Das Erforschen der Frühen Köhlerei
Exposé
   
Autor:  Dr. phil. Eberhardt Gering
 Wildau bei Berlin,  November 2005 / Juni 2009
 
Gliederung
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I
Berücksichtigung der Frühen Köhlerei in der Geschichtsschreibung zur Technik
II
Erforschung der Frühen Köhlerei
III
Nächste Aufgaben
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Zitierte Literatur
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Forschungsstand im Jahr 2009



I.   Berücksichtigung der Frühen Köhlerei in der Geschichtsschreibung zur Technik
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Mit "Frühe Köhlerei" wird im vorliegenden Text die Köhlerei von ihren Anfängen in der Urgeschichte bis zum Ende der Frühgeschichte der Menschheit bezeichnet. 
Die Urgeschichte umfaßt mit über 99 Prozent den längsten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte. Sie beginnt mit dem Auftreten der ältesten Spuren der menschlichen Kultur, den Steinwerkzeugen, vor ca. 2,5 Millionen Jahren und endet mit dem Auftreten der ersten Schriftzeugnisse. 
Die Frühgeschichte befaßt sich mit denjenigen Kulturen der Menschheit, von denen einige schriftliche Aufzeichnungen bekannt sind, ein Großteil der Erkenntnisse über diese Kulturen aber dennoch von der Archäologie gewonnen wird. Abgelöst wird die Frühgeschichte von der eigentlichen historischen Geschichte, die wesentlich durch die Auswertung schriftlicher Quellen definiert ist. Die Definition durch die Art der Überlieferung bedingt, dass man kein Zeitintervall zur Eingrenzung der Frühgeschichte geben kann, da in den verschiedenen Regionen die kulturelle Entwicklung des Menschen unterschiedlich schnell verlief. /1/
Für das zentrale Europa bedeutet das durch den Zerfall des Weströmischen Reiches (zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts u.Z.) erfolgte Ende der Antike auch den Abschluß der Frühgeschichte.
Zu  weiteren Termini
Der sprachliche Ausdruck "Frühe Köhlerei" schließt einen erweiterten Inhalt des Begriffs "Köhlerei" ein. Zu diesem Begriffsinhalt gehören neben der eigentlichen Köhlerei (der Prozeß, in welchem die Holzkohle von Menschen erzeugt wird ) und den Köhlern (die in diesem Prozeß tätigen Personen) auch alle ur- und frühgeschichtlichen Anwendungen von Holzkohle sowie alle Holzkohlenfunde aus diesen Zeitperioden.
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Bei der Benutzung des Ausdrucks "Köhlerei und Holzkohle" werden hingegen unter "Köhlerei" nur das Erzeugen der Holzkohle und die Köhler selbst verstanden. "Holzkohle" dient in diesem Ausdruck als Sammelterminus für die Gesamtheit der Funde und Anwendungen von Holzkohle. Der Ausdruck "Köhlerei und Holzkohle" ist zeitunabhängig und nicht auf die Ur- und Frühgeschichte begrenzt.
Seit den Anfängen der Metallgewinnung und –verarbeitung in der Urgeschichte bildeten  Erzbergbau und Erzeugung von Holzkohle das gemeinsame Anfangsglied einer Produktionskette, die über die anschließenden Prozesse der Erzverhüttung, des Metallschmelzens und der vielfältigen Arten des Schmiedens schließlich bis zu den Endverbrauchern der Metallgegenstände führte. 
Bergmann, Köhler, Hüttenmann und Schmied – das waren diejenigen Menschen, die in den oben genannten Grundproduktionsprozessen  bis in die Neuzeit hinein als aufeinander folgende oder gleichzeitig tätige Hauptglieder der metallurgischen Produktionsketten fungierten. 

Nicht alle an diesen Produktionsprozessen Beteiligten finden in der oben angeführten Struktur der Produktionsketten ihre Berücksichtigung.  So mußte zum Beispiel für die Köhlerei das zu verkohlende Holz ausgewählt, geschlagen und transportiert werden.. Es bedeutet keinesfalls eine Nichtachtung oder Minderbewertung der dementsprechenden Gewerbe, wenn auf diese Arbeitsprozesse und ihre Ausführenden nicht näher eingegangen werden kann. 

Häufig wurden mehrere dieser Tätigkeiten, die man mitunter (irreführend) als "Nebenarbeiten" bezeichnet, von ein und denselben Personen ausgeführt. Solche "Mehrfachfunktionen" konnten auch die unmittelbar zur Produktionskette gehörenden Arbeiter betreffen, wie Situationsschilderungen zur Antike beschreiben:

  „Die ältesten Schmiede waren zugleich Berg- und Hüttenleute, sie suchten, verhütteten und
   verarbeiteten Erze und Metalle.“    (Die Köhler bleiben ungenannt) 
  „Caesar sah in Gallien wandernde Eisenschmiede, die im Sommer ihre Waren verkauften 
   und Aufträge entgegennahmen, im Winter Holzkohle brannten, Erze gruben und die in 
   Auftrag  genommenen Metallwaren schmiedeten.“ /2/
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Holzkohle war als Arbeitsmittel für die auf Erzbergbau und Köhlerei folgenden Tätigkeiten ( Verhüttung, der Erze, Umschmelzen, Schmieden von Metallen ) der einzige verfügbare Energieträger, mit dem die erforderlichen hohen Arbeitstemperaturen erzeugt werden konnten – eine Funktion, welche die Holzkohle bis zur umfassenden Einführung des Steinkohlenkokses im 19. Jahrhundert unserer Zeit beibehielt. Insbesondere konnte bis zu dem letztgenannten Zeitpunkt, das heißt über mehrere Jahrtausende hinweg, hochwertiges Roheisen nur im Holzkohlefeuer aus dem Erz erschmolzen werden. In Stahlwerken der Gegenwart erlebt Holzkohle als Energieträger eine Renaissance.

Die konstruktiven, aber vielfach auch destruktiven Wirkungen der bereits seit dem Ende der Urgeschichte in den großen Zentren der Metallgewinnung industriemäßig betriebenen Holzkohlen-Produktion lassen sich sehr gut mit dem folgenden Spruch ausdrücken, der in unserer Zeit auf der Insel Elba, in der Antike eines der Hauptzentren der Gewinnung und Verhüttung von Eisenerzen, geprägt wurde: 

"Ohne Holzkohle kein Eisen / ohne Eisen kein Krieg / aber auch kein Fortschritt / am Anfang steht immer die Holzkohle!" /3/
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Der großen gesellschaftlichen Rolle von Holzkohlenproduktion und –anwendung wird die Literatur zur Technikgeschichte häufig nicht gerecht. Oft enthalten Publikationen solcher Fachdisziplinen wie Archäologie, Archäometallurgie, Ethnographie und weitere, von denen man bei entsprechender Thematik  eine gebührende Aufmerksamkeit gegenüber den historischen Sachverhalten des Erzeugens und Anwendens von Holzkohle erwartet, nur wenige und nicht selten noch voneinander isolierte Aussagen über Holzkohlenfunde oder –verwendungen. 
Selbst wenn solche Erwähnungen in der Literatur erfolgen, bleiben in den meisten Fällen die eigentlichen holzkohlenerzeugenden Prozesse und ihre Hauptakteure, die Köhler oder Kohlenbrenner, unbeachtet. Der Brennstoff Holzkohle, seine Herstellung und seine Hersteller werden zu oft wie etwas Gegebenes, Selbstverständliches betrachtet, worüber zu sprechen und zu schreiben sich anscheinend "nicht lohnt". 
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Analysen einer per Zufallsauswahl zusammengestellten Menge von mehr als fünfzig einschlägigen Publikationen aus Vergangenheit und Gegenwart bestätigen diese Vermutung. Auch die in großen Volltextdatenbanken historischer Literatur vorgenommenen vergleichenden Recherchen zu Köhlerei auf der einen und zu weiteren technischen Sachgebieten auf der anderen Seite  lassen ein deutliches Ungleichgewicht zum Nachteil der Köhlerei erkennen. 
   
Auf dem 5. Internationalen Köhlertreffen 2005 im österreichischen Rohr im Gebirge wurde bereits darüber berichtet. Eine ungekürzte Fassung des in Rohr gehaltenen Vortrags befindet sich auf der Website www.dataleum.de . /4/
   
Die historischen Ursachen dieser Ungleichbehandlung lassen sich mit den durchgeführten Analysen allein  noch nicht erkennen. Feststehen dürfte jedoch schon jetzt, daß es auf den entsprechenden Gebieten der Technikgeschichtsschreibung notwendig ist, die oben genannte Gemeinschaft von Bergmann, Köhler, Hüttenmann und Schmied endlich in ihrer Ganzheit wahrzunehmen und  ohne Einschränkung zu vertreten.
 
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II.   Erforschung der Frühen Köhlerei
   
Basierend auf einer relativ umfangreichen Analyse technikgeschichtlicher Literatur  (siehe der oben genannte Vortrag auf dem 5. Europäischen Köhlertreffen) sollen die Arbeiten zur Erforschung der Ur- und Frühgeschichte der Köhlerei vom Europäischen Köhlerverein in den nächsten Jahren zielstrebig weitergeführt werden. Im Folgenden werden Gründe, Ziele und Realisierungsbedingungen für die geplanten Arbeiten dargelegt. 
 
II.1  Gründe für die Notwendigkeit des Erforschens der Frühen Köhlerei
   
Das Erforschen der Frühen Köhlerei halten wir für erforderlich, weil
  1. wir der Meinung sind, daß in der deutschsprachigen Geschichtsschreibung zur Technik die Arbeit des Köhlers und sein Arbeitsprodukt Holzkohle  endlich umfassend und mit dem gebührenden Stellenwert dargestellt werden müssen;
  2. die Anfänge von Köhlerei und Holzkohleanwendung nach vorliegenden Befunden noch vor dem als Frühgeschichte bezeichneten Zeitraum, aus dem die ersten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit stammen, zu suchen sind und eine ernstzunehmende Suche nach den Wurzeln der Köhlerei deshalb weit bis in die Urgeschichte der Menschheit zurückgehen muß;
  3. nur dann die Gleichstellung der Köhler mit den Bergleuten, Hüttenleuten und Schmieden der Vergangenheit zu erreichen ist, wenn wir überzeugend belegen können, daß in den  metallurgischen Produktionsprozessen vom historischen Beginn der Metallgewinnung an die Köhlerei stets zu den grundlegenden Tätigkeiten gehörte;
  4. wir erreichen wollen, daß  das Köhlergewerbe aus der sozialen Mißachtung, der es zusammen mit einer Reihe von weiteren Gewerben in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden ausgesetzt war, herausgeführt wird.
 
II.2   Über die derzeitige Situation
   
a)  Zum Stand des Interesses an der frühen Köhlerei
Das Interesse gilt gegenwärtig den Zeiträumen, die aus den örtlichen bzw. heimatgeschichtlichen Sichtweisen und Forschungsmöglichkeiten heraus überschaubar sind. Das betrifft maximal die letzten tausend Jahre. Zweifellos haben die vielen lokalen Köhlervereine an dem Erforschen dieser Zeitspanne ein großes Verdienst. Gleichzeitig bedeutet jedoch das Konzentrieren auf diese "jüngere" Vergangenheit auch ein Vernachlässigen der sehr viel längeren Periode, in der sich das Produkt  Holzkohle bereits zum primären Energieträger vieler menschlicher Gesellschaften entwickelte. Oftmals stellt sich die aktuelle Lage so dar, daß die früheren Jahrtausende nur dann an Interesse gewinnen könnten, wenn im jeweiligen territorialen Umfeld  Funde mit Bezug zur Köhlerei früherer Zeitepochen gemacht oder bisher unbekannte schriftliche Quellen zu diesen Zeiträumen auftauchen würden..
 
b)  Zur Quellenlage
Gegenwärtig ist zu den ur- und frühgeschichtlichen Stätten der Holzkohlenproduktion wenig bekannt. Nach materiellen Spuren der Holzkohlengewinnung, wie sie in den Zentren früher metallurgischer Produktion am ehesten zu erwarten wären, wird bis auf einzelne Ausnahmen offensichtlich nicht gezielt gesucht ( die relativ zahlreichen Relikte alter Kohlplätze des Mittelalters fallen nicht in den hier betrachteten Untersuchungszeitraum ). Gleichzeitig weisen aber Holzkohlenfunde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit auf die ehemalige Existenz entsprechender Produktionsstätten (Meiler) hin.

Schriftliche Zeugnisse aus frühgeschichtlicher Zeit mit Angaben über Produktion und Produzenten von Holzkohle oder von anderen Erzeugnissen der Holzverschwelung (insbesondere Teer)  sind sehr selten. Ein Beispiel liefert Theophrastos von Eresos (371-287 v.0) mit einer Beschreibung der Pech- (Teer-) Gewinnung. /5/

Anders ist die Situation auf den Gebieten des Bergbaus und des Hüttenwesens, wo die Spuren vielfach bis ins frühe Altertum, das heißt in früh- und sogar urgeschichtliche Zeiträume, zurückführen.

Auf Grund dieser wenig motivierenden Situation wird sich die oben geschilderte Interessenlage hinsichtlich des Durchführens von Forschungen zur frühen Köhlerei ohne unser aktives Handeln nicht ändern. Eher ist damit zu rechnen, daß infolge ökonomischer und anderer Zwänge für entsprechende Nachforschungen immer weniger Mittel verfügbar sein werden.

 
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c)   Zu Möglichkeiten des Umgangs mit der bestehenden Situation
Es werden zwei Möglichkeiten gesehen. Die erste Möglichkeit besteht darin, die Situation zu akzeptieren und sich wie bisher auf Untersuchungen zur Köhlerei der letzten Jahrhunderte zu konzentrieren. Dem werden vermutlich viele zustimmen. Der Pflege historischer Traditionen, verbunden mit tourismusförderlichen  und marktwirtschaftlichen Maßnahmen, kommt hierbei ein starker Einfluß zu. Jedoch, so wichtig diese Dinge auch sind oder sein können: sie allein würden uns beim Offenlegen der eigentlichen Ursprünge der Köhlerei nur wenig voran bringen.

Die zweite Möglichkeit  ist, gestützt auf das Potential und das Engagement der lokalen Köhlervereine sowie in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Montanindustrie, des Forstwesens, der Archäologie, der Ethnographie und weiterer zur Köhlerei in Beziehung stehender Gebiete und Disziplinen ein allgemeines Informationsbedürfnis über die frühe Köhlerei zu wecken und auf dieser Grundlage entsprechende Untersuchungen voranzutreiben..

Aus objektiver Sicht bestehen hierfür auf Seiten der gegenwärtigen traditionellen Köhlerei gute Voraussetzungen. Das sind vor allem:
der Stolz des Köhlers auf sein Gewerbe sowie auf sein eigenes fachliches Wissen und Können;
- die aus frühesten Zeiten überkommenen engen Beziehungen zwischen Köhlerei, Montanwesen und Forstwesen;
- die Kenntnis des Köhlers von der weitgehenden Nichtachtung und häufigen Diskriminierung  der Köhlerei in früheren Zeiten;
- das Nichtakzeptieren des völlig unzureichenden Stellenwerts, welcher der Köhlerei auch durch die jetzige Geschichtsschreibung meist noch zugewiesen wird.
 
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II.3   Zu den Erfolgschancen für das Erforschen der frühen Köhlerei
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In bezug auf die Köhlerei der jüngeren Vergangenheit, speziell der letzten zwei bis drei Jahrhunderte, ist die Quellenlage relativ günstig. Es gibt im deutschen Sprachraum eine Reihe von Darstellungen der Holzkohleproduktion mittels Erdmeilern, der Beziehungen zwischen Forstwirtschaft und Köhlerei, der Lage ehemaliger Meilerplätze, der für die Köhlerei benutzten Holzarten u.a.m. Neben Disziplinen wie Forstwirtschaft oder Archäobotanik widmen sich oftmals heimatgeschichtliche Veröffentlichungen den Themen Köhlerei und Holzkohlenanwendung.
Das Angebot an literarischen Quellen geht jedoch rasch gegen Null, wenn man sich, was den Erscheinungszeitpunkt angeht,  über das  mittlere und frühe Mittelalter dem Altertum nähert.
Auch Publikationen, die sich auf benachbarten Gebieten mit diesen relativ frühen Zeitepochen aus technikhistorischer Sicht befassen, bieten meist zur Köhlerei wenig oder gar nichts.

Das ist jedoch kein Grund, die Suche nach den Ursprüngen der Köhlerei aufzugeben. Vor allem sollten Behauptungen, daß die Schriftsteller des Altertums sich kaum zur Köhlerei geäußert hätten, nicht unkritisch hingenommen werden. Zum einen sind sehr viele der alten Quellen und damit auch mögliche Hinweise auf frühe Köhlerei im Lauf der Zeit verloren gegangen. Zum anderen ist immer noch damit zu rechnen, daß alte Originalquellen bis jetzt entweder unentdeckt blieben oder noch nicht entschlüsselt werden konnten. Letzteres trifft zum Beispiel auf Quellen in Form von Keilschrifttafeln zu, die zu Zehntausenden immer noch unentziffert in den Archiven großer Museen (London, Berlin u.a.) lagern.

Ein Beispiel für das hier brachliegende Informationspotential liefert eine aus dem Jahr 650 v.u.Z. vorliegende Schrifttafel aus dem Archiv des mesopotamischen Herrschers Assurbanipal mit detaillierten Angaben über die Rohstoffe zur Fertigung von Glas. /6/  Noch viel früher, 2350 v.u.Z., berichten sumerische Schrifttafeln vom Kupferhandel mit dem Industal. /7/
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Sollte es angesichts der in den frühgeschichtlichen metallurgischen Produktionsstätten benötigten riesigen Mengen an Holzkohle wirklich stimmen, daß in den damaligen schriftlichen Quellen nichts über Köhlerei und Holzkohle berichtet wurde?
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Große Informationspotentiale zur ur- und frühgeschichtlichen Köhlerei bilden die  Forschungs- bzw. Grabungsberichte der Archäologie. Bei Grabungen zur Siedlungsarchäologie, Archäometallurgie und zu weiteren Gebieten wird dem Auftreten von  Holzkohlefundstücken und dem Erforschen ihrer Herkunft vermutlich noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. 
Andererseits gibt es archäologische Forschungsberichte über Funde aus der Steinzeit bis hin zum Paläolithikum (Altsteinzeit), welche, gewissermaßen als Nebenprodukt, direkt oder indirekt auf urgeschichtliche Köhlerei und Holzkohlenanwendung hinweisen.

Welche historischen Fakten hier noch unentdeckt sind, läßt sich aus der Annahme schlußfolgern, daß mit der Beherrschung des Feuers vor mindestens 300.000 Jahren die Menschen auch begannen, Holzkohle selbst zu erzeugen und für ihre Zwecke zu verwenden.

 
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III.  Nächste Aufgaben
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Wer an den historischen Wurzeln der Köhlerei interessiert ist und beim Aufdecken dieser Wurzeln mitwirken will, sollte sich an diesbezüglichen Forschungsarbeiten beteiligen. Es geht in erster Linie darum, historisches Material und andere Arten nützlicher Informationen zu sammeln und an der  Prüfung, Zusammenstellung und Verbreitung der Erkenntnisse, die aus diesen Materialien gewonnenen werden, mitzuwirken. Gefragt ist interdisziplinäres Zusammenwirken im weitesten Sinne. Der Europäische Köhlerverein sollte sich ohne Einschränkung zur Notwendigkeit des Erforschens der Frühen Köhlerei bekennen. 
   
III.1    Beschaffen von Informationen über die Frühe Köhlerei
   
Es geht es um Informationen verschiedenster Art über die ur- und frühgeschichtlichen technischen Prozesse, bei denen das Erzeugen und Anwenden von Holzkohle sowie von anderen Produkten der Holzverschwelung (Teer bzw. Pech, Holzessig u.a.m.) eine Rolle spielten. Von Nutzen sind insbesondere:
 
> Bibliographische Angaben über literarische Quellen der Gegenwart und Vergangenheit;
Zitate und Abbildungen aus literarischen Quellen;
> Hinweise auf Personen und Institutionen, die auf benachbarten Gebieten tätig sind und als Experten bzw. Vermittler von Informationen beim Erforschen der frühen Köhlerei mitwirken können
   
Zu dokumentieren sind nicht nur Fakteninformationen, das heißt Informationen, deren Richtigkeit bzw. Wahrheit erwiesen ist. Von Wert  können Informationen zur Frühen Köhlerei und zu deren Umfeld auch dann sein, wenn sie nur Vermutungen zum Inhalt haben. 
Gleiches gilt für Informationen, deren Aussagen zwar nicht der Wirklichkeit entsprechen, jedoch für den Erkenntnisfortschritt eine gewisse Bedeutung besitzen. Das kann beispielsweise für Quellen aus der Sagenwelt der Antike zutreffen (vgl. die Sagen vom griechischen Schmiedegott Hephaistos).
   
III.2   Informationen zu den sozialen Komponenten der Frühen Köhlerei
   
Von großem Wert für die Erforschung früher Köhlerei sind Informationen über die Köhler selbst, über ihre wirtschaftlichen und im weitesten Sinn sozialen Verhältnisse, das heißt über das gesamte gesellschaftliche Umfeld, in dem die Holzkohleproduktionen zu ur- und frühgeschichtlicher Zeit stattfanden.
Hierbei gilt es auch, die infolge des gewaltigen Holzverbrauchs der Köhlerei im Altertum entstandenen Zerstörungen der Umwelt in ihrem komplexen Gefüge von ökonomischen, politischen, militärischen und anderen Komponenten des jeweiligen Gesellschaftssystems aufzuzeigen.
Wir wollen pauschalen Beschuldigungen der Köhler, Hauptverursacher oder sogar Nutznießer des Abholzens der Wälder in der Antike und in anderen Zeitepochen zu sein, anhand der historischen Tatsachen entgegentreten und dazu beitragen, mehr als bisher die wirklichen Gründe für diese zerstörerischen Prozesse zu erkunden und darzulegen.

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III.3   Wissenschaftliche Begleitung der Forschungsarbeiten
   
Zweckmäßig sind köhlereibezogene wissenschaftliche Veranstaltungen zu den Themen „Bedeutung der Holzkohle" und "Soziale Stellung der Kohlenbrenner" in ur- und frühgeschichtlicher Zeit,  um die Öffentlichkeit auf die Rolle der Köhlerei in der alten Geschichte aufmerksam zu machen und eine entsprechende Würdigung der Frühen Köhlerei in der künftigen  Geschichtsschreibung der Technik zu bewirken.

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Zitierte Literatur
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/1/  Definitionen aus "Wikipedia, die  freie Enzyklopädie" im World Wide Web (Dezember 2005) zurück
/2/  Robert James Forbes: Bergbau, Steinbruchtätigkeit und Hüttenwesen. – Göttingen 1967, S. K33 zurück
/3/  Uta Karl-Mazzei: La carbonaia di Roberto. – Cavalese (Italien), 1990, S.9 zurück 
/4/  Auf dem 5. Internationalen Köhlertreffen im österreichischen Rohr im Gebirge wurde die Thematik hauptsächlich unter dem Aspekt der Literaturanalyse behandelt. zurück 
/5/  Albrecht Locher: Antike Texte zur Holzteergewinnung. – In: Acta praehistorica et archaeologica 23  (1991),  S.111-115 zurück
/6/  Ausstellungstafel im Neuen Museum Glashütte/Baruth, Oktober 2005 zurück 
/7/  Weltgeschichtsatlas / John Haywood. - Köln 1999, S.57 zurück

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Ausarbeitung des Exposés: November 2005
Aktualisierung: Juni 2009
E-Mail-Adresse des Autors:  Eberhardt.Gering@web.de

 
Zum Forschungsstand im Jahr 2009
    
Die Arbeiten zur Erforschung der Frühen Köhlerei konnten trotz des vielversprechenden Beginns (siehe insbesondere das wissenschaftliche Symposium auf dem 5. Internationalen Köhlertreffen 2005 in Rohr, Österreich) nicht, wie vom Autor des Exposés geplant, fortgeführt werden. 

Wenige Monate nach Veröffentlichung des  Exposés setzten sich im Europäischen Köhlerverein (EKV) genau diejenigen ablehnenden Auffassungen durch, auf die im Exposé vorausschauend hingewiesen wurde (siehe Abschnitt II.2: "Über die derzeitige Situation" ).  Vom Leitungsgremium des EKV wurde mit Mehrheitsbeschluß festgelegt, die Arbeiten zur Erforschung der Frühen Köhlerei nicht weiterzuführen. Das Exposé blieb unbeachtet. 
Daraufhin mußte eine bereits tätig gewordene Gruppe von externen Spezialisten ihre Arbeit zum Thema  "Frühe Köhlerei" wieder einstellen. 

Der Autor des Exposés beendete wegen der fehlenden Unterstützung seiner Tätigkeit durch den EKV die Mitarbeit im EKV-Präsidium und setzte die Arbeiten zum Thema Frühe Köhlerei in freier Forschungstätigkeit  fort. Die bisherigen Arbeitsergebnisse sind in der nachstehenden Tabelle aufgelistet.

   
Vorliegende Forschungsergebnisse
1 Die Köhlerei in der Geschichtsschreibung. Die unzulängliche Berücksichtigung der Köhlerei in der Geschichtsschreibung der Technik . Material des 2005 im österreichischen Rohr im Gebirge gehaltenen Vortrages. - Freie Schriftenreihe des EKV, Heft 10, April 2006.
Im gleichen Heft wurde auf Entscheidung des EKV-Präsidenten auch das Expose vom Nopvember 2005 publiziert.
2 Holzkohle und Kohlenbrennen in ur- und frühgeschichtlicher Zeit.- In: Beiträge zur Bedeutung von Waldwirtschaft, Flößerei und Köhlerei für das Montanwesen.  - Freiberger Forschungsforum 59. Berg- und Hüttenmännischer Tag im Mai 2008 (Agricola Kolloquium), Freiberg 2008, S. 5-28. 
Der Autor dankt an dieser Stelle dem EKV-Präsidenten Heinz Sprengel für seine organisatorische Unterstützung des Kolloquiumsvortrages. 
3 Holzkohle in der Erd-, Ur- und Frühgeschichte. Einblicke in die natürliche Entstehung von Holzkohle, die Anfänge der Holzkohlenerzeugung durch den Menschen und die Bedeutung der Holzkohle als Hauptenergieträger der frühen Montanindustrie. -  Eigenverlag, April 2009, 23 Seiten A5.
4 Wissensspeicher Frühe Köhlerei. Sachverhaltsinformationen und Sachregister. - Eigenverlag, April 2009, 75 Seiten im Format A4. 
. Für die drucktechnische Unterstützung bei Herausgabe der Publikationen (3) und (4) dankt der Autor dem Leiter des Medienzentrums der Bergakademie Freiberg.
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Köhlerei in der Geschichtsschreibung
( Vortragsmaterial 2005 )
Übersicht der Beiträge zur Köhlerei
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