Kupfergewinnung im Wadi Araba
Timna
Der nachfolgende Text stützt sich auf die von Beno Rothenberg 1973 erfolgte deutschsprachige Publikation seines Buches "Timna - das Tal der Kupferminen". /1/ B.Rothenberg war Leiter einer von ihm 1959 ins Leben gerufenen Grabungskampagne zur Erforschung des Wadi Araba von der Kupfersteinzeit bis zur beginnenen Eisenzeit.

/1/ Beno Rothenberg: Timna - Das Tal der biblischen Kupferminen. - Bergisch Gladbach, Gustav Lübbe Verlag 1973, 279 Seiten. Englische Ausgabe 1972, Verlag Thomas & Hudson, London.

Seit sechs Jahrtausenden zog es Menschen immer wieder zu den mächtigen Sandsteinfelsen im Süden des Wadi Araba. Ziel waren insbesondere die aus dem Grund des Wadis aufragenden Felsengruppen von Timna, welche das Araba-Tal nach Westen gegen die Wüsten des Negev und der Halbinsel Sinai abschirrmen. Grund für dieses nie aufhörende Interesse waren die Kupfererzvorkommen, die im Laufe der Zeiten Ägypter, Römer, Araber und deren Nachfolger anlockten, die Erzlager auszubeuten. Bereits mehr als 3000 Jahre v.u.Z. schmolzen Bewohner Nordarabiens Kupfererz in primitiven Schmelzgruben. Zwischen dem 14. und dem 12. Jh. v.u.Z. sandten Pharaonen der Ramessiden-Dynastie wiederholt militärische Expeditionen und Scharen von Arbeitskräften in das Timna-Revier, um Kupfererz abzubauen. Die Anwesenheit von ägyptischen Truppen ist durch Felszeichnungen, welche Jagd- und Kampfszenen mit Streitwagen und vermutlich ägyptischen Bogenschützen zeigen, dokumentiert. Schmelzöfen, in denen das Erz verhüttet wurde, verfügten über Blasebälge und tönerne Düsen mit Schutzkappen, welche die Blasrohre gegen die Ofenhitze abschirmten.

Ende des 12. Jahrhunderts lösten von der arabischen Halbinsel kommende Midianiter die Ägypter ab und übernahmen die Oberherrschaft in Timna. Im Gegensatz zur Überlieferung, welche den Abbau und das Verarbeiten von Kupfererz mit dem biblischen König Salomo in Verbindung bringt, liefert die Archäologie hierzu keine Belege. 

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v.u.Z. setzten römische Fachleute die Kupferhütten von Timna erneut in Betrieb, nachdem römische Truppen das Araba-Gebiet besetzt hatten. Anstelle des früheren Tagebaus wurden jetzt mit eisernen Meißeln Schächte direkt in diejenigen Felshänge getrieben, wo besonders ertragreiche Kupfervorkommen existierten. Das gewonnene Kupfererz wurde vor Ort nur grob aufbereitet. Zur Verhüttung wurde das Erz in einem Fabrikationszentrum konzentriert, das sich weiter im Süden an der Römerstraße zwischen Palästina und dem Aqaba-Golf befand, wo es Wasser und auch Holz gab. Die jetzt verwendeten Schmelzöfen ähnelten jenen der ägyptischen Periode. Öfen dieses Typs und dieser Bauart blieben neben Tiegelöfen römischen Typs unverändert bis zum Mittelalter im Gebrauch.. 

(Einleitungstext von Sir Mortimer Wheeler, Herausgeber des Buches Timna, S. 7-9)

 


Das Timna-Tal   S.19-25

Das Timna-Tal  (früher Wadi Mene'ije) liegt 20-30 km nördlich des Golfs von Eilat-Aqaba. Es bildet eine weite halbrunde Erosionsmulde von 70 km². An seiner Ostseite öffnet es sich nach dem Wadi Araba hin, im Norden, Westen und Süden schließen es steile, 500 bis 700 m hohe Dolomit- und Kalkfelsen ab, die über Lagern von nubischem Buntsandstein aufragen. Inmitten des Timna-Tales erhebt sich der Timna-Berg (Har Timnal)zu einer Höhe von 453 m. Er besteht hauptsächlich aus präkambrischen Graniten in intensiven Rot-, Braun- und Schwarztönen. Rings um den Timna-Berg gruppieren sich in weitem Halbkreis paläozoische (zum Teil klotzartige) Sandsteinhügel unterschiedlicher Höhe (in rötlichen Farben) und in den seltsamsten Formen. Prägnantes Beispiel: Der "Pfeiler König Salomos".

In dem Maße, wie sich der Boden des nahen Wadi Araba senkte, erfuhr vom Neozän bis zur Gegenwart der Grund des Timna-Tals mehrere stufenartige Eintiefungen. Zwischen dem Timna-Berg und seinen Randklippen finden sich als hohe, flache Alluvialterassen.ausgedehnte Rückstände früheren Bodens bis hin zum alten Bodenniveau. Etliche dieser Terassen dienten als Plattformen für antike Bergwerke, die noch heute an ihrem ursprünglichen Platz zu finden sind.

In den Schichten des mittleren weißen Sandsteinhorizonts fanden sich zahlreiche blaue und graue Nieren und Knollen von Azurit, Malachit und Kupferglanz mit einem Kupfergehalt bis zu 37 Prozent. 

Im Umkreis des Timna-Tals gibt es weitere, der Morphologie des Timna-Tals analoge Felsformationen, wo sich in den mittleren weißen Sandsteinhorizonten reiche, bereits im Altertum ausgebeutete Kupfererzvorkommen befanden. Das betrifft das Gebiet Nahal Amram (früher Wadi Amrani) mit entsprechenden Erzvorkommen in den weißen Sandsteinhorizonten  Gleichartige Kupfererzlager gab es südlich von Beer Ora (früher Bir Hindis) und im Nahal Jehosaphat südwestlich von Elat. In Timna wurden 1935 sieben Schmelzplätze mit Schlackenhaufen gefunden. 1959 wurden im Felskessel von Timna ausgedehnte Kupfervorkommrn entdeckt und Beweise dafür gefunden, daß hier im Altertum Bergbau großen Stils betrieben wurde.Es gab teilweise regelrechten Untertagebau mit waagerechten Stollen und relativ tiefen Schächten.Gefundene Geräte aus Feuerstein sowie grobe Keramik deuteten auf prähistorische (urgeschichtliche) Herstellungsdaten hin. Es kristallisierte sich allmählich heraus, daß in Timna schon seit dem Chalkolithikum (Kupfersteinzeit) und nicht erst seit "König Salomos Zeiten" (der in der Forschung ursprünglich allgemein akzeptierte Zeitansatz lag zwischen dem 10. und 6. Jh. v.u.Z.) Kupfer von hoher Qualität hergestellt wurde. 

Die Grabungen in Timna sowie im Araba-Gebiet und die Forschungen auf dem Sinai ergänzen sich gegenseitig.
 

Die Anfänge der Metallgewinnung im Wadi Araba

Der älteste Beweis für Kupferabbau in Timna während des Chalkolithikums findet sich am südlichen Ende des Timna-Tals, wo im zu Tage tretenden weißen Sandstein beträchtliche Mengen von nierenförmigem Kupfererz enthalten sind. (Tafel 2). Die Kupfererznieren häuften sich in nicht sehr tief vorgetriebenen Schächten eines Erztagebaus. (Tafel 16). Bei den Überresten eines Schmelzofens wurden Schlacken, Holzkohlenreste, Feuersteinwerkzeuge und etwas Keramik in situ vorgefunden.(das heißt so, wie sie seinerzeit liegen gelassen wurden). (S.54)

Timna war auch im Chalkolithikum kein metallurgisches Eiland.Auf dem untersuchten Gelände wurden 38 chalkolithische Wohnplätze nachgewiesen. Im Laufe des 4. Jahrtausend vu.Z.drangen mehrere Wellen halbnomadischer Hirtenstämme in den Südwesten der Araba ein. Diese Stämme bildeten die älteste ständige Bevölkerung des Negev und der angrenzenden Sinai-Halbinsel. (S.55)
Das chalkolithische Besiedlungsmuster in der Araba und auf Sinai ist das von viehzüchtenden Halbnomaden, die nicht nur über weitgehende Kenntnisse auf dem Gebiet der Kupferverarbeitung verfügten, sondern auch Keramik und Steinwerkzeuge herstellten sowie in bescheidenem Umfang auch Landwirtschaft betrieben, sobald dafür günsige Bodenverhältnisse vorlagen. Die meisten der in der Araba gefundenen chalkolithischen Wohnplätze bestanden aus kleinen Gruppen steinerner Einfriedungen von 3 bis 12 m Durchmesser. Hier und da schlossen sich anscheinend mehrere Familiengruppen zu größeren Lagern zusammen. Fast alle dieser Wohnplätze hatten mit dem Kupferbergbau und der Kupferverhüttung zu tun. Es war faktisch ein in sich geschlossenes "Kupfer-Industriegebiet". (S.56)

Kupferminen der Ramessidenzeit in Timna

Die lohnendsten Kupfererzvorkommen im Timna-Tal befanden sich im mittleren weißen Horizont des aus dem Karbon stammenden nubischen Sandsteins. Längs der 10 km langen weißen 'Sandsteinformation waren seit dem Ende der Bronzezeit bis weit hinein in die Phase I der Eisenzeit , d.h. vom 14. bis 12. Jahrhundert  v.u.Z., acht Zentren des Erzabbaus in Betrieb. Grabungen erbrachten den Nachweis, daß es sich um ein Unternehmen der Pharaonendynastie der Ramessiden handelte. Das Erz wurde im Tagebau gewonnen. Nur wenn besonders reiche Konzentrationen von Kupfererzknollen entdeckt wurden, ging man mit Werkzeugen aus Feuerstein, Granit und Gabbro etwas in die Felswände hinein. An der bergmännischen Arbeit waren auch ortsansässige Midianiter und Amalekiter beteiligt. Um in der extrem trockenen Landschaft das für die Menschen lebensnotwendige Wasser zu bekommen, wurden auf de Abbauplätzen der Ramessidenzeit Zisternen für das Speichern von Regenwasser angelegt. Diese in das Bett des Wadis  oder in die Tagebausohle mit Metallwerkzeugen gegrabenen Wasserreservoirs hatten einen  Durchmesser von 70 bis 90 cm und waren bis zu 17 m tief. Im Timnatal wurde etwa 200 solche Zisternen gefunden. (S.67) 
Im Gebiet von Timna gab es in der Ramessidenzeit zehn Kupferverhüttungsplätze, verteilt auf den Gesamtzeitraum der Ramses-Dynastie.. (S.67) An verschiedenen Stellen wurde Holzkohle gefunden, darunter Schlacken- und Holzkohlenkonzentrationen am Ostrand des Timna-Tales. (S.68 und 71). Auf einem Hang in der Nähe des Hauptschmelzplatzes wurden drei mächtige Schlackenhaufen vorgefunden. Die Schlacke war vermischt mit Resten der Lehmauskleidung von Schmelzöfen, verstreuten Erzstücken, Teilen von tönernen Gebläsedüsen und mit Holzkohle. (S.72)
Die Erzverhüttung erfolgte in kleinen, zum Teil in den Erdboden eingetieften und teilweise aus Steinen aufgeführten Schachtöfen. (S.72), Meist wurde für den Ofenbau das besonders feuerfeste Sedimentgestein Dolomit verwendet. Ein aufgefundener vollständiger Ofeninhalt eines offenbar nicht zu Ende geführten Schmelzvorganges enthielt Schlacke, reduziertes Erz, verbrannte (?) und unverbrannte Holzkohle sowie viele kleinen Kupfertropfen. (S.73) Das alles deutet darauf hin, daß in den Öfen von Timna nicht nur Erz das verhüttet, sondern daraus auch schon weiter verarbeitungsfähiges metallisches Kupfer produziert wurde. (S.73)

Aus ramessidischer Zeit stammende Holzkohle wurde im Kupferminenrevier Timna an vielen Stellen gefunden. Dazu gehören u.a. zwei mit Holzkohle gefüllte Vertiefungen vor einem Schmelzofen; (S.83/84);
eine ovale Bodenfläche mit den Ausmaßen 3,5 x 2,5 m, unter der sich eine kompakte 30 cm starke Holzkohlenschicht befand. Unter dieser Schicht lag sehr viel unverkohltes Holz, *  zumeist Äste von Akazien, wie sie noch heute in der Araba wachsen. Offenbar handelt es sich um den Standplatz eines ehemaligen Kohlenmeilers, bei dem die Holzverschwelung vorzeitig abgebrochen und die noch schwelende Fläche mit einem Gemisch von Erdreich und Kohlengrus abgedeckt wurde. (vgl. S.84);
ein Tiegelschmelzofen zum Schmelzen von kleinen Stücken metallischen Kupfers für das Anfertigen von geformten Kupfergüssen. 
Die gefundene Anlage war gefüllt mit Holzkohlenstücken, Resten von verbrannter Holzkohle und Krümeln von aufgebrochener Schlacke. (S.84);
an ursprünglichen Schmelzofenplätzen lagernde Massen von Holzasche (?), Holzkohlenstaub, Holzkohlenstücken, Kupferkügelchen, Schlacken und Tiegelbruchstücken. (S.89);
Die aus übereinander liegenden, im Verlauf der Zeit entstandenen Arbeitshorizonte, die in ihrer Gesamtheit die Kulturschicht des Reviers ausmachen, sind mit Asche, Holzkohle, Schlackenpartikeln und Abfällen verschiedenster Art durchsetzt. (S.116).

* vermutlich angekohltes bzw. nicht zuende verkohltes (verschweltes) Holz. EGe.

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Website / 15 Araba
Nördlich des Golfs von Aqaba befindet sich die ehemalige Kupfermine El-mene'ije, deren Erzlagerstätten vermutlich unter dem israelischen König Salomo abgebaut wurden. Die zur Kupfermine gehörende Ervzerhüttungsanlage lag auf dem heutigen Tell elchlefi. /2/ 
Der Auschließlichkeitsanspruch für das Tell el-chlefi (am Nordende des Golfes von Aqaba)   ) als Ort, an welchem sämtliches in Timna abgebaute Kupfererz verhüttet und das gewonnene Kupfer am gleichen Ort für technische Anwendungen raffiniert wurde, ist mit den Grabungen in Timna in Frage gestellt. (Rothenberg S.73) 

Mene'ije (Wadi Mene'ije) ist eine frühere Bezeichnung für Timna (Timna Tal oder Wadi Timna). /4/
/2/ Bardtke 2004, S.220

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1.Kön 7,46
In der Jordanau zwischen Sukkot und Zaretan ließ sie der König in Formen aus festem Lehm gießen.
[Bodenfunde haben gezeigt, dass die hier lebende vorisraelitische Bevölkerung sich auf Metallverarbeitung verstand.
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Alle diese Geräte, die Hiram dem König Salomo für das Haus des Herrn anfertigte, waren aus glatter Bronze. 46 In der Jordanau zwischen Sukkot und Zaretan ließ sie der König in Formen aus festem Lehm gießen. 47 Und Salomo gab allen Geräten ihren Platz. 
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Sukkot als Ortsname In der hebräischen Bibel taucht Sukkot verschiedentlich auch als Ortsname auf. So wird die erste Ortschaft, die die Israeliten beim Auszug aus Ägypten erreichen, als Sukkot bezeichnet.[11] Sie lag, so wird vermutet, im Nildelta. Ein anderer, Sukkot genannter Ort befand sich in der Nähe des Jordans, im Gebiet des Stammes Gad.[12] Der Name des Ortes soll darauf zurückgehen, dass Jakob nach seinem Kampf mit dem Engel an dieser Stelle für sich und sein Vieh Hütten erbaut hatte.[13] Die Ortschaft wird auch im Buch der Richter und als Ort einer königlichen Metallgießerei erwähnt.[14] Er wird mit Tell Deir Alla, einem kahlen Siedlungshügel in der Ebene nördlich des Jabbok-Flusses östlich des Jordans im heutigen Jordanien, identifiziert, die Zuweisung ist jedoch umstritten.[15]
Jos 3,16
da blieben die Fluten des Jordan stehen. Das von oben herabkommende Wasser stand wie ein Wall in weiter Entfernung, bei der Stadt Adam, die in der Nähe von Zaretan liegt. Die zum Meer der Araba, zum Salzmeer, hinabfließenden Fluten dagegen liefen vollständig ab und das Volk zog Jericho gegenüber durch den Jordan.
[Die Stadt Adam sucht man in der Nähe der Einmündung des Jabbok in den Jordan. Das «Meer der Araba» ist das Tote Meer.
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