebene Projekt: Elektronischer Lochkartenrechner Robotron 100  mit volltransistorisierter Zentraleinheit einschließlich Magnettrommelspeicher.
Hersteller der in Serie gefertigten Anlage Robotron 100: VEB Robotron, Betrieb Saalfeld in Thüringen.

Universitätsveröffentlichungen:

/1/ Gering, Eberhardt: Jahresarbeit zum Thema Möglichkeiten und Probleme der Informatiosspeicherung und Informationssuche mit Hilfe des elektronischen Lochkartenrechners Robotron 100. - Ingenieurökonomische Fakultät der Universität Rostock (Betreuer Dr. Lack), 27 Seiten, Anlagen. - Rostock den 12. September 1968

/2/ Gering. Eberhardt: Diplomarbeit zum Thema Informations-Recherche mit dem elektronischen Lochkartenrechner Robotron 100. - Sektion Sozialistische Betriebswirtschaft der Universität Rostock (Betreuer: Dipl.oec Müller),  98 Seiten, Anlagen, Gutachten. - Rostock den 30.Mai 1969

Öffentliche Publikationen:

/ 3 /  Gering, Eberhardt: Einsatz des Robotron 100 für die Informationsrecherche. -
In: Rechentechnik / Datenverarbeitung. - Heft 10/11 1969, Seiten 63 - 70. Mit Blockschaltbildern, Datenflußplänen und Anwendungsbeispielen.

/ 4 / Gering, Eberhardt: Das Informationsrecherchesystem  “Robotron 100”, Arbeitsprinzip und Anwendungsmöglichkeiten. - 
In: Marinewesen , Zeitschrift für Militärwissenschaftliche Fragen, Heft 12 / 1970, 9. Jahrgang,  Seiten 1454 - 1463  (1451 - 1464). Mit Ablaufplan für die Informationsrecherche, Netzplan der Einsatzvorbereitung u.a.

Sekundärpublikation

/ 5 / VEB Kombinat Robotron Dresden (Hrsg.): Einsatz des Robotron 100 für die Informationsrecherche. - Bibliographischer Nachweis der gleichnamigen Veröffentlichung in Heft 10/11 Jahrgang 1969 der Zeitschrift Rechentechnik-Datenverarbeitung (siehe oben). - In: Bibliographie zur Datenverarbeitung, Heft 1/1970, S. 068.
 


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   12   Leistungsfähigkeit der Anlage Robotron 100 (Beispiel aus der Geodäsie)
~~~
Technische Engpässe beim Durchführen von Informationsrecherchen mit dem R 100 sind das elektromechanische Lochkarten-Ein- und Ausgabegerät (EAG) mit einer Lesegeschwindigkeit von maximal 6000 Lochkarten pro Stunde und die programmgesteuerte elektronische Schreibmaschine mit einer Schreibgeschwindigkeit von 1,1 Sekunden für eine zwölfstellige Zahl. 
Da das Stanzen von Lochkarten entfällt, ist als Hemmfaktor beim EAG nur die Lesegeschwindigkeit relevant.Die Geschwindigkeit der Lochkarteneingabe über das EAG ist stark von der Zahl der Suchbegriffe, nach denen die Lochkarten durchsucht und von denen die entsprechenden Abbilder in der Suchmatrix gespeichert werden, abhängig. Die höchste Eingabegeschwindigkeit (6000 Lochkarten / Stunde) wird mit einem einzigen Suchbegriff erreicht. Bei 6 Suchbegriffen beträgt die Eingabegeschwindigkeit nur 2000 Lochkarten pro Stunde.
Die Leistungsfähigkeit der Anlage Robotron 100 bei der Durchführung komplexer Rechenoperationen erwies sich 1968 anhand von zwei programmierten Lösungen auf dem Gebiet der Vermessungstechnik und Geodäsie. Anwendungsbeispiele waren die Transformation der Koordinaten eines vorgegebenen Punktes der Erdoberfläche  sowie die Berechnung der Koordinaten eines Festpunktes nach der Methode des Vorwärtseinschnitts. Die erforderlichen Ausgangsdaten wurden per Lochkarte über das Ein- und Ausgabegerät des R 100 eingegeben, die Ausgabe der errechneten Daten geschah über die elektrische Schreibmaschine.
Die Koordinatentransformation beinhaltet die Umrechnung der im ebenen Gauß-Krüger-Koordinatensystem der Erdoberfläche gegebenen Werte  eines bestimmten Punktes (Hoch- und Rechtswert) in die geographischen Koordinaten (Breite und Länge) dieses Punktes sowie das Zurückrechnen der ermittelten geographischen Werte in die Koordinaten des Gauß-Krüger-Systems. Koordinatentransformationen wurden zum Zeitpunkt des Programmtests meist noch konventionell mit manuell zu bedienenden  Handkurbelrechenmaschinen (beispielsweise vom Typ Triumphator oder Mercedes) unter Zuhilfenahme von mathematischen Tafelwerken durchgeführt. Für einen kompletten Rechenvorgang (Hin- und Rückrechnung) benötigte eine geübte Person etwa 45 Minuten, das sind 2700 Sekunden. Das Ergebnis des gleichen Rechenvorganges, durchgeführt von der Anlage R 100, lag bereits nach ca. 8 Sekunden vor. Die beiden Rechenzeiten standen zueinander im Verhältnis 2700 zu 8. Die  Rechenanlage R100 löste die Aufgabe demnach  ca. 340mal schneller als der spezialisierte Mensch.

Ein proportional ähnliches Ergebnis erbrachte die Koordinatenberechnung eines Festpunktes nach der Vermessungsmethode des Vorwärtseinschnitts, bei welcher als Ausgangswerte die Koordinaten zweier anderer Festpunkte und die im Dreieck Festpunkt 1 - Zielpunkt - Festpunkt 2 gemessenen Winkel  zugrunde gelegt werden.
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Die zum ersten Beispiel genannten Rechenzeiten beziehen sich auf den rechnerinternen Ablauf. Die benötigten Zeiten für die Eingabe der Ausgangangsdaten in den R100 sowie für die Ausgabe der Ergebnisse blieben unberücksichtigt. 


Angaben zum Autor

 
 
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