Wissensspeicher Frühe Köhlerei (Sachverhaltsinformationen) 

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Stand: 136 Informationsnachweise / April 2009

Autor: Dr.phil. Eberhardt Gering
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Was man vom "Wissensspeicher Frühe Köhlerei" wissen muß
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Der Wissensspeicher ist in Informations-Nachweise (Datensätzezu je acht Datenfeldern) unterteilt. Die Kerninformation eines Nachweises befindet sich im Datenfeld "Sachverhalt". 
Zu ihrer unverwechselbaren Kennzeichnung sind die Nachweise mittels einer Identifizierungsnummer (INR) fortlaufend numeriert. 
Um das ständige Ergänzen des Wissensspeichers zu vereinfachen, wurde auf eine inhaltsbezogene Anordnung (Klassifizierung) der Nachweise verzichtet. Ein neu hinzukommender Informationsnachweis wird statt dessen vom Betreiber an den jeweils letzten Nachweis angehängt und mit der nächsten laufenden INR gekennzeichnet. 
Das gezielte Suchen nach bestimmten Informationsnachweisen erfolgt am effektivsten mit Hilfe des alphabetisch geordnetem Verzeichnisses der Hauptsachwörter. Zum schnellen Aufrufen dieses Verzeichnisses ist in jedem fünften Nachweis das Datenfeld "Hauptsachwörter" mit einem ensprechenden Link versehen.
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Weitere Angaben zur formalen und inhaltlichen Speicherorganisation siehe 
>Erläuterungen zum Wissensspeicher<
   
Wissensspeicher Frühe Köhlerei Teil 1

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INR F1
Hauptsachwörter Bronzeherstellung, Holzfeuer, Holzkohlenanwendung, Holzkohlenalternative
Zeit Antike 
Ort Italien, Capua 
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Sachverhalt
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„Unter den übrigen Arten genießt die kampanische Bronze den Vorzug [...]. Man stellt sie in verschiedenen Verfahren her:  Zu Capua nämlich bringt man <das Kupfer> nicht über Kohlen-, sondern über Holzfeuer zum Schmelzen, [...]“ („namque Capuae liquatur non carbonis ignibus, sed ligni, ...“). [...]  "Bronze, die der kampanischen ähnlich ist, wird in vielen Teilen Italiens und in den Provinzen hergestellt, wobei man aber acht Pfund Blei hinzufügt und wegen mangelhafter Eigenschaft des Holzes nochmals über Kohlen erhitzt." 
Erläuterungen (a.a.O. S.180-181): "Zu Capua, einst Hauptstadt des kampanischen Binnenlandes,  wurde das Kupfer über Holzfeuer geschmolzen, nicht über Kohlenfeuer (unter Kohle ist in der Antike meist Holzkohle zu verstehen). [...]"   " [...] mangelhafte Eigenschaft des Holzes wegen der durch Kohle erzielbaren höheren Temperatur; auch läßt sich Holzkohle leichter transportieren als Holz [...]."
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Sachverhaltstyp Fakten, Vermutungen
Quelle C.Plinius Secundus d.Ä.: Naturkunde, Lateinisch-Deutsch, Buch XXXIV, S.71und S. 180-181, Darmstadt (o.D.)
Quellenkritik: "Der folgende Bericht über die Herstellung der kampanischen Bronze ist ungenau und mißverständlich [...]." (a.a.O., S.180)
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003 


INR F2
Hauptsachwörter Eisenerzbergbau, Eisenverhüttung, Eisenverarbeitung, Etrusker, Elba, Holzmangel
Zeit Antike 
Ort Elba
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Sachverhalt
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Elba (etrusk. “Eisen“), lat. Ilva, griech. Aithale, Aithalia: in der Antike wegen ihrer Eisenbergwerke bekannte Insel zwischen Korsika und Etrurien; seit etwa 1000 v.u.Z. von Etruskern besiedelt. Der hohe Stand der Eisengewinnung und –verarbeitung (letztere in Populonia und Arretium auf dem gegenüber liegenden Festland) förderte die Blüte der etruskischen Kultur. Seit 300 v.u.Z. war Elba im Besitz der Römer, die die Erzgruben nach der Eroberung Spaniens  (z.T. aus Holzmangel) eingehen ließen.        Keine direkten Aussagen zu HuK
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Dr. Hans Ditten, Berlin. -  In: Lexikon der Antike, Leipzig 1987, S. 153 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003


INR F3
Hauptsachwörter Holzkohlenbedarf, Eisenerzbergbau, Eisenverhüttung, Etrusker, Elba
Zeit Antike
Ort Elba
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Sachverhalt
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„Als erstes Volk in Europa besaßen die Etrusker eine blühende Eisenindustrie; sie verhütteten die Erze bis etwa 400 v.Chr. direkt an ihren Fundorten auf Elba und später, nach dem Abholzen der Inselwälder zur Erzeugung der notwendigen Holzkohle, auf dem nahegelegenen Festland der Apenninenhalbinsel.“
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Zur Geschichte der Eisengewinnung mit Holzkohle und Steinkohlenkoks / G.Collin, W.Wetzel, N.T.M. 12(2004), S.66
Erfasser, Jahr E. Gering, 2004 


INR F4
Hauptsachwörter Eisen, Stahl, Chalyber
Zeit Antike
Ort Griechenland; Kleinasien
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Sachverhalt
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Eisen (lat. ferrum) war das Hauptmetall der Antike, die sich als das „eiserne“ Zeitalter empfand.  Sprachlich unterschieden die Griechen Stahl (griech. chalyps) vom gewöhnlichen Eisen (griech. sideros), das sich nicht so gut härten, schmieden, schweißen und dehnen ließ. Man kannte die Herkunft aus Kleinasien von den „Chalybern“, die dem stahlharten, geschmeidigen Material ihren Namen gaben
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Helmut Wilsdorf in: Lexikon der Antike, Leipzig 1987, S. 151-152
Erfasser, Jahr E. Gering, 2003


INR F5
Hauptsachwörter Köhlerei sozial, Produktionskette, Arbeitsteilung, Arbeitsgegenstand, Arbeitsmittel
Zeit Gesamt
Ort Global
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Sachverhalte
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Arbeitsteilung zwischen Bergmann, Köhler und Hüttenarbeiter(von den Anfängen der Eisengewinnung bis ins 19. Jh. n.0):  Der Bergmann holt den Rohstoff Eisenerz aus der Erde und stellt ihn als Arbeitsgegenstand zur Bearbeitung (Erzaufbereitung) und anschließenden Verhüttung bereit. Der Köhler veredelt den Rohstoff Holz des Waldes zu dem neuen Produkt Holzkohle und liefert damit dem Hüttenarbeiter das wichtigste Arbeitsmittel für das Verhütten des Eisenerzes.Der Rohstoff Eisenerz kann ohne das Vorhandensein von Holzkohle nicht verarbeitet werden. Das Produkt Holzkohle kann auch als Arbeitsmittel oder als Arbeitsgegenstand für andere Zwecke genutzt werden. Es ist nicht generell an das Vorhandensein von Eisenerz und Hüttenprozeß gebunden.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eberhardt Gering, unveröffentlichtes Material
Erfasser, Jahr 2004 


INR F6
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Keilschriftquelle, Kohlenbrenner, Holzkohlenalternative, Dattelkerne, Holzbedarf
Zeit Ur- und Frühgeschichte
Ort Babylonien
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Sachverhalte
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"Die Kenntnis von Holzkohle geht vielleicht zurück bis in die Zeit der Beherrschung des Feuers durch den frühen Menschen - Holzkohle war ein zufälliges Nebenprodukt des Feuermachens mit Holz. Der Beginn der Metallzeiten allerdings könnte die intentionelle Herstellung von Holzkohle herbeigeführt haben, denn die Prozesse des Ausschmelzens von Kupfer können nur unter den besonderen chemischen Prozessen ablaufen, die durch Holzkohle begünstigt werden. 
Leider ist nur wenig über die Herstellung von Holzkohle in den prähistorischen und frühen historischen Epochen im Alten Orient bekannt. Einige Keilschriftquellen geben darüber Auskunft, dass zum Beispiel nur frisches, "grünes Holz" für die Herstellung von Holzkohle in Frage kam , so berichtet ein Brief des Hammurapian seinen Diener Sîn-idinnam: [.....]
Holzkohle hatte im Gegensatz zu normalem Feuerholz eine etwa verdoppelte Energieausbeute [.....]. Jedoch benötigt man für den Herstellungsprozess von Holzkohle ca. das 7fache des Baumbestandes vom gleichen Gewicht in normalem Brennholz.  Dennoch liegen die Vorteile der Holzkohle in ihrer leichten Transportierbarkeit und der Lagerungsfähigkeit gegenüber normalem Holz. [.....]
Holzkohle wurde dabei entweder von ärmeren Bauern angefertigt, um saisonabhängig Geld dazuzuverdienen, oder sie wurde in "industriellem" Maßstab von einigen wenigen spezialisierten "Köhlern" während des gesamten Jahres gefertigt. Dabei wurde das Holz entweder in oberirdischen Meilern oder in unterirdisch angelegten Gruben verbrannt. 
Als Holzkohle-Ersatz wurden Dattelkerne verbrannt, die aufgrund der großen Bedeutung der Dattelpalme in der altorientalischen Wirtschaft zahlreich vorhanden waren." 
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Sachverhaltstypen Vermutung, Fakten
Quelle Daniel Hockmann: Bäume und Hölzer in Babylonien von der Uruk- bis zur altbabylonischen Zeit. - Universität Münster, 2003, 25 Seiten, S. 9-10. Hauptseminararbeit
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F7
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Holzkohlenbedarf, Urgeschichte, Frühgeschichte, Reduktion 
Zeit Ende 3. Jahrtausend v.0 / Gegenwart
Ort Troas (Nordwesttürkei)
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Sachverhalte
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"Holzkohle, das Produkt der Köhlerei durch thermische Zersetzung des Holzes unter Luftabschluß, war nicht nur stets ein vorzüglicher Brennstoff für Herde, Öfen und Töpferöfen, sondern, weil sie beim Verbrennen deutlich mehr Hitze erzeugt, als gewöhnliches Holz dies vermag, auch seit den Anfängen der Metallurgie unentbehrliches Reduktionsmittel. Für die vorgeschichtlichen Zeiträume ist in der Troas etwa gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr., seit dem Beginn der ersten regionalen Kupferverhüttung, mit Anlagen zur Holzkohleherstellung zu rechnen. Vor allem jedoch die in der hellenistischen Epoche und dann besonders während der Römischen Kaiserzeit stark intensivierte Verhüttung von Eisenerz sowie die Bearbeitung des dabei gewonnenen Metalls durch Gießer und Schmiede erforderte große Mengen von Holzkohle."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Holzkohlegewinnung und Köhlereibetrieb in der Troas, Nordwesttürkei / Volker Höhfeld  u.a.. - In: Studia Troica 15, 2005, S. 209
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F8
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Altertumswissenschaft,  Ethnographie, Holzkohlenthematik, Literatur
Zeit Altertum / Gegenwart
Ort Troas (Nordwesttürkei)
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Sachverhalte
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Wie kaum eine andere Kulturlandschaft Europas und des Vorderen Orients trat die Troas früh in das Blickfeld der Klassischen Altertumswissenschaftensowie der sich im 19. Jh. etablierenden Naturwissenschaften. Viele landeskundliche Details wurden in Berichten, Tagebüchern und Bilddolumenten festgehalten. Neben vielen anderen Themen fanden auch spezielle Handwerkstechniken Eingang in die Aufzeichnungen. Die Produktion des Brennstoffs "Holzkohle" (odun kömürü) wurde jedoch nicht angemessen berücksichtigt. Auch in modernen ethnographischen Schriften sind Untersuchungen zum Thema Holzkohlenproduktion selten, umfassende Abhandlungen fehlen sogar ganz.Tatsächlich dürfte aber die Köhlerei eines der frühesten selbständigen handwerklichen Gewerbe in der Troas gewesen sein.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Holzkohlegewinnung und Köhlereibetrieb in der Troas, Nordwesttürkei / Volker Höhfeld u.a.. - In: Studia Troica 15, 2005, S. 209-210
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F9
Hauptsachwörter Holzkohlenabwesenheit, Holzkohlenreste, Urgeschichte, Neolithikum, Keramik 
Zeit Neolithikum
Ort Allgemein
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Sachverhalte
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"Wir haben generell das Problem, woran man im archäologischen Material intentionell erzeugte HK (Holzkohle, EGe.) von den Resten eines `normalen` Holzfeuers unterscheiden soll. Die Keramik vieler neolithischer Kulturen war recht niedrig gebrannt, Metall wurde nicht verhüttet und die HK-Reste stammen meist aus den Abfallgruben neben den Haustüren (und sind wenige mm groß). Warum hätten die Neolithiker den Aufwand unternehmen sollen, Holz zu verschwelen? Zudem: dort, wo Holz und HK untersucht wurde, hat man oft festgestellt, dass in den Häusern mehrheitlich Schwachholz und Äste/Zweige verfeuert wurden. Vieles davon war bereits Pilz-befallen, also klares Sammelholz. Es existiert aus dem Neolithikum kein Hinweis auf intentionelle Verkohlung. Vielleicht, weil man ihn nicht erkennen kann, aber dennoch - wir kennen keinen."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Persönliche Mitteilung / Niels Bleicher, Prähistoriker und Dendrochronologe, Frankfurt am Main, 23.März 2006
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F10
Hauptsachwörter Holzkohlenentstehung, Naturprozesse, Holzkohlenablagerungen, Fusit
Zeit Ab dem Erdzeitalter des Oberdevon (vor 370-354 Mio. Jahren)
Ort Global
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Sachverhalte
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Zu den Entstehungsursachen von Holzkohle (Hk). Arbeitshypothese
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Die Holzkohlegewinnung durch den Menschen ist vermutlich der älteste technisch-technologische Prozeß in der Menschheitsgeschichte. Die auf menschlicher Tätigkeit beruhende Hk-Erzeugung läßt sich bis ins Paläolithikum zurückverfolgen. Hk kann jedoch auch in der Natur, ohne menschliches Zutun, entstehen. Man spricht hier von fossiler Hk bzw. Fusit. Entsprechende Hk-Entstehungsprozesse reichen weit in die Erdgeschichte zurück. Sie setzten vor ca. 360 Millionen Jahren ein, als auf der Erdoberfläche  das für Hk erforderliche Basismaterial Holz (oder holzähnliche organische Substanzen) entstand und in der Natur unter entsprechenden Bedingungen (vor allem hochgradiger Luftabschluß) Holzverschwelungsprozesse stattfinden konnten. 
Da Hk mikrobenresistent ist und damit keinen Zersetzungsprozessen unterliegt, müssen Ablagerungen von fossiler Hk vielfach bis in die Gegenwart erhalten geblieben sein. Diese in erdgeschichtlichen Zeitaltern gebildeten Hk-Lagerstätten sind, im Unterschied zu den mächtigen Stein- und Braunkohleflözen der Erde, vermutlich sehr kleinflächig. Ihr zahlenmäßiges Auftreten wird von der Häufigkeit der verursachenden Naturereignisse (Waldbrand, Blitzschlag, Vulkanausbruch, Asteroideneinschlag, geologische Verwerfung u.ä.) bestimmt. Übergreifende Naturprozesse (plattentektonische Vorgänge, weiträumige andauernde Überflutungen, Gletscherbewegungen, Erdbeben u.a.) können erdgeschichtliche Hk-Lagerstätten so nachhaltig zerstört haben,  daß ein Erkennen der betreffenden Hk nicht mehr möglich ist. 
In der Natur erhalten gebliebene Lagerstätten natürlicher Hk sind im Prinzip erkennbar, jedoch besteht die Gefahr der Verwechslung mit Hk, die vom Menschen erzeugt wurde. Das Erkennen der jeweiligen Entstehungsursache gefundener Hk bereitet vor allem dann Schwierigkeiten, wenn die Fundstellen keinen Zusammenhang mit menschlichen Siedlungen erkennen lassen. Diese Schwierigkeiten bei der richtigen Zuordnung gefundener Hk können zu Fehldeutungen und falschen Schlußfolgerungen führen, welche sich auf die Geschichtsschreibung der Menschheit und speziell auf die Geschichtsschreibung der Technik verfälschend auswirken. 
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Unveröffentlichte Arbeitshypothese / Eberhardt Gering, Dezember 2004
Erfasser; Jahr E.Gering, 2006 


INR F11
Hauptsachwörter Holzkohlenentstehung, Holzkohlenerzeugung, Holzkohlensystematik, Fusit, Siedlungsbrände 
Zeit Erdgeschichte ab Oberdevon, Menschheitsgeschichte
Ort Global
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Sachverhalte
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Generelle Möglichkeiten des Entstehens von Holzkohle (HK)
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1. Hk-Entstehung in der Natur durch Waldbrände und andere Naturkatastrophen in erdgeschichtlichen Zeiten bis zur Gegenwart. 
Belege: Fundstellen von fossiler Hk (Fusit).
2. Hk-Erzeugung durch zielgerichtete (intentionelle) und nicht gezielte menschliche Tätigkeit (Kohlenbrennerei; Feuerstellen u.a.).
3. Hk-Entstehung in der menschlichen Gesellschaft durch destruktive Handlungen und Ereignisse. Belege: Holzkohlenfunde als Relikte von Bränden in Siedlungen (z.B. durchgekohlte Balken in den Ruinen des Königspalastes von Uruk, Mesopotamien, 3000 v.0).
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Unveröffentlichtes Material / Eberhardt Gering, Jan. 2005
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F12
Hauptsachwörter Hethiter, Eisengiessen, Palastkultur, Handelsroute, Schriftsystem, Eisenzeit
Zeit 2. Jtsd. v.0 (Mittlere Bronzezeit)
Ort Östlicher Mittelmeerraum, Kreta, Griechenland, Anatolien
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Sachverhalte
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Während des zweiten vorchristlichen Jahrtausends entwickelten sich die ersten Kulturen Europas im östlichen Mittelmeerraum. Die reichen Gemeinschaften der mittleren Bronzezeit formten sich rasch zu verschiedenen Palastkulturen. Zunächst kam die minoische Kulturauf Kreta und später die mykenische Kultur auf dem griechischen Festland. Diese kulturellen Welten entwickelten bedeutende Handelsbeziehungen zur zentralen Mittelmeerregion, mit gelegentlichen Verbindungen zu den nördlich der Alpen und im Osten Europas gelegenen Gebieten. Europas erste Staaten waren entstanden und mit ihnen die ersten Schriften, die als Linear A und Linear B bekannt sind. Zur gleichen Zeit gründeten die Hethiter, ein Volk mit indoeuropäischer Sprache, ein mächtiges Königreich in Anatolien (der heutigen Türkei) – ein Reich, das sich bald in alle Richtungen ausdehnte. Die Hethiter waren die ersten, welche die Technik des Eisengießens beherrschten. Sie wurden damit zur ersten eisenzeitlichen Kultur. 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Warren u.a.: Kriegsherren, Palastkulturen und die ersten Staaten Europas. In: Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / Göran Burenhult (Hrsg.). – Köln 2004, S.123
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005 


INR F13
Hauptsachwörter Köhler sozial, Literatur, Verschweigen, Banausentum, Antike  r
Zeit Antike
Ort Antikes Griechenland
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Sachverhalte
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Soziale Einordnung der Köhlerei in der Literatur

Über Kohlenbrennerei und Köhler schweigt die Literatur der Antike weitgehend. Helmut Wilsdorf sieht die gleiche Erscheinung hinsichtlich weiterer Berufsgruppen im antiken Griechenland: "Das mag natürlich daher kommen, daß der Grieche nie ganz davon loskam, in den Bergleuten, Hüttenmännern und Schmieden Arbeiter zu sehen, die er in die Sozialstufe des Banausos, des ´Banausen´ - wir haben ja das griechische Wort übernommen - einreihte. "   Es "muß von vornherein geklärt werden, daß die literarische Überlieferung notwendig darunter leidet, es mit Berufen zu tun zu haben, die diesem Vorurteil des ´Banausentums´ unterworfen waren." Das Wort "bezeichnet jene Leute, die abhängige Arbeit leisten, vorwiegend also mechanische Lohnarbeit im Gegensatz zu freier Erwerbsarbeit."
Dazu die ergänzende Fußnote von Wilsdorf:
"Dann wäre also die Metall- oder Töpferarbeit schlechthin Banausenarbeit - und wir brauchten uns über das Schweigen der Quellen nicht zu wundern."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Helmut Wilsdorf: Bergleute und Hüttenmänner im Altertum ..., S. 135
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003 


INR F14
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Feuer, Fleischgrill, Ilias, Homer
Zeit 7. Jh. v.0
Ort Troja
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Sachverhalte
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Aus dem neunten Gesang der Ilias

Jener sprach's; da gehorchte dem lieben Freunde Patroklos.
Selbst nun stellt' er die mächtige Bank im Glanze des Feuers,
Legte darauf den Rücken der feisten Zieg' und des Schafes,
Legt' auch des Mastschweins Schulter darauf voll blühendes Fettes.
Aber Automedon hielt, und es schnitt der edle Achilleus;
210  Wohl zerstückt' er das Fleisch, und steckt es alles an Spieße.
Mächtige Glut entflammte Menoitios' göttlicher Sohn itzt.
Als nun die Loh' ausbrannt', und des Feuers Blume verwelkt war;
Breitet' er hin die Kohlen, und richtete drüber die Spieße,
Sprengte mit heiligem Salz, und dreht' auf stützenden Gabeln.
215 Als er nunmehr es gebraten, und hin auf Borde geschüttet;
Teilte Patrokles das Brot in schöngeflochtenen Körben
Rings um den Tisch; und das Fleisch verteilete selber Achilleus;
Setzte sich dann entgegen dem göttergleichen Odysseus,
Dort an der anderen Wand, und gebot, dass Patroklos den Göttern
220  Opferte; dieser gehorcht', und warf die Erstling' ins Feuer.
Und sie erhoben die Hände zum leckerbereiteten Mahle.

Sachverhaltstypen Fakten, Fiktionen
Quelle Homer, Ilias. Zitiert nach http://www.gottwein.de/Grie/hom/il09de.htm  (17.09.2003)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2003 


INR F15
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Eisengewinnung, Rennfeuer, Herd, Schachtofen, Kärnten
Zeit Altertum
Ort Global, Äthiopien, Kärnten
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Sachverhalte
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„Durch welches Verfahren die alten Völker des Orients das Eisen aus seinen Erzen schieden, ist nicht bekannt; wahrscheinlich aber geschah es durch denselben rohen Schmelzprozeß, dessen sich die Bewohner in dem Lande der urältesten Kultur, in Äthiopien(im Innern von Afrika), sowie der Völker Hochasiens noch jetzt bedienen. Man scheint die früheste Eisengewinnung in Gruben an Hügelabhängen ohne Anwendung eines Gebläses, bei Zugluft ausgeführt zu haben, indem man sehr reine Erze in die Glut eines niedergebrannten Feuers warf, mit Holz bedeckte und die entstandenen kleinen schmiedbaren Eisenpartien ausräumte. In Kärnten sind solche Gruben noch neuerdings aufgefunden worden. [...]  Der Prozeß der Eisengewinnung wurde zur Römerzeit in niedrigen Herden (in Kärnten in kleinen Schachtöfen von den Dimensionen der Windöfen) mit reinen, reichen Erzen und Holzkohlen unter Anwendung von Hand- und Tretbälgen mit Thondüsen ausgeführt und der erfolgende Eisenklumpen ausgeschmiedet, wie es bei den Renn- oder Luppenfeuern mancher Länder noch heutigestags geschieht.“
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Sachverhaltstypen Vermutung, Fakt
Quelle Meyer Konversationslexikon 1894, Bd. 5, S.505 (Eisen)
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F16
Hauptsachwörter Glasherstellung, Schmelzofen, Metallschmelzen
Zeit
Ort Mesopotamien
Sachverhalt .
In Brenn- und Schmelzöfen wurden Keramik, Ziegel und Glas gebrannt, Metalle geschmolzen usw. Keine Aussagen zu HuK
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Sachverhaltstyp Fakt
Quelle Die Öfen der  alten Mesopotamier / Armas Salonen. – In: Baghdader Mitteilungen / Deutsches Archäologisches Institut Abteilung Baghdad. – Berlin, Band 3 1964, S.100.  Sinngemäß zitiert.
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F17
Hauptsachwörter Glasherstellung, Metallschmelzen, Schmelzofen 
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien
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Sachverhalt
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" utunu / atunu  ist  [...] ursprünglich ein Bratofen", der sowohl zum "Schmelzofen für Metalle (und Glas)"  und zum "Brennofen für Ziegel" entwickelt wird.
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Sachverhaltstyp Fakt
Quelle Die Öfen der  alten Mesopotamier / Armas Salonen. – In: Baghdader Mitteilungen / Deutsches Archäologisches Institut Abteilung Baghdad. – Berlin, Band 3 1964, S.118   Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F18
Hauptsachwörter Glasherstellung, Glasrezeptur, Schmelzofen, Heizholz
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien
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Sachverhalt
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Die Glasrezepte der Aššurbãnapli-Bibliothek beschreiben den Bau des Schmelzofens, die Wahl und Behandlung des Heizholzes, zählen die Grundstoffe und Färbungsmittel auf, geben Mengenangaben an [...] Die Terminologie ist immer dieselbe, was auch für eine Werkstatt-Tradition spricht.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Die Ziegeleien im alten Mesopotamien / Armas Salonen. – Annales Academiae Scientarum Fennicae. Ser. B, Bd. 171 (Dissertation, 1971). – Helsinki 1972, 206 S., S. 66-67  Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F19
Hauptsachwörter Glasherstellung, Glasrezeptur, Temperaturen 
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien
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Sachverhalte
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Glass making
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"The ingredients for glass making , until a late date, were quartz sand, calcium carbonate, natron, or plant ashes, and a small amount of the colouring material. [ …]  the process of glass production involved two distinct stages, the first a comparatively low temperature operation , probably carried out at under 750 °c., in which the sand and alkali were converted into a frit, the second the conversion of the frit to glass in crucibles in a melting furnace, the upper temperature limit probably not exceeding 1.100 °C." 
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Übersetzung.: Die Zutaten für Glasherstellungwaren lange Zeit Quarzsand, Kalziumkarbonat, Natron oder Pflanzenaschen und kleine Mengen Färbungsmaterial. [...] der Prozess der Glasproduktion erfolgte in zwei Stufen. In der ersten Stufe wurden bei relativ niedriger Temperatur unter 750 °C der Sand und das Alkali in eine Fritte  umgewandelt. Die zweite Stufe war die im Schmelzofen in Schmelztiegeln stattfindende Umwandlung der Fritte  zu Glas. Die obere Temperaturgrenze lag hier vermutlich bei 1100 °C
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Sachverhaltstypen Fakt, Vermutung
Quelle Die Ziegeleien im alten Mesopotamien / Armas Salonen. – Annales Academiae Scientarum Fennicae. Ser. B, Bd. 171 (Dissertation, 1971). – Helsinki 1972, 206 S., S.128. Keine Aussagen zu HuK
Fritte (frz.): Durch Zusammenschmelzen von Flußmitteln mit Sand gewonnener glasartiger Grundstoff für Glasuren und Emails.
[BI Universal-Lexikon Band 2, S.208. – Bibliographisches Institut Leipzig, 1986]
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F20
Hauptsachwörter Glasherstellung, Temperaturen, Holzkohlenerzeugung, Holzkohlenanwendung, Kohlenmeiler
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien
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Sachverhalte
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Kohlenbrennen zum Glasherstellen
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Zum Herstellen von Glas mußte man hohe Temperaturen erreichen, "um hohe Temperaturen zu erzielen, musste grünes [...] , hartes, klingendes Holz im Kohlenmeiler zu Kohlen verbrannt werden, wobei die Säfte verschwinden. Kohlen können nicht aus morschem, faulem Holz  [...] verfertigt werden. Darum musste das ASAL-Holz im Monat Abu geschnitten werden. [...] Die im Kohlenmeiler verfertigten Kohlen, die auflodernd brennen und wenig Asche geben, können zwischen die Metallstücke und unter  die mit Glas gefüllte Kammer gelegt werden, um möglichst hohe Temperaturen zu erreichen. Die Längen der zu verkohlenden Hölzer entsprechen natürlich den Abmessungen der verschiedenen Schmelzöfen, s. meine Studie (Salonens Studie.  E.G.)  ´Die Öfen der alten Mesopotamier´ und besonders meine Schrift (Salonens Schrift. E.G.)   ´Bemerkungen zur sumerisch-akkadischen Brennholz-Terminologie´ "
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Die Ziegeleien im alten Mesopotamien / Armas Salonen. – Annales Academiae Scientarum Fennicae. Ser. B, Bd. 171 (Dissertation, 1971). – Helsinki 1972, 206 S., S.131 (Salonen verweist hier speziell auf den Text Hammurabi).    Bemerkung: "Die Längen der zu verkohlenden Hölzer ... " – siehe Anmerkung E.Gering zum Text-Auszug 11 in der Brennholzterminologie. Salonens.
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F21
Hauptsachwörter Glasherstellung, Schmelzofen 
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien
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Sachverhalte
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Der Asphaltschmelzofen war ein ganz einfacher Ofen. Der kompliziertere kiru / küru  ist ausschließlich ein Metall- und Glasschmelzofen.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Die Ziegeleien im alten Mesopotamien / Armas Salonen. – Annales Academiae Scientarum Fennicae. Ser. B, Bd. 171 (Dissertation, 1971). – Helsinki 1972, 206 S., S. 130. Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F22
Hauptsachwörter Kupferverhüttung, Kupferoxiderz, Malachit, Rotkupfererz, Temperatur, Prills, Flussmittel
Zeit Ur- und Frühgeschichte, Altertum
Ort Naher Osten
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Sachverhalte
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Verhütten von Kupfererz

Kupfer kann in gediegener, das heißt, in metallischer Form gefunden werden. In dieser Form wurde es in vielen Teilen der Welt  bearbeitet, sowohl bevor als auch nachdem das Verhütten von Erzen begann. Produktion in nutzbringenden Mengen stützt sich jedoch auf mineralische Erze, in denen die metallischen Elemente in chemischen Zusammensetzungen erscheinen, eingebettet in eine felsige Matrix. Der Hüttenprozess trennt das Metall vom  tauben Gestein. Kupferoxiderze wie Malachite und Rotkupfererz sind nicht schwierig zu schmelzen. Sie sind auch leicht abzubauen, da sie nahe der Erdoberfläche liegen. Erhitzt man diese Erze auf Temperaturen im Bereich von 1100 bis 1200 ° C, so wird das Kupfer aus seinen Verbindungen befreit und verschmilzt zu Tröpfchen. In den dickflüssigen, nicht mehr frei fließenden Nicht-Kupferrückständen oder Schlacken des Erzes sind diese Tröpfchen eingefangen. Aus der abgekühlten und aufgebrochenen Schlacke können die erstarrten Tröpfchen, genannt Prills, ausgelesen werden. Hinzugefügte Flussmittel wie Eisenoxid, Sand oder Asche helfen die Schlacke zu schmelzen, so dass die Kupfertröpfchen zum Boden des Schmelzofens sinken, während die flüssige Schlacke oben schwimmt, wo sie, solange sie heiß ist, durch Anstechen oder, wenn sie abkühlt, durch Abbrechen entfernt wird.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy (Brennstoff für den Metallarbeiter. Die Rolle der Holzkohle und der Holzkohlenproduktion in der alten Metallurgie). - In: Expedition Bd. 25, Nr. 1, Herbst 1982, S. 6-13. - Universität von Pennsylvania Museum, Philadelphia.   Übersetzung aus dem Englischen: E.Gering. 
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F23
Hauptsachwörter Holzkohle, Holzkohlenerzeugung, Holzarten, Holzkohlenausbeute, Informationsmangel,  Informationsquelle, Sumerisch, Akkadisch
Zeit Ur- und Frühgeschichte, Altertum
Ort Naher Osten, Iran
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Sachverhalte
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Ungeachtet der Wichtigkeit von Holzkohle in der Metallurgie und ihrer gemeinsamen Gewinnung an industriellen Standorten ist darüber, wie man die  Holzkohle in der Alten Welt erzeugte, wenig bekannt. Aus einigen  Bemerkungen in sumerischen und akkadischen Texten und aus späteren, detaillierteren klassischen Abhandlungen kann man über die Holzkohleherstellung soviel erkennen, daß harte Hölzer wie Eichen oder Wüstenbüsche die beste Holzkohle für das Verhütten ergaben, daß das Holz grün statt tot sein sollte wenn es geschlagen wurde und daß unterschiedliche Methoden des Verkohlens unterschiedliche Qualitäten von Holzkohle hervorbrachten. Aber diese Quellen sind verführerisch unvollständig. Nahöstliche Archäologen haben sich auf Zahlen verlassen müssen, die aus viel späteren Perioden von Wäldern Europas stammen, um die Kosten für solche wirtschaftlich und ökologisch relevanten Probleme wie  Arbeitserfordernisse für Brennstoffversorgung, Holzkohlenausbeute von Schnittholz und Methoden der Produktion abzuschätzen.Es gibt keine leicht zugänglichen ethnographischen Beschreibungen aus dem Nahen Osten, wo dieselben Arten von Brennstoffholz  immer noch verwendet werden.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy . - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F24
Hauptsachwörter Holzkohle, Holzkohlenerzeugung, Holzkohlentransport, Kohlenmeiler, Grubenmeiler 
Zeit Altertum / Gegenwart
Ort Iran, Shiraz, Tabas, Tauran
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Sachverhalte
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Kohlenmeiler
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In den aufgeforsteten Regionen des Kaspischen Meeres und der nördlichen Berge Irans wurde Holzkohle oft in oberirdischen Stapeln oder Brennöfen (Meilern) produziert. Für die Ebenen und Hänge des trockeneren Zentralen Plateaus waren Erdgruben(Grubenmeiler)  typischer. Die Gruben variierten in der Größe. Im Gebiet von Shiraz waren sie klein - 1 bis 1.5 Kubikmeter - und produzierten je Grube nur 60 kg Holzkohle. In Tabas maßen sie bis zu 10 Kubikmeter und brachten jede 500 bis 700 kg Holzkohle. Die Gruben in Tauran waren von etwa der gleichen Größe. Der Unterschied kann an der Methode des Transports gelegen haben. In Shiraz wurden das Holz und die Holzkohle von den Arbeitern auf dem Rücken getragen, da es keine Lasttiere gab. Die Holzkohle wurde in 30 kg Säcke gefüllt und zur Straße getragen, wo sie auf Karren geladen und zur Stadt gebracht wurde. In Tabas und Tauran wurden Holz und Holzkohle auf Kamelrücken transportiert. 500 kg waren zwei oder drei Kamelladungen.Ob die Transportart den  Unterschied ausmachte, ist nur Vermutung. Andere Faktoren wie die Natur des Terrains können wichtiger gewesen sein. Gruben befanden sich eher an Standorten von Wald und Unterholz (und in Shiraz auch so nahe wie möglich an der Straße), als in Beziehung zur Ansiedlung.
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Sachverhaltstypen Fakten (Gegenwart), Vermutungen (Altertum)
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F25
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Holzgewinnung, Holzarten
Zeit Altertum
Ort Iran, Shiraz, Tauran, Tabas
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Sachverhalte
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Kohlholz-Arten
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Zur Holzkohlenerzeugung verwendete man in Shiraz  Persische Eiche; in Tauran Wilde Mandel, Pistazie, Saxaul und einen holzigen Busch, Calligonum; und in Tabas dieselben Holzarten sowie noch Tamariske, Wacholder und einen anderen holzigen Busch, Zygophyllum. Alle diese Arten sind harte Wüstenhölzer, die mit einer besonders heißen Flamme brennen und für die Holzkohlenerzeugung im frischen Zustand geschnitten werden mußten. Sie wurden entweder grob gefällt oder, wenn sie groß waren, gekappt. Andernfalls wurden sie mit einer Dechsel (beilartiges Werkzeug) entwurzelt, dann wurden die Wurzeln der Grube so gut es ging hinzugefügt.
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Sachverhaltstypen Fakten (Gegenwart),Vermutungen (Altertum)
Quelle Lee Horne:  Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22).
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F26
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Kupferverhüttung, Temperatur, Schmelzofen, Luftzufuhr, Holzkohlenalternative
Zeit Altertum
Ort Iran
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Sachverhalte
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Für eine erfolgreiche Schmelze muß eine Anzahl von Voraussetzungen geschaffen werden. Das Erz sollte ordentlich ausgesucht sein; auch kann es durch Brechen oder Zerstoßen und Sammeln von Stücken, die einen hohen Kupferanteil haben, angereichert werden.Wenn es nicht schon ein Oxiderz ist, kann es durch langsames Rösten über offenem Feuer dazu umgewandelt werden. Die Verhüttungstemperaturmuß hoch genug sein, das Kupfer zu schmelzen, und die Schlacke zu verflüssigen.Diese Temperatur kann man nicht mit einer offenen Feuerstelle erreichen, aber sie wird leicht erzielt in einem oberirdischen Schmelzofen oder in einem Gruben-Schmelzofen mit gutem Luftzug. Holzkohle ist ein ausgezeichneter Brennstoff, weil sie heißer brennt als Holz. Doch es gibt weitere Gründe für das Bevorzugen der Holzkohle vor Holz oder solchen traditionellen Brennstoffen wie Gräser oder Dung. Um diese Gründe zu verstehen, muß man genauer betrachten, was während der Verbrennungsphase beim Verhütten geschieht. (Zu weiteren Details siehe Quelle).
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F27
Hauptsachwörter Holzkohle, Kohlenstoff, Kohlenmonoxyd, Kupferverhüttung, Reduktion, Oxydation, Luftzufuhr
Zeit Altertum
Ort Iran
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Sachverhalte
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Reduktionsprozeß
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Verbrennung ist ein Oxydationsprozeß. Das heißt, der Sauerstoff muss sich mit dem Kohlenstoff, Wasserstoff und den Kohlenwasserstoffen verbinden,  wodurch das Verbrennen des Brennmaterials stattfindet. Man spricht von einer reduzierenden Atmosphäre, wenn der Sauerstoff für eine vollständige Verbrennung nicht ausreicht; dagegen von einer oxydierenden Atmosphäre, wenn der Luftzug in einem Schmelzofen stark genug ist, mehr Luft als notwendig zu liefern, damit der Brennstoff verbrennt. Der überschüssige Sauerstoff verbindet sich mit jeder anderen geeigneten Substanz, die er findet, zum Beispiel mit dem zu schmelzenden Metall. Rösten in einem offenen Behälter über einem Holzfeuer ist ein Oxydationsprozeß. Ziel ist es hierbei, im Erz enthaltene Sulfide oder andere Verunreinigungen auszutreiben und durch Oxyde zu ersetzen. Beim Verhütten im Schmelzofen geht es jedoch nicht um Oxydation sondern um Reduktion. Ziel ist es, den Kupferverbindungen nicht Sauerstoff hinzuzufügen, sondern ihn von dort zu entfernen. Man könnte beim Verhütten durch Schließen der Luftzufuhr eine reduzierende Atmosphäre schaffen, aber dann würde die Ofentemperatur wahrscheinlich unter den Schmelzpunkt des Metalls sinken. Zum Glück gibt es eine Alternative. Statt den Luftzug zu schließen, kann ein reduzierender Brennstoff genutzt werden. Das ist genau der Punkt, wo die Holzkohle ins Spiel kommt. Im Gegensatz zu Holz ist Holzkohle überwiegend aus reinem Kohlenstoff zusammengesetzt, die anderen Elemente wurden im Verkohlungsprozeß des Holzes verbrannt. Holzkohle produziert beim Verbrennen Mengen von Kohlenmonoxydgas  und schafft eine sauerstoffhungrige Atmosphäre.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F28
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Kohle, Koks, Verunreinigung, Holzkohlenalternative, Flussmittel 
Zeit Altertum / 17.Jh.n.0
Ort Iran
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Sachverhalte
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Koksgewinnung
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Kohle ist ebenso wie Holzkohle ein kohlenstoffreicher reduzierender Brennstoff, der für das Verhütten ebenfalls geeignet erscheint. Aber außer der mit dem Kohlebergbau verbundenen schweren Arbeit und der Entfernung, über welche in vielen Fällen der Kohletransport erfolgen müßte, enthält Kohle eine Anzahl von Verunreinigungen, die für Metalle schädlich sind. Auch beim Verbrennen von Holzkohle entsteht eine Verunreinigung, nämlich die Holzkohlenasche. Da diese Asche zufällig die Eigenschaften eines Flußmittels hat, handelt es sich um eine wünschenswerte Hinzufügung. 
Obwohl Kohle gelegentlich im klassischen Altertum verwendet wurde, ersetzte sie nirgends die Holzkohle als einen Hauptbrennstoff der Industrie. Beginnend im 16. Jh. n.0  wurde in Europa (England) ein Verfahren entwickelt, durch Verkokung (coking) der Kohle zu Koks die schädlichen Verunreinigungen aus der Kohle zu entfernen. Die Kokserzeugung hatte tiefgehende Auswirkungen auf die technologische und wirtschaftliche Entwicklung der westlichen Welt.
Der erste bekannt gewordene Hinweis auf Verkokung von Kohle erfolgte 1589 in einem englischen Patent. Zur  praxisreifen Erzeugung von Koks aus Steinkohle kam es erstmals 1735 durch Derby (Darby) in Colebrookdale (England). [.siehe  Meyer Konversationslexikon 1895, Bd.10, S.353]  E.G.
Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F29
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Holzanwendung,Kupferverhüttung, Umschmelzen, Temperatur, Kupferbearbeitung
Zeit Altertum
Ort Iran
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Sachverhalte
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Für das Verhütten (Erschmelzen) von Metallen, einschließlich Kupfer, war im Vergleich mit Holz die Holzkohle der bessere Brennstoff. Da jedoch Kupferoxyde zum Verhütten nur eine brennende reduzierende Atmosphäre benötigen, wird  zweifellos manchmal Holz für das Verhütten verwendet worden sein, obwohl es eine Menge von Beweisen gibt, die Holzkohle als erste Wahlmöglichkeit anzeigen.
Nach dem Verhütten wird das Kupfer erneut auf ungefähr 1100° C erhitzt, um das geschmolzene Metall in eine Gussform zu gießen. Wenn es danach wieder abgekühlt ist, kann es gefeilt und kalt gehämmert werden, um seine Form zu verfeinern, grobe Kanten zu entfernen und um es zu härten.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F30
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Eisenverhüttung, Vorblock (bloom), Schmieden, Temperatur 
Zeit Altertum
Ort Iran
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Sachverhalte
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Beim Eisenschmelzprozeß ist eine stark reduzierende Atmosphäre, wie sie nur ein Brennstoff mit hohem Kohlenstoffgehalt erzeugt, unbedingt notwendig. Die Gewinnung von Eisen ist zudem ein zweistufiger Prozess. Eisen schmilzt nicht bei den  Temperaturen, die in diesen frühen Öfen erreichbar sind, und das Produkt ist kein Metallbarren, sondern eine Vorblock (bloom) genannte zähflüssige schwammige Masse von Eisen, Schlacke und Holzkohle. Um das Eisen zu separieren, muß der Vorblock heiß aus dem Schmelzofen entnommen und auf dem Amboß geschmiedet werden, um Schlacke und Holzkohle herauszupressen.Das Schmieden kann mehrmaliges Erhitzen nötig machen, jedes mit Holzkohle und Temperaturen von etwa 800 ° C,  bis das Eisen in seine Endform gebracht ist. 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F31 
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung,  Grubenmeiler,  Luftzufuhr,  Arbeitszeitaufwand, Holzkohlenausbeute
Zeit Altertum
Ort Shiraz, Tauran, Tabas (Iran)
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Sachverhalte
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Holzkohlenerzeugung in Erdgruben.
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Die Gruben waren glockenförmig und mit Steinen ausgekleidet, um zu verhindern, daß sich Erde mit der Holzkohle vermischt. Eine Grundbeschickung auf dem Boden der Grube wurde angezündet, so dass das Feuer sich verbreiten konnte wenn die Grube gefüllt war. Nur eine kleine Öffnung für Luftzugwurde gelassen, bis das Holz überall brannte. Das Kopfteil wurde dann abgedichtet, um die Flammen zu löschen und das Verschwelen des Holzes zu ermöglichen. Nach dem vollständigen Verkohlen mußte sich die Holzkohle abkühlen, bevor sie herausgenommen, in Säcke gefüllt und zur Stadt gebracht wurde. In Shiraz war dies ein Zwei-Mannbetrieb. In Tauran und Tabas können drei oder vier Männer zusammen gearbeitet haben. Es kostete einen Tag, um die Grube in Shiraz zu graben und auszukleiden, einen Tag um das Holz zu verkohlen und  um das Feuer zu löschen, plus ein nicht spezifiziertes Maß an Zeit, um Holz zu schneiden und die Grube zu füllen, zusammen ungefähr fünf Tage Arbeit für zwei Männer vom Beginn bis zum Abschluß. Jedoch anscheinend bearbeiteten sie eine Serie von Gruben auf einmal und produzierten pro Tag 60 kg, ein jeder 30 kg. In Tabas dauerte es sechs bis sieben Tage vom Laden der Charge bis zum Abräumen der Holzkohle. In Tauran nahm jede Charge anscheinend ungefähr fünf Tage in Anspruch. Bei einem angenommenen Arbeitszeitaufwandvon  fünf Tagen für 500 kg Holzkohlenausbeute könnten bei jeweils  zwei Arbeitern, die immer nur eine Grube auf einmal bearbeiten, 50 kg Holzkohle pro Manntag und bei vier Arbeitern 25 kg Holzkohle pro Manntag produziert werden.
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Sachverhaltstypen Fakten (Gegenwart), Vermutungen (Altertum)
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006

 
INR F32
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Ethnographie, Köhler sozial, Arbeitsorganisation
Zeit Altertum
Ort Iran, Azerbaijan
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Sachverhalte
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Nach den meisten ethnographischen Berichten ist im Iran das Brennen von Holzkohle traditionell eine Teilzeitaufgabe gewesen, die von armen Landwirten oder Treibern (Hirten) ausgeführt wurde, um ihr Einkommen zu ergänzen und es ihnen zu ermöglichen, Tee, Zucker, Tuch und andere Vorräte in der Stadt zu kaufen. Es war auch ein Halt für den Fall,  daß Ernten oder Futter ausfielen oder der Arbeiter selbst zeitweilig keine Arbeit fand. Die Männer arbeiteten allein, was gewöhnlich bedeutete, tage- oder wochenlang für wenig Geld von ihren Familien getrennt zu sein. Alleinige Ausnahme scheint Azerbaijan (nordwestlicher Iran) gewesen zu sein, wo Gruppen von Türken fast das ganze Jahr hindurch für viele Jahre auf Holzkohlen-, Nutzholz- und Feuerholzproduktion spezialisiert waren (siehe Berichte von Uhart 1952 und Robertson 1843).
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Sachverhaltstypen Fakten (Gegenwart), Vermutungen (Altertum)
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006 


INR F33
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Umweltzerstörung, Holzkohlenausbeute, Holzbedarf, Holzkohle, Heizwert
Zeit Altertum
Ort Iran, Shiraz
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Sachverhalte
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Wirkung der Holzkohlenproduktion auf die Umwelt Irans
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Beschreibungen sind reich an Aussagen zu zerstörten Wäldern, entwurzelten Büschen und Landschaften, die von Holzfällern entblößt wurden. Es gab aber wenig Versuche, den Schaden zu quantifizieren oder zu überlegen, was die Auswirkungen gewesen sein könnten unter den Bedingungen weniger dichter oder unterschiedlich organisierter Bevölkerung. Holzkohle hat einen doppelt so hohen Heizwert wie luftgetrocknetes Holz. Es ist dieser höhere Heizwert, der sie pro Kalorie kompakter macht als Holz und der das Speichern und Transportieren vereinfacht. Jedoch die primitiven Arbeitsmethoden machen das Umwandeln von Holz in Holzkohle nicht sehr effizient. Was ein Gewinn an Heizwert zu sein scheint, ist in Wirklichkeit ein großer Verlust. Uharts Versuche nahe Shiraz erbrachten ein gewichtsmäßiges Verhältnis zwischen Holz und Holzkohlenausbeute von nur etwa 14% (diese Zahl ist beträchtlich niedriger als die oft angeführten 20 oder 30%,  die jedoch auf europäischen Daten basieren). Das heißt, Holzkohle hat nur das Zweifache des Heizwertes von Feuerholz, aber sie zerstört (gewichtsmäßig) womöglich siebenmal die Menge an Vegetation, wie sie ein äquivalentes Gewicht an Feuerholzes beträgt..Auf diese Art wird deutlich gemacht, wie die Art des gewählten Brennstoffes sich in der Realität unterschiedlich auf den Umweltdruck auswirkt, was ein einfacher kalorischer Vergleich nicht zeigt.Jedoch gab es keine wirkliche Wahl für die frühe Metallurgie. Man sollte daher keine Vergleiche mit Holzbrennstoff anstellen, wenn es um die Verwendung als Hausbrennmaterial geht, sondern (beim Vergleichen) einige Anforderungen der Metallgewinnung.beachten. .
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E. Gering, 2006


INR F34
Hauptsachwörter Kupferverhüttung, Schmelzofen, Kupferausbeute, Holzkohlenaufwand, Arbeitsaufwand, Holzaufwand
Zeit Altertum
Ort Iran, Europa
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Sachverhalte
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Kupferverhüttung war die erste pyrotechnologische Industrie. welche Holzkohle erforderte. Welches Ausmaß hatte diese Anforderung? Fünf kg Kupfer, genug für vielleicht 20 geschäftete Äxte, könnten in einem modernen Schmelzofen,  wie er archäologisch bekannt ist, produziert werden. Entsprechend den wenigen verfügbaren, geschätzten Kosten ist das gewichtsmäßige Verhältnis von Holzkohle zu Kupfer für verhüttete Oxyderze mindestens 20 zu 1 (basierend auf historischen Aufzeichnungen in Europa) und womöglich 40 zu 1 (auf Verhüttungsexperimenten von Tylecote basierend). Den historischen Aufzeichnungen zufolge würden fünf kg Kupferschmelze also 100 kg Holzkohle verbrauchen. Das Produzieren würde 3,3 Mann-Tage Arbeit kosten (bei 30 kg pro Mann und Tag) und es würden 700 kg Holz benötigt. 
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Sachverhaltstypen Fakt, Vermutungen
Quelle Lee Horne: Fuel for the Metal Worker. The Role of Charcoal and Charcoal Production in Ancient Metallurgy. - a.a.O. (siehe INR F22)
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F35
Hauptsachwörter Holzkohlenfund, Holzkohlenrest, Holzart, Wohnstätte, Urmensch
Zeit Vor 380.000-400.000 Jahren (älteres Paläolithikum)
Ort Südfrankreich, Cote d´Azur, Terra Amata bei Nizza
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Sachverhalte
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Wohnstätte im Altpaläolithikum

Wohnstätte(7-15 m lange und 4-6 m breite Hütte aus Baumästen für eine Gruppe von Jägern vom Typ homo erectus). Auf dem Boden der vermutlich elfmal in aufeinanderfolgenden Jahren wiedergenutzten Hütte erkannte man „in kleinsten Holzkohlenstückchen Reste von Kiefern- und Eichenholz, aber auch von Heidekraut und Ginster“.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangenheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S. 9-10
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003


INR F36
Hauptsachwörter Holzkohlenfund, Holzart, Feuerstelle, Wohnstätte, Urmensch 
Zeit Vor 130.000 Jahren
Ort Südfrankreich, Cote d´Azur, Grotte du Lazaret (Standort am westlichen Fuß des Berges Boron)
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Sachverhalte
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Wohnstätte im Mittelpaläolithikum

1967 wurden in einer Höhle Reste einer an die Höhlenwand angebauten Wohnstatt entdeckt. Gefunden wurden Knochenreste, Holzkohlen, Pflanzenpollen und andere Indizien für die Rekonstruktion der Umgebung der Höhle, des Lebensraums ihrer Bewohner.Die 40 x 20 m große Höhle war Winterquartier eines Trupps halbnomadischer Jäger und Sammler pflanzlicher Nahrung. Die Bewohner standen auf der anthropologischen Stufe des Urmenschen (homo erectus). Die in der Höhle gebaute Behausung war etwa 11 m lang und 3,5 m breit. Baumaterial waren Steine (Fundament), Holzstangen (Dachkonstruktion) und Tierfelle (Dachabdeckung). Im hinteren Teil des Verschlages fanden sich zwei einfache kleine Feuerstellen in leichten Vertiefungen ; „die Holzkohle und Asche stammten vorwiegend von Laubbäumen.“
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangernheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S.12-16
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003 


INR F37
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Holzkohlenreste, Höhlenmalerei, Radiokarbonmethode
Zeit Vor 14.000 bis 16.000 Jahren  (jüngeres Paläolithikum)
Ort Frankreich, Höhle von Lascaux
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Sachverhalte
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Berühmte Höhlenmalereien. Die Höhle diente vermutlich eher als Heiligtum denn als Werkstätte.In verschiedenen Felsrissen im „Schacht des toten Mannes“ „entdeckte man eine Anzahl primitiver steinerner Lämpchen mit Holzkohle von Nadelbäumen, eine geringe Menge von Steinindustrie und Pfeilspitzen aus Horn. Die archäologische Datierung „in die Zeit zwischen dem Ende des Pe´rigordien und dem Anfang des Magdale´nien läßt sich wohl auch auf die gesamte Höhlendekoration beziehen.“ Zur absoluten Altersbestimmung wurden Anfang der fünfziger Jahre Kohleteilchen aus dem Schacht dem Erfinder der Radiokarbonmethode, Prof. W.F.Libby, nach Chikago geschickt. Das dort ermittelte Alter von 14.000 bis 16.000 Jahren ist „das erste feststehende Radiokarbondatum für das westeuropäische jüngere Paläolithikum“. Das Datum ist noch recht ungenau, weil die verwendete Methode damals noch neu war und erst während der folgenden Jahre wesentlich vervollkommnet wurde.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangernheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S. 43
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003


INR F38
Hauptsachwörter Holzkohle, Feuerstelle, Altersbestimmung, Radiokarbonmethode
Zeit Gegenwart / Mesolithikum
Ort Bezugnahme auf Erforschung einer Siedlung im Mesolithikum
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Sachverhalte
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„Wenn geeignete Holzproben – z.B. Teile von Ästen aus dem Moorboden oder Holzkohle von Feuerstellen – zur Verfügung stehen, schickt man sie in ein Radiokarbonlaboratorium ... Diese Proben werden verbrannt, und aus dem im gasförmigen Zustand gemessenen Grad der Radioaktivität bestimmt man ihr absolutes Alter.“
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangernheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S.59.
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003


INR F39
Hauptsachwörter Holzkohlenfund, Neolithische Siedlung, Feuersteinwerkzeug
Zeit Neolithikum
Ort Ukraine, Luka Wrublewezkaja
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Sachverhalte
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Wohnstätte im Neolithikum (Jungsteinzeit)
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Neolithische Siedlung der Tripolje-Kultur (benannt nach einer Fundstätte bei der Ortschaft Tripolje nahe Kiew).  „Es wurden Mulden mit dunkler aschedurchsetzter Erde und Holzkohle, Scherben von Keramikgefäßen, mit Feuersteinwerkzeugen, Tierknochen und den Abdrücken von im Wasser lebenden Weichtieren gefunden.“
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangernheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S.78
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003


INR F40
Hauptsachwörter Holzkohlenzeichnung, Höhlenmalerei, Feuersteinbergbau, Beleuchtung
Zeit Urgeschichte
Ort Polen, Krzemionki Opatowskie
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Sachverhalte
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Prähistorische Steingruben (unterirdischer Abbau von Feuerstein). Einfache, mit Holzkohle ausgeführte Zeichnungen an den Felswänden einiger Gänge und Kammern. Bei der zum Zeichnen benutzten Holzkohle handelte es sich (vermutlich) um Reste abgebrannter Fackeln.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Karel Sklenar: Spuren der Vergangernheit. Archäologie in Europa. – Prisma Verlag Leipzig 1983, S.118 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2003 


INR F41
Hauptsachwörter Holzkohle, Holzkohlentransport, Metalltransport, Beschwörung, Tigris
Zeit Altertum
Ort Mesopotamien (Altbabylonien)
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Sachverhalte
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"In dem altbabylonischen Beschwörungstext VAS 17, 23 [...] soll der Tigris dem, für den der Beschwörer die Beschwörung rezitiert, Holzkohle (upellûm), sangû ( [...] ´ein Metallggst.´[...] ), Kupfer und eventuell Blei bringen: VAS 17, 23, 4-7: _ ú-pe-el-li-a-am, i-di-ig-la-at, sà-an-gi-i we-ri-a-am  a-ba-ri šu-ši-im, li-ib-lam - " Holzkohle soll der Tigris, sangû, Kupfer (und) ?? soll er mir bringen."
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Sachverhaltstypen Fakt (Text), Fiktion (Beschwörung)
Quelle Karin Reiter: Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. - Münster 1997, S. 118, Fußnote 30. 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006. Anmerkungen: upelûm (im obigen Text upellûm) akkadisch Holzkohle. - siehe Verzeichnis akkadischer Wörter (Anhang I, S.22*). VAS 17,23, 4-7 - ohne Erläuterung aufgeführt im Verzeichnis veröffentlichter Texte; mit Verweis auf S.118, Fußnote 30 (siehe Anhang I, S.70*).


INR F42
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Holzkohlenfeuer, Spreufeuer, Goldreinigung, Plinius d.Ä.
Zeit 1. Jh. n.0
Ort Altes Rom
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Sachverhalte
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Goldprobe
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C.Plinius d.Ä. (23-79 n.Chr.) schildert in seiner Naturalis Historiae Buch XXXIII XIX 59-60 das reinste Gold, dem Feuer nichts anhaben kann, und fährt fort: "Vielmehr, je öfter es geglüht hat, desto mehr gewinnt es an Güte, und das Feuer dient als Probe für das Gold, indem es ebenfalls die flammend rote Farbe des Feuers annimmt; man nennt dies die ´Feuerprobe' ... Außerdem ist es merkwürdig, daß es sich durch das heftigste Holzkohlenfeuer nicht bezwingen läßt, sehr rasch aber durch Spreufeuer glühend wird und daß man es zur Reinigung mit Blei röstet." Zur Verwendung von Stroh anstelle von Holzkohle beim Goldreinigen siehe auch Plin. XVIII 99 und XXXIII 90.[Fußnote 40 bei K.Reiter]
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Sacherhaltstyp Fakten
Quelle Karin Reiter: Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. – Münster, 1997,S. 40 FN 140
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F43
Hauptsachwörter Holzkohle, Holzkohlenanwendung, Holzkohlenpreis, Bronzeherstellung
Zeit Ur III-Zeit
Ort Mesopotamien
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Sachverhalte
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Zuschläge bei der Bronzeherstellung
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"Aus der Ur III-Zeit gut bekannt ist eine Substanz namens su / sù / su13gan, die bei der Bronzeherstellung dem Kupfer und Zinn hinzugefügt und auch bei der Raffination von Kupfer verwendet wurde." [...] Mit der Substanz erfolgte keine Legierung, sie wird nicht im Endgewicht des hergestellten Produktes berücksichtigt. Vielmehr scheint  sù-gan ein Zuschlag gewesen zu sein, der den Reinigungsprozeß des Kupfers förderte, bzw. bei der Schmelze von urudu (Kupfer) allein oder von ´reinem´ Kupfer mit Zinn verwendet wurde. Es wurde vorgeschlagen, in diesem Zusatz feingepulverte Holzkohle zu sehen (H.-G. Bachmann, 1984).  Dazu wurde jedoch festgestellt, daß sù-gan in den Provinzen Lagaš und Nippur meist zwei- bis dreimal so teuer wie Kupfer war, während in Umma der Durchschnittspreis von Kupfer nur geringfügig unter dem von sù-gan lag. Das erschien als zu teuer für Holzkohle (H.Waetzoldt 1984).sù-gan rangiert preislich zwischen Kupfer und Zinn. Der Preis für Holzkohle in der Ur III-Zeit ist unbekannt. Eine Deutung von sù-gan als "Holzkohle" ist ebenso möglich wie die Annahme von einer Borverbindung, etwa Borax  (Natriumborat; Pernicka 1984). Beide Stoffe verbessern die Flußfähigkeit und verhindern erneute Oxidation des Kupfers. "Holzkohle einer ganz bestimmten Baumart könnte durchaus selten und daher teuer gewesen sein. H.Waetzoldt ist jedoch der Ansicht, daß Holzkohle nicht so teuer wie Kupfer gewesen sein kann (mündliche Mitteilung). Eine eindeutige Identifizierung des Materials sù-gan ist derzeit noch unmöglich." 
Weitere Deutungen von sù-gan sind Salmiak (in fester Salzform) und Bernstein. (vgl. Anmerkung) "Falls sù-gan mit Bernstein zu identifizieren ist, hatte seine Verwendung bei der Metallverarbeitung einen eher magisch bestimmten Charakter." In späteren als den frühen altbabylonischen Texten wird sù-gan nicht mehr in metallurgischem Kontext erwähnt, "vielleicht weil man feststellte, daß es entbehrlich war."
Anmerkung:Wenn man andere Deutungen als Holzkohle (wie z.B. Bernstein) in Betracht zieht, sollte auch die Möglichkeit von "Gagat"  geprüft werden. Das seit der Bronzezeit bekannte Gagat (griech. Pechkohle)  oder Jet ist eine bituminöse Kohle aus dem Harz der Araucaria, einer großen Schuppentannenart. Der Name Gagat wird abgeleitet von griechisch gagates, dem Namen eines Flusses in der Türkei bzw. von der Stadt Gagis in Lykien/ Kleinasien, in deren Nähe man im Altertum die damals zur Schmuckherstellung benutzte Kohlenart fand. Im Mittelalter wurde dem Gagat vor allem magische Bedeutung nachgesagt.  (Information aus dem Web. E.Gering)
Sacherhaltstypen Fakt, Vermutungen, Fiktion
Quelle Karin Reiter: Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. – Münster, 1997S, 327-331
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F44
Hauptsachwörter Wohnstätte, Abri, Siedlungsschicht, Feuerstelle
Zeit 9. – 7.Jt v.0
Ort Mexiko, Oaxaca / Guilá Na-quitz
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Sachverhalte
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Wohnstätte Neolithikum.
Typus: Abri (Prähistorische Wohnstätte unter Felsvorsprung). In dieser Höhle lebten – mit Unterbrechungen – lange Zeit Jäger und Bauern. Man fand sechs Siedlungsschichten; dazu wurden Wege, Feuerstellen, Vorratslager und Kochbereiche ausgegraben.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Atlas Archäologie / Tim Taylor; Mick Aston. – München 2004, S.161 und S.12
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F45
Hauptsachwörter Goldgewinnung, Holzkohle
Zeit Altertum
Ort Altbabylonien
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Sachverhalte
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Goldgewinnung
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Zementation = Trennung von Gold und Silber.  "Das Gold kann durch Zementation aus einer Gold-Silber-Legierung herausgezogen werden." Diese Legierung "wird mit einem Chlorid (Kochsalz) oder Sulfid (z.B. Antimonsulfat, Antimonglanz) oder mit Salz, Stroh und Holzkohle in geschlossenen Tiegeln zum Schmelzen gebracht." Dabei wird durch langanhaltendes Erhitzen oder Glühen (ca. 800-900 °C) das Silber zu Silberchlorid bzw. Silbersulfid. umgewandelt.  Aus dem Reaktionsprodukt, welches man nach Aufbrechen des Tiegels erhält, läßt sich das schwammartige Gold von den Silberverbindungen durch Ausschlämmen trennen (nach J.H.F. Notton. s. Primärquelle). "Es ist jedoch noch offen, ob man in der altbabylonischen Zeit die Trennung von Gold und Silber überhaupt schon praktizierte."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Karin Reiter:Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. – Münster, 1997S. 407.  Primärquelle lt. K. Reiter: Ancient Egyptian Gold Refining: a Reproduction of Early Techniques / J.H.F. Notton. – Gold Bulletin 7, 1974, S. 50 ff.
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F46
Hauptsachwörter Wohnstätte, Abri, Feuerstelle, Herd, Herdgrube
Zeit Vor 17.000 Jahren
Ort Australien, Cloggs-Höhle
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Sachverhalte
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Wohnstätte Neolithikum
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Typus: Jäger und Sammler. Abri (siehe F44), dessen Decke durch die Feuer vieler Jahrhunderte schwarz gefärbt war. Ein Felsvorsprung diente zur Herstellung von Steinwerkzeugen, man fand breitrückige Klingen und Schaber (aus den letzten tausend Jahren). Weiterhin gab es Überreste viel älterer Feuerstellen (8.000 – 17.000 Jahre alt) und im Boden versenkte Öfen, in denen man Essen mit Hilfe von heißen Steinen kochte.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Atlas Archäologie / Tim Taylor; Mick Aston. – München 2004, S.195 Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F47
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Kupferraffination
Zeit Ohne Angabe.Vermutlich Ur III-Zeit
Ort Mesopotamien (Altbabylonien)
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Sachverhalte
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"Waschen" von Metallen
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Wenn in den altorientalischen Texten vom ´Waschen´der Metalle die Rede ist, so wird damit ein Aufschmelzen des zu raffinierenden Metalles gemeint sein. Bei Kupfer genügt es, dieses zusammen mit Holzkohle zu erhitzen. Nach dem Erstarren bilden die Verunreinigungen auf der Oberfläche eine spröde Kruste, die mit dem Hammer entfernt werden kann. Bei Edelmetallen wird mit "Waschen" das Treiben gemeint sein. Dabei wird unter Zugabe eines Vielfachen seines Gewichtes an Blei das Metall aufgeschmolzen. Das Blei absorbiert alle Beimengungen und verdampft oder geht in die Wandung des Gefäßes (K. Reiter benutzt hier das Wort "Kupella") über.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Karin Reiter: Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. – Münster, 1997 S. 415-416
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F48
Hauptsachwörter Holzkohlenabwesenheit, Brennmaterial, Holzkohlenalternative, Rohr, Gerste, Kotfladen, Holzspäne, Rechnung, Feuerholz, Pappelholz
Zeit Ur III-Zeit
Ort Mesopotamien (Altbabylonien)
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Sachverhalte
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Brennmaterial in Mesopotamien
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"Es fällt auf, daß in altbabylonischen Urkunden zur Bronzeherstellung das verwendete Brennmaterial nicht erwähnt wird, das gewichtsmäßig nicht unbeachtlich gewesen sein kann. Als Grund hierfür war entweder der geringe materielle Wert ausschlaggebend oder es fehlen noch die entsprechenden Rohrabrechnungen. Aus altakkadischen Texten aus Umma und UR III-Texten wird nämlich ersichtlich, daß es sich dabei um Rohrgehandelt hat, das wohl allgegenwärtig und nicht teuer war."
In einem altba-bylonischen Text aus Tell ed-Der wird Gerste, welche ein Silberschmied erhielt, als Äquivalent für Rohr notiert. "Außer Rohr hat man noch Kotfladen(putrum) und Holzspäne(kisimtum) als Brennmaterial eingesetzt, zumindest für den Haushaltsgebrauch."
"Nach M.A. Powell wurde der Bedarf an Feuermaterial in der präsargonischen Zeit überwiegend mit Pappelholz (asal2) gedeckt." 
Daneben verwendete man großes / kleines Feuerholz. Der Verwendungszweck der verschiedenen Hölzer wird in den Abrechnungen oft nicht erwähnt. "Das meiste wurde sicherlich für Möbel und dergleichen verbraucht."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Karin Reiter: Die Metalle im Alten Orient: unter besonderer Berücksichtigung altbabylonischer Quellen. – Münster, 1997, S. 326-327
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F49
Hauptsachwörter Goldbergbau, Kupferbergbau, Nubien, Sklavenarbeit, Erzabbau, Erzaufbereitung 
Zeit Um 3000 v.0
Ort Nubien (Äthiopien)
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Sachverhalte
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Goldbergbau in Nubien
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 "Um 3000 v.Chr. In Ägypten sind bereits die Metalle Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Bleibekannt. Besonders Kupfer und Gold werden bergmännisch gewonnen. Das Gold, von den Ägyptern »nub« genannt und vorwiegend aus dem Goldland »Nubien« (dem heutigen Äthiopien) stammend, war angeblich vom Gott Osiris entdeckt worden. Um das meist in Quarzadern eingebettete Edelmaterial zu gewinnen, treiben Sklaven und Sträflinge mit Hammer und Spitzkeil Gänge in die Adern vor, die den Goldvorkommen folgen. Knaben unter 17 Jahren schleppen das abgeräumte Gestein heraus. Mit eisernen Stempeln zerstößt man es in Steinmörsern zu erbsenfeinem Bruch. Dieser Schrot wird anschließend in Mühlen zu Pulver zermahlen, das dann auf hölzernen Tischen mit Wasser angeschlämmt wird. Der feinere Sand wird dabei fortgespült, der schwerere, goldhaltige, bleibt zurück. Er wird mit Blei verschmolzen, wobei sich das Gold vom Ganggestein trennt. In einem zweiten, fünf Tage dauernden Schmelzgang verdampfen unter Zusatz von neuem Blei und Kochsalz die Verunreinigungen oder sie bilden mit dem im Gold enthaltenen Silber und dem Tiegelmaterial Schlacken. Zurück bleibt reines Gold.".
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Sachverhaltstypen Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004


INR F50
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Löten, Schweißen, Gold, Schweißherd, Luftzufuhr
Zeit Um 2000 v.0
Ort Ägypten
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Sachverhalte
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Lötverbindungen und Schweißnähte
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Um 2000 v.Chr. Ägyptische Handwerker löten und schweißen Gold bei der Herstellung von Schmuck und verzierten Brustplatten.Die Technik des Lötens ist offenbar schon seit längerem bekannt. Gold und Silber werden mit Kupferlot verlötet. Bronzeteile lassen sich mit Lötzinn bei etwa 250 °C miteinander verbinden. Wichtig ist, daß an der Lötstelle keine Oxidation auftritt. Sie läßt sich durch ein geeignetes Reduktionsmittel verhindern. Die Ägypter verwenden dazu Alaun. Etwas komplizierter ist die Schweißtechnik, die bisher nur für Gold bekannt ist. Voraussetzung sind Werkstücke mit verschiedenem Goldgehalt und dadurch verschiedenen Schmelzpunkten. Das anzufügende Teil mit niedrigerem Schmelzpunkt wird zunächst erhitzt, bis es plastisch wird. In diesem Zustand heftet man es an das Hauptteil. Anschließend kommt der zusammengefügte Gegenstand in einen kleinen, tragbaren Schweißherd, der mit Holzkohle geheizt und mit dem Mund angeblasen wird. Hier werden die beiden Einzelteile zu einer festen Einheit miteinander verschmolzen."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F51
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Inder, Hethiter, Eisenerzverhüttung, Temperatur, Rennofen, Eisenerzbergbau 
Zeit 16. Jh. v.0
Ort Anatolien
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Sachverhalte
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Eisen erstmals aus Erz gewonnen
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Etwa gleichzeitig erfinden im 16. Jh. v.0 die Inder und die Hethiter in Anatolien die Eisenerzverhüttung. Das bis dahin verwendete Eisen war geschmiedetes seltenes Meteoreisen (um 2290 v. Chr.).Unter den Metallen spielte bisher das Kupfer die überragende Rolle (um 2820 v. Chr.). Die zum Reduzieren der Kupfererze erforderlichen Schmelzöfenarbeiten mit Temperaturenvon rund 1100 °C. Roheisen läßt sich aber erst bei 1225 °C gewinnen, wenn das erschmolzene Material aus der Beschickung und aus den Brenngasen Kohlenstoff aufnimmt. Da solch hohe Temperaturen noch nicht erreicht werden, erzeugt man Schmiedeeisen oder Stahl, was bereits bei Temperaturen über 700 °C in sogenannten Rennherden gelingt. Das sind im einfachsten Fall mit feuerfestem Material – Ton oder Ziegeln – ausgekleidete Erdmulden, die mit Holzkohle und Erz beschickt werden. Das erschmolzene Eisen bleibt, von Schlacken bedeckt, im unteren Teil des Ofens liegen oder wird durch Rinnen in eine tiefer gelegene Grube geleitet. Diese Eisenbrocken haben eine Masse von 7 bis 25 kg.Die Hethiter betreiben in ihrem Reich mehrere Eisenerz-Bergwerke. In Anatolien, im Kerngebiet des Hethiterreichs, erblüht bald eine eisenverarbeitende Industrie. Hergestellt werden Werkzeuge und Waffen, z.B. Speere.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 ..........


INR F52
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Eisenerzverhüttung, Bohnerz, Rennofen, Luftkanal, Hangwind, Temperatur, Eisenwerkzeug
Zeit Um 900 v.0
Ort Griechenland; Salzkammergut
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Sachverhalte
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Eisenwerkzeuge in Europa
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Bis 900 v.0 wurden Eisengeräte in Europa zwar genutzt, aber hier noch nicht hergestellt. "Es handelte sich um Importe aus dem Vorderen Orient. Jetzt beginnt man – vor allem in Griechenland und im Salzkammergut – nicht nur selbst Eisenerze zu verhütten, sondern auch Geräte und Werkzeuge aus Eisen zu fertigen. Das in Mitteleuropa verarbeitete »Bohnerz« – es heißt so wegen seiner Knollenform – wird in Rennöfen verarbeitet. Man legt sie an, indem man in einen Hang einen etwa zwei Meter tiefen Stollen treibt, dessen Wände mit Lehm ausgekleidet werden. Darüber wird aus einem Lehm-Sand-Gemisch ein Schacht errichtet, den man mit Steinplatten abdeckt. Der so aufgebaute Ofen faßt ein bis zwei Kubikmeter Erz. Belüftet wird er durch einen aus Steinplatten errichteten Kanal, der den Hangwind einfängt und dem Ofen zuführt. Ist der Ofen erst einmal in Glut, dann wird der Luftkanal bis auf eine kleine Öffnung von etwa sechs Zentimetern Durchmesser verschlossen. Infolge des Ofenzuges strömt die Luft sehr schnell durch diese Düse. So lassen sich Temperaturen von über 1000 °C erreichen, wenn mit Holzkohle gefeuert wird. Gefertigt werden aus dem Eisen neben vereinzelten Gefäßen vor allem Werkzeuge wie Beile,Messer, Scheren oder Sicheln."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004


INR F53
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Hygroskopizität, Samos, Theodoros, Ephesos, Tempel
Zeit um 532 v.0
Ort Samos (Griechenland); Ephesos (Kleinasien)
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Sachverhalte
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Erfindungen in Samos
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"In Samos tritt neben dem bedeutenden Mathematiker und Naturphilosophen Pythagoras als Mathematiker, Erfinder und Techniker Theodoros hervor. Er beschäftigt sich mit unterschiedlichen theoretischen Themen und praktisch-handwerklichen Gebieten. [...]  Theodoros macht erstmals auch von der hygroskopischen Eigenschaft von Holzkohle Gebrauch, indem er mit ihr den Boden des Tempels von Ephesos austrocknet."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F54
Hauptsachwörter Theophrast vonEresos,Teerschwelen, Teeranwendung,Holzkohlenbrikettierung
Zeit um 320 v.0
Ort Eresos (Insel Lesbos, Griechenland) 
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Sachverhalte
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Theophrast von Eresos beschreibt das Teerschwelen und das Brikettieren von Holzkohle mit Pech oder Teer als Bindemittel.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. -Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004


INR F55
Hauptsachwörter Glasherstellung, Glasblasen, Glasmacherpfeifen, Syrien, Phönizien, Ägypten
Zeit um 100 v.0
Ort Sidon (Syrien)
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Sachverhalte
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Die Kunst des Glasblasens
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Um 100 v.0 entdeckten Glasmacher in Sidon (Syrien)die Kunst des Glasblasens. Um Glas mit der Pfeife formen zu können, müssen die Schmelzöfen viel höhere Temperaturen liefern als bisher, damit die Masse weniger zähflüssig wird. Verwendet werden Glasmacherpfeifen aus einem 1 bis 1,5 m langen Eisenrohr mit einem Holzgriff und einem Mundstück. Solche Blasrohre waren schon zuvor zum Anfachen von Schmiedefeuern bekannt. Damit wird jetzt ein Glasposten aus der Schmelze aufgenommen, der dann unter Drehen und Schwenken oder unter Abwälzen auf Holz- oder Steinplatten zunächst zu einem birnenförmigen Kübel aufgeblasen wird, dem sich dann – gegebenenfalls nach nochmaligem Erhitzen – mit Werkzeugen verschiedene Formen geben lassen.Die in Syrien ansässigen Phönizier hatten die Technik des Glasmachens und Glasbearbeitens ursprünglich von den Ägyptern gelernt
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995. 
Keine Aussagen zu Holzkohle und Köhlerei (HuK)
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F56
Hauptsachwörter Metallkultur, Bronzezeit, Bronzeguß, Eisenverarbeitung
Zeit 2000-1500 v.0
Ort Südostasien, Indien, Thailand
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Sachverhalte
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Auftauchen erster Metallkulturen um 2000 v.0, in den ersten Phasen der Bronzezeit.. Es ist nahezu sicher, daß sie sich lokal entwickelten. Eisen kam erst um 700 v.0 in Gebrauch. Die Technik der Eisenverarbeitung stammt wahrscheinlich aus Indien, kann aber auch lokal entstanden sein.
Fundstück: Bronzener Axtkopf und dessen Gußform, etwa 1500 v.0. Fundstelle: Grab der Ban-Chiang-Kultur, NO-Thailand
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / Göran Burenhult (Hrsg.). – Köln 2004, S.79
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F57
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Kupferverhüttung, Pyrit, Röstverfahren, Schachtofen, Blasebalg, Umschmelzen, Kupferausbeute
Zeit Um 2670 v.0
Ort Naher Osten, Ägypten, Zypern
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Sachverhalte
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Kupfererzverhüttung im Nahen Osten
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In Ägypten und auf Zypern hat um 2670 v.0 die Kunst der Metallerzverhüttung einen hohen Stand erreicht. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Gewinnung von Kupfer aus Pyrit nach dem Röstverfahren (um 3000 v. 0 bzw. um 2820 v. 0). "Man verwendet das Kupfererz selbst zum Bau von Öfen, in die unten zunächst Brennmaterial eingelegt wird. Darüber schichtet man das zu röstende Erz. Nach dem Anzünden beschränkt sich die Arbeit der Röster auf das Nachfüllen von Brennmaterial. Das Ende der Röstzeit erkennen sie daran, daß sich das Erz rot verfärbt hat. Besonders fortschrittlich sind die Kupferöfen auf Zypern. Es sind hohe Schachtöfen, die von oben durch die Gicht (Ofenoberteil) abwechselnd mit Lagen aus Pyrit und Holzkohle beschickt werden. Der Schmelzvorgang wird nach dem Anzünden mit Hilfe von Blasebälgen beschleunigt. Produkte dieser hüttenmännischen Kupfergewinnung sind reines Kupfer, Schlacke, Gichtschwamm und Kupferstein. Das noch unreine Kupfer muß mehrmals umgeschmolzen werden. Das geschieht in Spezialöfen, aus denen das reine Kupfer zuletzt abgestochen und mit Hilfe von kaltem Wasser in Platten oder Blöcken zum Erstarren gebracht wird. Nur etwa 15 bis 20% des Kupfergehalts der Erze lassen sich auf diese Art gewinnen. Die Schlacken enthalten nicht selten noch bis zu 50% Kupfer (16. Jh. v. Chr.)"
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004 


INR F58
Hauptsachwörter Holzkohlenerzeugung, Hammurapi, Metallgewinnung, Hüttenwerker, Schmied 
Zeit Um 1700 v.0
Ort Babylonien
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Sachverhalte
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Hammurapi beschreibt Hüttenwesen
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Um 1700 v.0 beschreibt der Babylonierkönig Hammurapi in einem Brief das Metall-Hüttenwesen. Er fordert u.a.: »Man soll 7200 Stück Holz mit einem Rauminhalt von je einem Drittel- bis einem Liter und einer Länge von ein bis zwei Metern schlagen. Man soll nicht trockenes Holz nehmen, sondern nur grünes Holz. Und man soll sich beeilen, damit die ›qurqurru‹ (die Hüttenwerker, die das Metall herstellen) nicht unbeschäftigt bleiben.« 
Neben den »qurqurru« sind noch die »nappahu« bekannt, die das Metall weiter verarbeiten, also die Schmiede. Die Forderung, grünes Holz zu verwenden, läßt darauf schließen, daß das Holz nicht direkt zum Heizen der Schmelzöfen verwendet, sondern zuerst zu Holzkohleverarbeitet wird. Diese erzeugt die für die Metallgewinnung erforderlichen höheren Temperaturen. Aufgabe der Schmiede ist nicht nur die Herstellung von Metallgeräten, sie müssen die Metalle nach dem Erschmelzen aus dem Erz zunächst auch reinigen, denn sie enthalten noch Fremdsubstanzen. Das Material wird dazu mehrfach heiß gehämmert und zerkleinert, wodurch die Verunreinigungen entfernt werden. Möglicherweise wird es dann noch ein zweites Mal geschmolzen.
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Sachverhaltstypen Fakten; Vermutung
Quelle Chronik der Technik. - Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Bertelsmann Electronic Publishing. - Gütersloh, München 1995
Erfasser, Jahr E.Gering, 2004


INR F59
Hauptsachwörter Induskultur, Harappakultur, Bronzezeit, Kupferverarbeitung, Kupferverwendung, Töpferei, Töpferscheibe, Töpferware, Brennofen
Zeit 6000 – 1500 v.0
Ort Südasien (Industal)
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Sachverhalte
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Indus-Kultur (6.000-2.400 v.0)
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Um 3500 v.0 Anfänge der Kupferverarbeitung. Im 3. Jahrtausend v.0 wurden zunehmend Gegenstände aus Kupfer verwendet (Messer, Äxte, Pfeilspitzen). Um 1500 v.0 war Kupfer weit verbreitet. Die Indus-Kultur wird der Bronzezeit zugerechnet wird, aber es gab nur wenig Zinn für die Herstellung von Bronze. Harappa-Kultur  (Fortgeschrittene Indus-Kultur) 2400-2000 v.0. Sehr entwickelte Töpfereitechnik. In den meisten Siedlungen stellte man Haushaltsgeschirr auf Drehscheiben her und brannte es in großen Brennöfen. Um 1200 v.0 tauchten neue keramische Traditionen auf, darunter bemalte graue Töpferware (PGW, Painted Gray Ware). Um 500 v.0 war PGW eine Luxusware,  hergestellt aus feinem Ton und bei hohen Temperaturen gebrannt (Holzkohle?), weiß glasiert oder mit metallischen Kristallen auf glänzend schwarzer, dicker Oberfläche (NBPW, Northern Black Polished Ware). 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Große Zivlisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / Göran Burenhult (Hrsg.). – Köln 2004, Seiten 63, 68, 71 Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F60
Hauptsachwörter Schriftsystem, Keilschrift, Tontafel, Archaische Schrift, Textinhalt
Zeit 3100-2800 v.0
Ort Mesopotamien
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Sachverhalte
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Keilschrift
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Mesopotamien war das Zentrum der Keilschrift (engl. cuneiform. E.G.) .  Die Schriftzeichen wurden mit einem Stift in noch feuchten Ton geprägt. Das hinterließ die für diese Schrift typischen keilförmigen Markierungen. Keilschrift wurde in vielen Sprachen verwendet. Mitte des 19.Jh. n.0 wurde die Keilschrift entziffert. Die ältesten Tontafeln mit einer vollentwickelten Keilschrift entstanden ca. 2500 v.0. Vorläufer der Keilschriftsysteme waren die proto-cuneiformen Texte (4500 Funde, Südmesopotamien, erste Funde 1915), die zusammen mit den proto-elamitischen Texten (1500 Funde, erste Funde bei Susa, Ende 19. Jh.) als archaische Texte zusammengefaßt werden. Die archaische Schriftwurde von 3100 bis 2800 v.0 angewendet. Älteste Funde sind proto-cuneiforme Texte aus Uruk. Cuneiforme Zeichen wurden als Silbenzeichen mit phonetischem Wert sowie als Ideogramme (Bilder, welche Vorstellungen oder Objekte ausdrücken) benutzt. Bei den Texten handelt es sich meist um Verwaltungsdokumente, welche die von den Stadtzentren kontrollierten wirtschaftlichen Aktivitäten verzeichnen (Zuteilung von Arbeit, Verteilung von Rationen, Produktion von Lebensmitteln). Es sind zumeist quantitative Informationen, angeordnet in einer durchdachten Buchhaltung. Entwickelt wurde die archaische Schrift, um politische Macht zu erhalten und Eigentum zu überwachen.  In den Anfängen der schriftlichen Überlieferung schrieben die Menschen weder ihre Geschichte noch ihre Mythen oder religiösen Ansichten nieder. 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Damerow: Die ältesten schriftlichen Dokumente. – In: Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / G.Burenhult (Hrsg.), Köln 2004, S.26.  Der Beitrag enthält das Abbild eines cuneiformen Textes mit exakter Erläuterung der im Text verwendeten Zeichen und Symbole.Zum Autor: Dr. Peter Damerow, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin (E.G.)
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F61
Hauptsachwörter Schriftsystem, Keilschrift, Textinhalt, Tontafelmenge, Sumerisch, Akkadisch, Assyrisch
Zeit um 2500 v.0
Ort Mesopotamien  (Sumer)
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Sachverhalte
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Keilschrift
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Um 2500 v.0 hatte sich eine standardisierte Schrift über die gesamte mesopotamische Ebene ausgebreitet. Die Texte enthielten nun neben wirtschaftlichen Daten auch literarische, religiöse und geschichtliche Themen. Das ursprünglich ideographische Sysmbolsystem hatte sich zu einer Schrift entwickelt, bei der die Zeichen phonetische Einheiten verkörperten. Dies vereinfachte die Schrift der Sumerer erheblich, von den ursprünglich 2000 unterschiedlichen Zeichen waren nur noch etwa 600 übrig. Hunderttausende von Tontafeln wurden mit der Keilschrift sumerischer Texte beschrieben.Nachdem das Sumerische nicht mehr allgemein gebräuchlich war, wurde die Keilschrift wegen ihrer großen Effizienz  in mehrere Sprachen späterer Zeit übernommen (Akkadisch, Assyrisch u.a.). 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Damerow: Die ältesten schriftlichen Dokumente. – In: Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / G.Burenhult (Hrsg.), Köln 2004, S.28-29
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F62
Hauptsachwörter Akkadisches Reich, Holzimport, Metallimport, Bitumen
Zeit 2350-2150 v.0
Ort Akkad (Nordbabylonien, Mesopotamien)
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Sachverhalte
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Unter dem Herrscher Sargon von Akkads (Akkadisches Reich, etwa 2350-2150 v.0) wurde Holz aus dem Libanon, dem Taurus- und dem Zagros-Gebirge importiert, Metall (überwiegend Kupfer) kam aus Anatolien und dem Iran, Bitumen stammte vom mittleren Euphrat, Steine wurden aus den umliegenden Hochlandgebieten herangeschafft.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Damerow: Die ältesten schriftlichen Dokumente. – In: Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / G.Burenhult (Hrsg.), Köln 2004, S. 31-32
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F63
Hauptsachwörter Neandertaler, Feuer, Werkzeug
Zeit 200.000-27.000 v.0
Ort Europa
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Sachverhalte
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Der Neandertaler (200.000 – 27.000 v.0) beherrschte des Feuer, stellte Stein- und Holzwerkzeuge her, baute sich Hütten, trug Fellkleidung. Er ist kein direkter Vorfahre des Menschen, wie DNS-Analysen belegen.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Die Evolution des Menschen. – In: Geokompakt Nr. 4, Hamburg, Sept.2005, S.21 Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F64
Hauptsachwörter Eisentechnologie, Stahlerzeugung
Zeit 3200-800 v.0 
Ort Mittelmeerraum
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Sachverhalte
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Beherrscht werden zwei für die Eisentechnologie notwendige Verfahren: das  Aufkohlen (Absorption von Kohlenstoff in das Eisen, um Stahl zu erzeugen) und das Abschrecken (rasches Abkühlen des heißen Metalls, so daß ein wesentlich härteres Endprodukt entsteht).
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle G. Burenhult: Von der Bronze zum Eisen in der Mittelmeerregion. – In:Große Zivilisationen. Die Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. 137 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F65
Hauptsachwörter Erzmangel, Holzmangel, Handelsroute
Zeit 800-500 v.0 
Ort Mittelmeerraum (Griechenland, Phönizien)
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Sachverhalte
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Weder Griechenland noch Phönizien besaßen größere Erzressourcen.  Auch Holz für den Schiffbau war knapp. Die Folge waren ausgedehnte Handelsrouten an den Nord- und Südküsten des gesamten Mittelmeeres.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle G.Burenhult: Die Kolonisierung durch Griechen und Phönizier ... – In: Große Zivilisationen ..., Köln 2004, S. 140-141
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005 


INR F66
Hauptsachwörter Schriftsystem, Silbenschrift, Griechisches Alphabet, Dunkles Zeitalter
Zeit 1100-700 v.0
Ort Griechenland
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Sachverhalte
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Schriftsysteme in Griechenland
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Nach dem Zusammenbruch der bronzezeitlichen Kultur von Mykene um 1100 v.0 blieb Griechenland mehrere Jahrhunderte lang spärlich besiedelt. Dies fällt zu einem großen Teil mit dem sogenannten Dunklen Zeitalter zusammen, das bis etwa 700 v.0 dauerte. Die Geschichte dieser Jahrhunderte, aus denen es noch keine schriftliche Überlieferung gibt, ist relativ unzureichend bekannt und basiert überwiegend auf archäologischen Funden. Die alte Silbenschrift der Bronzezeit, etwa 1700 v.0 entstanden, war um 1200 v.0 mit Ausnahme von Zypern überall verschwunden. Das griechische Alphabet wurde erst am Ende des Dunklen Zeitalters verwendet. Über die spätere griechische Geschichte liegen dagegen zahlreiche schriftliche Quellen vor.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle P. Hellström: Das Zeitalter des klassischen Griechenland. – In: Große Zivilisationen. Die Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. 144
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F67
Hauptsachwörter Schriftsystem, Linear-B-Schrift, Entzifferung
Zeit Altertum, Gegenwart
Ort Mykene (Griechenland)
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Sachverhalte
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Linear-B-Schrift
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Im Jahr 1952 erfolgte durch Michael Ventris die Entzifferung der Linar-B-Tafeln aus Mykene, einer Schrift, die sich aus der minoischen Linear-A entwickelt hatte und die eine Frühform des Griechischen darstellt. Die Entzifferung hatte immense Folgen für das Verständnis der mykenischen Wirtschafts- und Staatsstruktur.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Warren u.a.: Kriegsherren,Palastkulturen und die ersten Staaten Europas. - In: Große Zivilisationen. Die Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. 125
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005 


INR F68
Hauptsachwörter Schriftsystem,Tontafel, Linear-B-Schrift, Textinhalt, Handel, Handelsgüter, Schiffsladung, Terebinth-Harz
Zeit 1600-1400 v.0
Ort Pylos, Mykene, Theben, Tiryns (Griechenland)
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Sachverhalte
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Linear-B-Schrift
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Linear-B-Tafeln aus Pylos, Mykene, Theben und Tiryns enthalten vorwiegend Informationen zu Steuerfragen, unter anderem zur Besteuerung mit Naturalien.  Im Rahmen einer zentralisierten, straff kontrollierten Ökonomie wurden Rohstoffe und Rationen zugeteilt und den fertigen Produkten (auch aus Ackerbau und Viehzucht) Quoten auferlegt. Einige Tafeln enthalten Verträge über den Verkauf von Sklaven, andere führen militärische Ausrüstungen auf. Zahllose Einzelheiten technischer Produktion von Möbeln und Textilien bis zu Teilen von Streitwagen, Duftölen und Gewürzen werden nach Anwender oder Produkt aufgelistet. Die meisten der gegenwärtig verfügbaren Informationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Politik stammen von solchen Schrifttafeln. Unerwähnt bleibt auf den Tafeln der Handel, deshalb bleibt der Status, den der Handel in der mykenischen Wirtschaft einnahm, umstritten. Archäologische Funde belegen die Existenz des Handels damaliger Zeit. Handelsgüter waren unter anderem mykenische Töpferwaren und Duftöle. Ein vor der türkischen Südküste untergegangenes Schiff hatte Kupferbarren, Zinn,  Elfenbein, kobaltblaue Glasbarren, Gewürze, Ebenholz sowie über 100 Amphoren mit Terebinth-Harz (zur Herstellung von Parfums und Weihrauch) geladen. 
Terebinthe = Terpentinpistacie, mittelgroßer Baum oder Strauch. Durch Einschnitte in die Rinde wurde Terpentin gewonnen. Siehe Meyers Konversationslexikon Band 13, 1896, S.957. E.G.
Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Peter Warren u.a.: Kriegsherren, Palastkulturen und die ersten Staaten Europas. - In: Große Zivilisationen. Die Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. 128-130 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F69
Hauptsachwörter Schriftsystem, Palastzerstörung, Tauschhandel
Zeit Um 1200 v.0
Ort Griechenland
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Sachverhalte
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Mit den Zerstörungen der mykenischen Palastkulturen, die um 1200 v.0 ihren Höhepunkt erreichten, hörten schriftliche Aufzeichnungen auf. Die Zerstörungen fegten die zentralisierte Wirtschaft hinweg. Auch die Tauschhandelssysteme müssen sich grundlegend verändert haben , soweit sie von Palastherrschern und für diese kontrolliert wurden. Umfangreiche Bevölkerungsbewegungen setzten ein. Die griechische Sprache überlebte.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Peter Warren u.a.: Kriegsherren,Palastkulturen und die ersten Staaten Europas. - In: Große Zivilisationen. Die Kulturgeschichte der Menschheit von  den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. S.131
Erfasser, Jahr E.Gering, 2005


INR F70
Hauptsachwörter Tontafelarchiv, Tontafelinhalt, Tontafelmenge, Sprichwort
Zeit 20.-19.Jh. v. 0
Ort Nippur (Mesopotamien)
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Sachverhalte
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Entstehung des Tontafelarchivs in Nippur
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Mehr als 50.000 Keilschrifttafeln zu Geschichte und Traditionen von Sumer wurden von dem amerikanischen Sumerologen Kramer geordnet und ausgewertet. Hauptinhalte sind Weisheitsdichtungen, Sprichwörter, Darstellungen von Mythen und Epen (die bisher ältesten der Menschheitsgeschichte). Die Sprichwörter aus dem Literaturarchiv in Nippur bringen das quälende Los der Armen als Gegenstand in die Weltliteratur ein. In einem der Sprichwörter heißt es: "Für den Armen ist es besser, wenn er stirbt , als wenn er lebt: hat er Brot, so fehlt im Salz, hat er Salz, so fehlt ihm Brot; hat er Fleisch, so fehlt ihm das Lamm; hat er das Lamm, so fehlt ihm Fleisch."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Joachim Herrmann: Spuren des Prometheus: Der Aufstieg der Menschheit zwischen Naturgeschichte und Weltgeschichte. – Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin, 2. Auflage 1977,  S.124, 125  u. 266.
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F71
Hauptsachwörter Tontafelarchiv, Tontafelmenge, Assurbanipal, Palastzerstörung
Zeit um 650 v.0
Ort Ninive (Neuassyrisches Reich, Mesopotamien)
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Sachverhalte
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Tontafelarchiv Ninive
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Die Archiv-Bibliothek von Nippur wurde später nur noch von dem Palastarchiv des Weltbeherrschers Assurbanipal  (um 650 v.0 in Ninive) übertroffen. Dieser hochgebildete Despot ließ das ganze Reich nach wertvollen Schrifttafeln durchforschen und diese in seinen Palast bringen. Der größte Teil dieses Archivs wurde infolge der Zerstörung Ninives durch die Meder 612 v.0 vernichtet. Etwa 10.000 Tafeln wurden seit mehr als 100 Jahren in den Palastruinen geborgen.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Joachim Herrmann: Spuren des Prometheus: Der Aufstieg der Menschheit zwischen Naturgeschichte und Weltgeschichte. – Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin, 2. Auflage 1977,  S. 125 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F72
Hauptsachwörter Tontafelarchiv, Tontafelinhalt 
Zeit Altertum
Ort Mari (Mesopotamien), Boghazköy (Hethiterreich), Ugarit (Syrien),  Amarna (Ägypten)
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Sachverhalte
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Weitere Tontafelarchive

Neben den Tontafelarchiven von Nippur und Ninive existierten weitere große Archive in Mari (mittleres Mesopotamien), Boghazköy (Hethiterreich), Ugarit (Syrien) und Amarna (Ägypten, unteres Niltal). "Das Archiv von Amarna enthält die ägyptischen diplomatischen Korrespondenzen aus der Zeit Tut-ench-Amuns und Nofretetes, darunter vor allem auch die Keilschriftbriefe hethitischer Fürsten aus Kleinasien."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Joachim Herrmann: Spuren des Prometheus: Der Aufstieg der Menschheit zwischen Naturgeschichte und Weltgeschichte. – Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin, 2. Auflage 1977,  S. 125
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F73
Hauptsachwörter Holzkohlenanwendung, Grabkammer, Chu-Kultur
Zeit 2. Jh. v.0 
Ort Zentrales Yangtse-Tal. (China)
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Sachverhalte
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Grabkammer mit den wohlerhaltenen Überresten einer adligen Frau, verstorben in der 2. Hälfte des 2. Jh. v.0 (Zeit der westlichen Han-Periode). "Außerhalb der Grabkammer befand sich eine 1,4 bis 1,5 Meter starke Schicht von Holzkohle, und der Raum zwischen dieser und der Kryptawand war mit einer mindestens meterdicken Schicht feinen Tons ausgefüllt. Die wunderbare Erhaltung des Grabes und dessen Inhalt ist dieser Kombination der Materialien zuzuschreiben, die Feuchtigkeit und Sauerstoff  fernhielten. Die Praxis, eine Grabkammer mit weißem Ton und mit Holzkohle zu umgeben, wird mit der lokalen Chu-Kultur in Verbindung gebracht. In anderen Teilen Chinas wurden die Gräber während der Han-Dynastie anders konstruiert."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Katheryn M.Linduff: Das Grab der Lady Dai. – In: Große Zivlisationen; Eine Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart / Göran Burenhult (Hrsg.). – Köln 2004,S.116
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F74
Hauptsachwörter Bronzeverarbeitung, Metallverbinden
Zeit 2000-1500 v.0
Ort Kreta
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Sachverhalte
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"Bei den Bronzearbeiten wurden manchmal verschiedene Metalle durch Hitze und Druck verbunden, ähnlich der heutigen "Sheffield-Platte".
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Sachverhaltstyp Fakt
Quelle Peter Warren u.a.: Kriegsherren,Palastkulturen und die ersten Staaten Europas. - In: Große Zivilisationen. Die Kul-turgeschichte der Menschheit von  den Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 2004, S. 127
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F75
Hauptsachwörter Metallkultur, Kupferverhüttung, Dongson-Kultur, Wachsgußverfahren, Kesselpauke, Materialaufwand
Zeit 700 v. – 100 n.0
Ort Nordvietnam Südchina, Indonesien, Thailand  (Südostasien)
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Sachverhalte
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Dongson-Kultur , späte Bronze- bis frühe Eisenzeit. Fundstücke: Dongson-Kesselpauken (etwa 150 aus Vietnam, 50 aus Indonesien, 20-30 aus Thailand u.a.m.). Die meisten Pauken wurden in Vietnam und in Südchina hergestellt. Man exportierte sie in den Süden und den Westen, sie waren bei Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen geschätzt. "Die Pauken verraten große Fertigkeit im Wachsgußverfahren großer Objekte. Für die Herstellung der Pauke von Co Loa mußten zwischen einer und sieben Tonnen Kupfererz geschmolzen werden und bis zu zehn Schmelztiegel gleichzeitig zur Verfügung stehen."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Ian C. Glover, Elizabeth H. Moore: Eine Mischung von Traditionen. - In: Große Zivilisationen; Eine Kulturgeschichte der Mensch-heit von den Anfängen bis zur Gegenwart / Göran Burenhult (Hrsg.). – Köln 2004, S.84 Keine Aussagen zu HuK
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F76
Hauptsachwörter Eisenzeit, Bronzezeit, Eisenfund, Verhüttungstechnik, Schmieden, Waffen, Techniktransfer, Hethiter
Zeit ab 2200 v.0 
Ort Anatolien, Balkan, Mitteleuropa
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Sachverhalte
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Beginn der Eisenzeit
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Der Beginn der kulturgeschichtlich als "Eisenzeit" bezeichneten Epoche ist nicht genau festzulegen. Grund ist die Tatsache, daß der zeitliche Übergang von der vorausgehenden "Bronzezeit" kontinuierlich vor sich ging, so daß je nach Region manchmal beide Epochen nebeneinander bestanden. Der erste sichere Fund von Eisen, welches von Menschen aus irdischem Erz erschmolzen wurde, stammt aus der Zeit um 2200 v.0. Es handelt sich um einen Dolch, der als Grabbeilage im Ruinenhügel Alaca Hüyük (Zentralanatolien) gefunden wurde. Die älteste urkundliche Erwähnung von Eisen erfolgte um 1800 v.0 im Zusammenhang mit dem Hethiterkönig Annita von Kuschschara ("Der Dolch des Annita"). Ab 1700 v.0begannen die Hethiter, Kupfer und Bronze durch Eisen zu ersetzen. Ab dem 14. Jhd. v.0 verarbeiteten sie dafür zunehmend anatolische Eisenerze Sie entwickelten eine beachtliche, jedoch streng geheim gehaltene Verhüttungstechnik. Durch Schmieden wurde das Eisen hauptsächlich zu Waffen verarbeitet. Damit verschafften sich die eisenkundigen Hethiter einen bedeutenden Vorteil gegenüber den noch in der Bronzezeit lebenden Völkern. Kleinasien kann somit als "Wiege der Schmiedekunst" gelten.  Nach dem ab 1200 v.0 stattgefundenen Zusammenbruch des Hethiterreiches verbreitete sich die Technik der Eisenerzverhüttung und Eisenverarbeitung über die Philister, Assyrer und frühen Griechen in den von Illyrern bewohnten Balkan und von dort nach Mitteleuropa(siehe R. Pleiner: Early Iron Metallurgy in Europe, Yale University 1980, Grafik S.382).
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Zur Geschichte der Eisengewinnung mit Holzkohle und Steinkohlenkoks / G.Collin, W.Wetzel, N.T.M. 12 (2004),S.65-66 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006 


INR F77
Hauptsachwörter Eisenzeit, Hallstattkultur, La-Tène-Kultur, Kelten, Etrusker, Eisenexport, Eisenanwendung
Zeit Hallstattzeit (ca. 850 bis 450 v.0), La-Tène-Zeit (450 bis 0)
Ort Mitteleuropa, Hallstatt, Elba, Mittelmeerraum
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Sachverhalte

Die mitteleuropäische Eisenzeit begann mit der "Hallstattkultur" der Illyrer (benannt nach Fundplätzen am Hallstätter See), etwa 850 bis 450 v.0. Zweiter Höhepunkt war die "La-Tène-Kultur" der Kelten, 450 v.0 bis 0. Als erstes Volk in Mitteleuropa besaßen die Etrusker eine entwickelte Eisenindustrie, welche, ausgehend von Elba und dem nahegelegenen Festland, Eisen in den gesamten Mittelmeerraum exportierten. Ab 600 v.0 wurde Eisen fast überall in Europa als Werkstoff für Waffen, Pflüge und andere Geräte vorherrschend.
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Zur Geschichte der Eisengewinnung mit Holzkohle und Steinkohlenkoks / G.Collin, W.Wetzel, N.T.M. 12 (2004), S.66.   s.a. Nachweis F03 
Erfasser, Jahr  E.Gering, 2006


INR F78
Hauptsachwörter Eisenzeit, Holzkohlenanwendung, Schmelzofen, Bloomery, Luppe, Schmiedeeisen, Stahlerzeugung
Zeit Altertum
Ort Kleinasien, Indien, Europa
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Sachverhalte
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Bearbeitung von Eisen
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Das Eisen wurde aus Eisenerz in kleinen mit Blasebälgen versehenen Öfen (Rennöfen bzw. Rennfeuer, engl. bloomery) durch Erhitzen und Reduzieren mittels Holzkohle in Form teigiger, nach dem Erstarren poröser "Luppen" gewonnen (Luppe, vermutlich von lat. lupus – der Wolf oder ahd. luppa – geronnene Masse; frz. la loupe, engl. bloom – Flaum, Blüte). Die noch glühende Luppe wurde zu kohlenstoffarmem (< 0,5 % C) Schmiedeeisen verhämmert. Durch Erhitzen des Schmiedeeisens mit Kohlenstoffträgern wie Pflanzenkohlen und Abschrecken mit Wasser erzeugte man den kohlenstoffreicheren gehärteten Stahl (1 bis 1,5 % C). Zuerst geschah das in Kleinasien und Indien, danach auch in Europa.
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Sachverhaltstyp Fakten, Vermutung
Quelle Zur Geschichte der Eisengewinnung mit Holzkohle und Steinkohlenkoks / G.Collin, W.Wetzel, N.T.M. 12(2004), S.66-67 
Erfasser, Jahr E.Gering, 2006


INR F79
Hauptsachwörter Eisen
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Afrika, Schwarzafrika
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Sachverhalte
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Afrikanisches Eisen
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"Das Eisen, das in Schwarzafrika seit mehr als 2000 Jahren bezeugt ist, hat die Aufmerksamkeit der europäischen Forscher kaum auf sich gelenkt – im Unterschied zu anderen Metallen wie Kupfer, Silber und Gold, die in Afrika da und dort bekannt sind." 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt/Main 1991, S.11
Erfasser, Jahr 2006 


INR F80
Hauptsachwörter Eisengewinnung, Technikvergleich, Bronzezeit
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Afrika; Nigeria
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Sachverhalte
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Eisengewinnung in Afrika
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"In Afrika,südlich der Sahara, ist die Eisengewinnung sehr alt. In gewissen Gebieten, wie z.B. in Nordnigeria, reicht sie auf jeden Fall weit in die vorchristliche Zeit. Eine Bronzezeit ist fast überall in Afrika so gut wie unbekannt."  "Es scheint, daß in Afrika bis in die Jetztzeit Techniken überleben, die unseren früheren teils ähnlich, teils sogar identisch sind. Afrika kann uns deshalb zur Kenntnis unserer eigenen Geschichte Hilfe leisten."
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutungen
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt / Main 1991, S. 9
Erfassungsjahr 2006


INR F81
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Entwaldung
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Mali (Afrika)
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Sachverhalte
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Entwaldung in Afrika
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"Die Eisenverhüttung ist ein sehr kostspieliges und zeitaufwendiges Unternehmen. Wahrscheinlich wurden der Hochöfen wegen, z.B. in Mali, ganze Landstriche entwaldet."
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Sachverhaltstypen Fakt, Vermutung
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, S. 9
Erfassungsjahr 2006


INR F82
Hauptsachwörter Eisenschmelzer, Schmied, Soziale Stellung, Mystik, Symbolik
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Burundi, Rwanda, Sahelzone, Elfenbeinküste (Afrika)
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Sachverhalte
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Soziale Stellung afrikanischer Schmiede
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"Wer Eisen schmilzt, nimmt in den afrikanischen Gesellschaften einen ganz und gar eigenartigen Platz ein. Von allen Handwerken in den traditionellen Gesellschaften  übt er das komplizierteste aus. In der Mehrzahl der Fälle ist er der einzige Handwerker, der die Materie verwandelt; der einzige, der dazu verpflichtet ist, seine Tätigkeiten mit anderen systematisch abzustimmen." "Mal verachtet, mal hoch geschätzt, jedoch immer gefürchtet, verfügt der Eisenschmelzer über zahlreiche Begabungen: darunter die, das Gerät herzustellen, das für Ackerbau und Jagd unabdingbar ist. Bisweilen gebärdet er sich gar ein wenig als Wahrsager, Heilkundiger, ja selbst Machthaber, und produziert unzählige Amulette, magische oder symbolische Objekte aus Eisen."  In Burundi und Rwanda wie in anderen traditionellen Königreichen sind es Objekte wie etwa die Hämmer, die unter den Symbolen der Macht einen wichtigen Platz einnehmen. Drei Arten von Objekten begleiten in Rwanda die Könige während der obligatorischen Besuche beim Volk: dynastische Trommeln, Hammer und Amboß. "In der Sahelzone hausen die Schmiede immer abseits, sei es, daß sie isolierte Weiler bewohnen, sei es, daß ihnen ein besonderes Viertel ihres Dorfes zugeteilt ist. Je nach Region üben die Schmiede noch andere, zusätzliche Tätigkeiten aus: Sie graben Brunnen, sie stellen Mörser her, um Getreide zu zerstampfen (wie bei den Senufo an der Elfenbeinküste), sie betätigen sich als Geburtshelfer oder als Totengräber." 
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, S. 15-16. Keine Aussagen zu HuK
Erfassungsjahr 2006 


INR F83
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Brennmaterial, Holzkohle, Holzart, Heizwert, Entwaldung
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Afrika; Niger, Fouta Djalon (Afrika)
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Sachverhalte
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Holzkohlenerzeugung in Afrika
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"Als gewöhnliche Brennmaterialien für die Schmelzereien kommen Holzkohle oder Holz in Frage. Die Holzkohle wird häufig aus besonders harten und schweren Arten gewonnen, die nach Ansicht der Schmelzer ´mehr Hitze entwickeln´, und sie fügen hinzu, daß ´diese Hölzer unerläßlich sind und ohne sie keine Reduktion durchgeführt werden kann´. Aber infolge von Abholzungen ist es schwierig geworden, die harten Holzarten zu finden, die die Tradition für die Bereitung von Holzkohle vorschreibt. So sind die Schmelzer gezwungen, sich manchmal an Holzkohle schadlos zu halten, die aus Eukalyptus (einem Brennmaterial australischer Provenienz) oder anderen Baumarten gewonnen wird, die gegenwärtig für die Wiederaufforstung genutzt werden. Man sollte hervorheben, daß dieser Rückgriff auf Ersatz eine erfolgreiche Reduktion von Eisenerz keineswegs behindert." Die Holzkohlesorten sind von unterschiedlicher Dichte, je nach der anfänglichen Dichte der Hölzer, von denen sie herrühren. Versuche an mehr als 100 Hölzern unterschiedlicher Herkunft haben gezeigt, daß keine Korrelation zwischen Dichte und Heizwert des Holzes besteht, wenn man von Joule pro Kilo Holz und nicht von Joule pro Volumeneinheit Holz ausgeht. "Manchmal wird direkt auf trockenes Holz zurückgegriffen (wie bei den Djerma in Niger und im Fouta Djalon beobachtet wurde)."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt/Main 1991, 
S. 23-24
Erfassungsjahr 2006


INR F84
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Holzkohlebedarf, Entwaldung
Zeit Alte Geschichte
Ort Ghana, Kush (Afrika)
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Sachverhalte
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Holzkohlenbedarf in Afrika
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Wahrscheinlich ist einer der Gründe für den Niedergang der Reiche von Kush und Ghana, deren Macht sich namentlich auf die zentralisierte Produktion von Eisen stützte, in der übermäßigen Abholzung zu suchen, die der Bedarf an Holzkohle für die Schmelzereien verursachte, und in der zwangsläufigen Unmöglichkeit, die Produktion aufrechtzuerhalten.
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Sachverhaltstypen Fakten, Vermutung
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt/Main 1991, S. 26
Erfassungsjahr 2006 


INR F85
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Eisenerz, Blasebalgdüse, Pisé, Schmelzgrube, Holzkohlenfeuer, Luppe, Schmieden, Endprodukt
Zeit Altertum | Gegenwart 
Ort Burundi (Afrika)
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Sachverhalte
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Die Schmelzerei von Buta (Burundi) – Eine Vorführung
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Ausgangsmaterialien: Ein Säckchen mit Eisenerz (Hämatit), das einem nahegelegenen Hügel entstammt und wie große braune Kieselsteine aussieht; fünf große Säcke mit Holzkohle; etwas trockenes Holz und getrocknetes Stroh; zwei paarige Blasebälge aus Holz, mit Häuten bedeckt; zwei Düsen aus Pisé (mit Stroh vermischter Ton) für das Einleiten der Luft aus den Blasebälgen in den Feuerraum;ein Terrakottatopf voll Sorghumbier, um die Schmelzerei zu weihen und die Gehilfen zur Arbeit zu ermuntern.
Die Schmelzgrube ist 50-60 cm tief, der Durchmesser beträgt am Boden der Grube ca. 40 und zu ebener Erde ca. 60 cm. Die Grube wird mit Holzkohle gefüllt, in der Mitte nur bis zu zwei Dritteln der Grubentiefe, an den Seiten bis zur ebenen Erde. Die auf die Glut der vergangenen Nacht gelegte Holzkohle entzündet sich rasch. Auf den Rand der Grube kommt eine dünne Schicht Holzkohle, darauf eine Lage Eisenerz und über das Ganze nochmals Holzkohle. Nach ca. 1 ½ Stunden Feuer und mehrmaligem Nachschütten von Holzkohle wird begonnen, einige Händevoll mit Eisenerz vermengter Holzkohle mitten ins Feuer zu werfen und weitere Holzkohle hinzu zu geben. Dabei werden die Düsen, die sich mit fortschreitender Verbrennung von Holzkohle ständig senken, gerichtet. Nach ca. 3 Stunden ist alles Erz ins Feuer gewandert. das Feuer brennt noch 1 Stunde weiter. Die Arbeitsgänge dauern insgesamt 6 Stunden. 
Die gewonnene kleine und noch glühende Luppe (Eisen, Schlacken und unverbrannte Holzkohle) wird mit Knüppelhieben bearbeitet. In große Brocken zerschlagen, bringt man die Luppe zur Grobschmiede des Schmelzers, wo durch Erhitzen bis zur Weißglut und anschließendes fortwährendes Hämmern das Eisen immer kompakter wird und schließlich für das Schmieden von Werkzeugen geeignet ist. Die beiden Blasebälge der Schmelzerei werden durch zwei sich abwechslende Gruppen von Helfern 6 Stunden lang ununterbrochen betätigt. Im normalen Schmelzbetrieb reicht das erzeugte Eisen für das Schmieden von 2 bis 3 Hacken.
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Anmerkung: Pisé wird im frankophonen Westafrika "banco" genannt. [siehe Quelle S.85]
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, S.29-38
Erfassungsjahr 2006


INR F86
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Brennmaterial, Holz, Schachtofen, Luftzufuhr, Luppe, Endprodukt ,Kalebasse
Zeit Altertum | Gegenwart 
Ort Niger (Afrika)
:
Sachverhalte
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Eisenverhüttung in Afrika
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In Yelwani (Niger) arbeitet der Eisenschmelzofen mit Holz. Benötigt werden große Mengen von trockenem Holz sehr kräftiger Baumarten. Der kegelstumpfartige Schacht aus Pisé (mit Stroh vermischter Ton) ist ca.1,85 m hoch. Der innere Schachtdurchmeser beträgt zu ebener Erde 90 cm, am oberen Ende 35 cm. Eine Grube am Boden des Schachtes ist 50 cm tief und hat einen Durchmesser von 70 cm. Die Gesamthöhe des Ofens mit Grube beträgt 2,35 m. Der Ofen arbeitet mit 8 Luftdüsen aus Pisé, jede 65-70 cm lang  und 8-9 cm Durchmesser. Mittels ungebrannten Tonscheiben von 15 cm Durchmesser und 3 cm Dicke kann der Luftzustrom zu den Düsen gehemmt werden.
Die Grube wird zunächst mit Rindenstücken bis etwa 10 cm unter der Erdoberfläche gefüllt, darauf kommen trockene Gräser bis zum Rand des Erdbodens. Auf den Gräsern werden die Luftdüsen sternförmig angeordnet. Darüber kommt nochmals eine 10 cm dicke Lage von Gräsern. Durch die Hauptöffnung seitlich im Schachtfuß und zuletzt von oben wird dann der Ofen mit Holz vollgestopft. Durch eine der Düsen wird das Brennmaterial gezündet. Durch den Wind von außen und den Kamineffekt im Inneren des Schachtes geht das Brennmaterial schnell in Flammen auf.. An der Spitze des Kamins entweicht in dichten Spiralen weißer Rauch. Nach 1 ½ Stunden wird eine halbe Kalebasse * Eisenerz in den Ofen geschüttet. Auf eine Lage Rindenstücke und eine Lage Gräser folgt nach ¾ Stunden wieder eine halbe Kalebasse usf. bis insgesamt siebenmal Erz bei zunehmender Menge eingefüllt wurde, zuletzt 3 halbe Kalebassen auf einmal. Die zwischengeschichteten Rindenstücke und Gräser verhindern das Durchfallen der Erzstücke auf den Boden der Anlage. Nach 12 Betriebsstunden ist das Brennmaterial aufgebraucht, nach weiteren 4 ½ Stunden werden die Düsen entfernt. Ergebnis ist eine große Luppe Eisen, 30 cm hoch und 50 cm Durchmesser.
Die Luppe wird in kleine Brocken zertrümmert, die einzeln auf dem Amboß zerschlagen werden. Alles was leicht zerbröckelt, wird dadurch ausgesondert: Schlacke und verkohltes Holz zerfallen zu Staub. Übrig bleiben Körnchen und dünne Plättchen von Eisen, die in einen halbkugelförmigen Schmelztiegel aus Pisé (Druchmesser 10 cm) gegeben werden Der Tiegel wird mit Ton verschlossen und in der Grobschmiede 1 ½ Stunden erhitzt. Schließlich zerspringt der Tiegel und das Eisen kann nach dem Erhärten weiter verarbeitet werden (in der Sahelzone meist zu Hacken oder einer Art von Sicheln). 
Der in Yelwani verwendete Ofentyp kann etwa 20x benutzt werden. Ein Bedienen von Gebläsen ist nicht erforderlich, der Schmelzer benötigt nur 2 oder 3 Gehilfen. Mit jeder Verhüttung wird eine Luppe produziert, die zum Schmieden von 20 bis 30 Sicheln oder Hacken ausreicht.
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Anmerkung: Kalebasse = Gefäß aus der Frucht des Flaschenkürbis (E.G.)
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, S. 56-71 und 96.  Keine Aussagen zu HuK
Erfassungsjahr 2006 


INR F87
Hauptsachwörter Eisenverhüttung, Holzkohlenbeschaffung, Schmelzplatz, Schmelzer, Arbeitsvorbereitung, Mystik
Zeit Altertum | Gegenwart
Ort Afrika
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Sachverhalte
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Arbeitsteilige Eisenerzeugung in Afrika
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"Der Schmelzerist seßhaft, seiner jeweiligen Gegend stark verbunden: Er weiß, wo man das Eisenerz findet, wie man das nötige Holz (und die Holzkohle) beschafft, wo man den passenden Ton erhält und sich mit Wasser versorgt." "Schmelzer können sich in einem oder mehreren Trupps zusammenschließen und sich gemeinsam folgende Aufgaben vornehmen: - mehrere Öfen in unmittelbarer Nähe zueinander errichten (oder wieder in Gang bringen), - das nötige Erz schürfen und es an den Ofenplatz bringen, - die erforderlichen Mengen an Holzkohle undanderen Brennmaterialien vorbereiten, - die erforderlichen Zubehörteile bereitstellen (Düsen, Amulette usw.)."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, 
S. 98-99
Erfassungsjahr 2006


INR F88
Hauptsachwörter Schmelzer, Schmied, Arbeitsteilung
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Afrika (Niger; Ostafrika)
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Sachverhalte
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Schmiede in Afrika
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"Im Gebiet der Djerma (Niger) koexistierten zwei Gruppen von Schmieden. Die eine waren Schmelzer und Schmiede in einem, während die andere nur aus Schmieden bestand, die von der ersteren den Überschuß der Eisenproduktion bekamen und daraus die Werkzeuge anfertigten; für die galten jeweils andere Bezeichnungen. Bei den Senufo war früher die Mehrheit der Schmiede zunächst als Schmelzer tätig ...  Obwohl im Zwischenseengebiet Ostafrikas Schmelzer und Schmiede mit demselben Wort bezeichnet wurden, vermochte sie jeder auseinander zu halten."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main 1991, 
S. 126.  Keine Aussagen zu HuK
Erfassungsjahr 2006


INR F89
Hauptsachwörter Schmied sozial, Schmied Arbeitsteilung, Kupferschmied, Kupferschmelzer, Hutu
Zeit Alte Geschichte | Gegenwart
Ort Afrika; Burundi, Rwanda (Afrika)
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Sachverhalte
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Schmiede in afrikanischen Gesellschaften
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"Die Stellung des Schmiedes unterliegt je nach dem Charakter der Gesellschaft , in der er sich befindet, starken Schwankungen." Die Mehrheit der afrikanischen Gesellschaften kennt verschiedene Arten von Schmieden:- Eisenschmelzer und –schmiede, - Eisenschmiede die keine Schmelzer sind, - Kupferschmelzer und –schmiede, - Kupferschmiede die keine Schmelzer sind, - Eisen- und Kupferschmiede, - Gold- und Silberschmiede u.a.  "Es kommt vor, daß die Schmiede Gegenstand der Verachtung, der Furcht, des Respekts oder des Neids sind; immer jedoch spielen sie eine bedeutende Rolle, die über die hinausgeht, die sie allein aufgrund ihres technischen Wissens ausüben könnten. ... Die Schmelzer der Hutu in Burundi und Rwanda konnten sich, ohne Vermittler engagieren zu müssen, an den Königshof von Mwami begeben, während die einfachen Bauern (und selbst andere Handwerker) dazu angehalten waren, die gesamte Hierarchie zu durchlaufen, wenn sie dorthin gehen wollten."
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Sachverhaltstyp Fakten
Quelle Eisenhütten in Afrika. Beschreibung eines traditionellen Handwerks / Georges Celis. – Museum für Völkerkunde, Frankfurt/Main 1991, S.168-170. Keine Aussagen zu HuK
Erfassungsjahr 2006


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Zum Teil 2 des Wissensspeichers 
Frühe Köhlerei

 
 



 
 
Das Verzeichnis der Sachverhaltsinformationen zur Frühen Köhlerei wird fortlaufend ergänzt. Mitarbeit ist möglich und erwünscht. Beiträge bitte per E-Mail an die Adresse  Eberhardt.Gering@web.de



 
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