~~~~~

Kleinasien / Anatolien
in der Bronzezeit

 
Exzerpt aus: Vor 12.000 Jahren in Anatolien: Die ältesten Monumente der Menschheit. - Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.), 2007. - 392 Seiten Kurznamen
Monument
Exzerpitor: Dr. phil. Eberhardt Gering, Wildau 12/2013  
Weitere Quellen:
Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. 4. Auflage, Leipzig 1929
Eberhardt Gering: Holzkohle in der Erd-, Ur- und Frühgeschichte.- Berlin, 2009

Neuburger
EGering.
----------------------------------------


Verwendetes Kartenmaterial
Geographische Karte des gesamten Kleinasien  ( Monument, S. 18-19)
Wichtige Obsidianvorkommen in Anatolien (Monument, S.209)
Verbreitung akeramischer Fundplätze in der Türkei und in Nordsyrien / 9.000 - 7.000 v.u.Z. ( Monument, S.218)
Verbreitung der frühen Plätze mit Gefäßkeramik in der Türkei und in Nordsyrien / 7.000 - 6.200 v.u.Z. ( Monument, S.219)
----------------------------------------


Glossar
Gegenstand Erläuterung  (vgl. Monument, S.375 -377)
Artefakt Vom Menschen geschaffener Gegenstand; in prähistorischer Zeit von Menschen bearbeitetes Material.
Epipaläolithikum Übergang von der Altsteinzeit zur Jungsteinzeit ca. 12.000 bis 9.000 v.u.Z.
Fruchtbarer Halbmond Halbmondförmige Region, die von Palästina, Jordanien über Syrien, die Südosttürkei und den Irak bis zum Iran reicht. In dem niederschlagsreichen Winterregengebiet ist Landwirtschaft ohne Bewässerung möglich. Die hügelige Vorgebirgszone der vom Zagrosgebirge über das Taurusgebirge bis zum Libanon reichenden Bergzone gilt als Ursprungsland von Ackerbau und Viehzucht.
Kilikien Antike Landschaft im Südosten Kleinasiens, entspricht in etwa den heutigen türkischen Provinzen Adana und Mersin.
Levante Küstenzone und Hinterland der heutigen Staaten Syrien, Jordanien, Libanon und Israel.
Natufien Kulturstufe zwischen 12.500 und 10.000 v.u.Z. im Bereich der Levante. Nach einem Fundort im Wadi an-Natuf im Westjordanland benannt.
Pyrotechnologie Technologie des Feuers. Dazu gehören die Metallurgie, das Herstellen von im Feuer gehärteten Artefakten, das Kalkbrennen, die Keramikherstellung. (Monument S.376)
Anmerkung: Das Herstellen von Holzkohle im Kohlenmeiler bleibt hier unerwähnt.
--------------------------------------


Entwicklungsstufen früher Keramikherstellung (vgl. Monument S. 27 und 376)
     
PPN Pre-Pottery Neolithic  / Vorkeramische Jungsteinzeit / 9.500 - 7.000 v.u.Z.  PPN A und PPN B umfassen in zwei Stufen den den fast drei Jahrtausende währenden Entwicklungsprozeß der Neolithisierung 
vor der Einführung der Töpferei.
PPN A Pre-Pottery Neolithic A / 9.500 - 8.800 v.u.Z  
PPN B Pre-Pottery Neolithic B  / 8.800 - 7.000 v.u.Z.  
     
PPN C Beinhaltet den Übergang zum Keramischen Neolithikum  / 7.500 - 6.500 v.u.Z.).  Noch nicht in allen Regionen des Fruchtbaren Halbmonds definiert.
----------------------------------------


Ursprünge der Keramikherstellung
Objekt  Sachverhalt Quelle
Holzkohle
und Keramik 
Die ersten Schritte zu einer Keramiktechnologie erfolgten lange vor der Domestikation von Pflanzen und Tieren sowie ohne territoriale Beschränkungen . Es waren vor allem bewegliche Gruppen von Jägern, Sammlern und Fischern, die mit dem Brennen von einfachen Tonmodellen auf ihren wechselnden Lagerplätzen Erfahrungen sammelten. 
Man konnte dabei einen der wesentlichsten Vorteile von Holzkohle nutzen, der darin bestand, noch glimmende Holzkohle über lange Strecken ohne großen Kraftaufwand  weiter zu transportieren und mit ihr am nächsten Rastplatz mit dort vorhandenem Holz ohne große Mühen wieder ein größeres Feuer entfachen zu können, welches auch das Brennen von vorgeformten Tongegenständen ermöglichte (siehe E.Gering: Holzkohle in der Erd--, Ur- und Frühgeschichte. - 2009, Seite 3).
Monument
S. 220

EGering
S.3 

Ostasien Neuere Forschungen über die Anfänge der Keramik verweisen gegenüber dem Vorderen Orient auf noch viel frühere Entstehungszeiträme. Ostasiatische Gruppen von Jägern, Sammlern und Fischern  haben Keramikscherben hinterlassen, die bis zu 15.000 Jahre v.u.Z. entstanden. Belegt ist für diese Scherben, daß sie bereits 10.000 Jahre v.u.Z. (im Japan der Prä-Jomon-Zeit), 14.000 Jahre v.u.Z. (in Sibirien) sowie zwischen 14.000 und 15.000  Jahren v.u.Z. (in Nord- und Südchina) entstanden sind. Dicke Rußablagerungen auf den Keramikscherben zeigen, daß die Ton- bzw. Keramikgefäße, von denen die Scherben stammen, zum Kochen verwendet wurden, Monument
S.220
Frühe Keramik in Anatolien
Objekt Sachverhalt Quelle
Landwirtschaft Über tausend Jahre früher als die Töpferei begann in Anatolien und Nordsyrien bereits die Landwirtschaft. Das besagt, daß Landwirtschaft und Töpferei nicht wie früher angenommen unauflöslich zusammengehören. Monument
S.227
Keramik und 
Holzkohle
Beim Entstehen des einfachen Töpferhandwerks  und dem Herausbilden von Technologien der Keramikherstellung konnten die technischen Erfahrungen genutzt werden, die im Verlauf  von rund tausend Jahren im landwirtschaftlichen Bereich mit dem Erzeugen und Anwenden von Holzkohle als Brennstoff gesammelt wurden. 
Dem Herstellen von Keramik­Brennöfen gingen somit in der vorkeramischen Epoche schon Entwicklungen verbesserter Kohlenmeilertechnologien voraus, die auf effektiv funktionierenden holzkohlengefeuerten Brennöfen für landwirtschaftliche Produktionsprozesse (insbesondere Kalkbrennerei ) beruhten. So entstanden bereits in der vorkeramischen Epoche nicht nur die technischen Grundlagen für das Herstellen von Keramik, sondern weiter vorausgreifend auch für den späteren Übergang zu den Prozessen des Verhüttens metallischer Erze und des Weiterverbeitens der durch Erzverhüttung gewonnenen Metalle.
EGering
Zentren der 
Keramik-
Entstehung
Gefäßkeramik wurde in Anatolien  vermutlich in drei oder vier Zonen getrennt entwickelt: Zu diesen Zonen gehören Zentralanatolien, Südwest-Anatolien, Südost-Anatolien inklusive das Euphratgebietes in Nordsyrien sowie Syro-Kilikien, welches ebenfalls im südöstlichen Anatolien liegt. Die   ›Syro-Kilikische Ware‹ ist eine der mittleren Bronzezeit zuzuordnende Keramik im nordsyrischen Stil (vgl. Wikipedia, Sirkeli Höyük, 21.August 2013). Monument
S.228
Zentralanatolien Die früheste Keramik wurde bei noch niedriger Temperatur in Catal Höyük gebrannt. Die Keramik war grob gearbeitet, uneben, dickwandig (13 - 15 mm), von schlichter Form,  mit viel Häcksel gemagert und mit Knochen- oder Steingeräten leicht geglättet.
Mit fortgeschrittener Technologie wurden in Catal Höyük um 6.600 v.u.Z. deutlich verbesserte Gefäße erzeugt. (Die Quelle "Monument" zeigt auf S.222 das Bild eines Kochtopfes mit dreibeinigem Fußgestell ).
Monument
S.220, 222
Südwestanatolien In dieser Seenregion wurde von etwa 6.700 bis 6.600 v.u.Z. ein andersartiges Keramikinventar hergestellt. Die älteste Gerätegruppe dieses Gebietes stammt aus Bademagaci und ist technologisch bereits hochentwickelt. Sie ist dünnwandig, gur geglättet und mit grobem Sand gemagert (ohne Anzeichen eines Experimentierstadiums). Das Formeninventar ist schlicht, besteht aus konvexen tiefen Schalen  bzw.Töpfen mit eingezogenem Rand und flachem Boden ohne Henkel. Monument
S.223
Nordwest-
anatolien
Die ältesten Kermikfundorte in dieser Region datieren um 6.400 v.u.Z.. Die Brenntemperatur betrug maximal 750 °C, da sich das zur Abmagerung der Keramikmasse verwendete Kalzit (Kalziumkarbonat) bei höheren Temperaturen zersetzt, wodurch das Gefäß nach dem Brennen zerfällt Monument
S.224
Verfahren der 
Magerung
Es ist zwischen häckselgemagerter Keramik (ursprüngliches Verfahren) und mineralischer Magerung des Rohmaterials zu unterscheiden. Bei mineralischer Magerung  läßt sich Keramik von guter Qualität und mit geglätteten Oberflächen erzeugen.  Monument
S.227
Keramik als 
Kunstobjekt
Etwa zwischen 6.100 und 6.000 v.u.Z. begann in Anatolien ein neues Zeitalter der Keramik  Sie diente von nun an dem Vermitteln von regionalen und lokalen Identitäten. Keramik wurde zur Schau gestellt und als Kunst für den Hausgebrauch geschaffen. Monument
S.229

--------------------------------------


Bäume und Wälder
Objekt Sachverhalt Quelle
Baumbewuchs Steppenwaldlandschaft im heutigen Syrien (am Jebel Abdul Aziz): Pistazien-Mandel-Steppenwald mit zwei Pistazienarten (Pistacia atlantica und Pistacia khinjuk), einigen Mandelarten (Amygdalus orientalis u.a.)und einigen Weißdornarten (Crataegus azarolus u.a.). Diese Kombination ist typisch für Trockenwälder am Übergang zur Steppe.  Die Vorgebirgszone im Südosten des Landes ist geprägt von offenem Waldland aus immergrünen Eichen, Terebinthen (kleine Baumart aus der Gattung Pistacia) und wilden Mandelbäumen Monument
S.38-39
-------------------------------------
Beginn der Kupferverhüttung in Anatolien
Objekt Sachverhalt Quelle
Kupferverhüttung Hypothetischer Beginn der Geschichte der Kupferverhüttung in Zentralanatolien ist gegen Ende des  8. Jahrtausends. Die Hyothese stützt sich auf die Analyse entsprechender Kupferschlacken. Da schlackenähnliche Mineralzusammensetzungen und Strukturen auch in Verwitterungszonen von Erzlagerstätten auftreten können, ist die Hypothese umstritten  (Pernicka 1995). Gesicherte Belege für die Verhüttung von Kupfererzen gibt es erst aus der Zeit um 5000 v.u.Z.. Monument
S.217
  Der Schmelzpunkt von gediegenem Kupfer liegt bei 1083 °C. Für das Verhütten von Kupfererz können schon weniger als 1000 °C ausreichend sein. Monument
S.216
------------------------------------


Bedeutung der Pyrotechnologie und der Holzkohle
Objekt Sachverhalt Quelle
Pyrotechnologie Zu den Voraussetzungen für das Erzeugen echter Keramik gehörten neben dem Konzept einer Behälterform und dem Beherrschen der Formgebung des Tones auch eine entwickelte Pyrotechnologie (siehe das obige Glossar), die in Anatolien und Nordsyrien erst um 7.000 v.u.Z. entstand. Mittels dieser Technologie wurde es möglich, gebrannten Kalk zu erzeugen, der für das Verputzen von Böden und Wänden der herzustellenden Gefässe benötigt wurde. Um das zu erreichen, mußten über mehrere Stunden hinweg Temperaturen von 750 bis 850 °C gewährleistet werden. Temperaturen dieser Höhe setzten in der Regel voraus, daß als Heizmaterial die Holzkohle  zum Einsatz kam Monument
S.219
Holzkohle Im Abschnitt “Früheste Metallurgie in Anatolien” (S.214-217) gibt es allerdings keinen Hinweis auf Holzkohle. Auch über die früheste Eisenverhüttung, welche ohne Holzkohle nicht möglich war, werden in diesem Kapitel keine Aussagen gemacht.  vgl.
Monument
S. 214-217.
-----------------------------
Gefährdung durch Rauch
Objkt Sachverhalt Quelle
Lungenkrankheit Bei Ausgrabungen in Catal Höyük wurden aus der Jungsteinzeit stammende Überreste menschlicher Skelette gefunden, auf deren Rippen sich sichtbare Rußpatikel befanden. Der Ruß hatte sich durch längeres Einatmen von Rauch, der von Feuerstellen aufstieg, in den Lungen angesammelt.und später nach der Verwesung auf den Innenflächen der Rippen abgelagert. (siehe ein Foto auf Seite 244). Entsprechende Konzentrationen von Kohlenstoffrückständen weisen auf Anthracosis hin, eine Lungenkrankheit, die bei längerem Aufenthalt in geschlossenen Räumen durch Inhalation von Rauch entsteht. (S.244). Monument
S.244
Kohlenstaublunge Anthracosis oder Anthrakose (Kohlenstaublunge) dürfte auch eine Berufskrankheit der Köhler sein. Wenn sich das bestätigt, wären die entdeckten verrußen Rippen nicht nur eine mögliche Folge des Wohnens in Räumen mit ständig aufsteigendem Rauch von Feuerstellen (auf S. 244 gegebene Deutung), sondern auch von jahrelanger Arbeit auf  neolithischen Kohlenmeilerplätzen.  Damit ließen sich die Anfänge der intentionellen Erzeugung  von Holzkohle bis in die Jungsteinzeit zurückführen. Monument S.244

EGering (These)

  Vgl. hierzu Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus): Von der Bergsucht oder Bergkranckheiten drey Bücher. - Hrsg. 1567.
Im Buch 2 berichtet Bombastus vom Hüttenrauch, der sich in den Lungenflügeln absetzt und auch Nieren und Magen schädigt. 
[Werner Lauterbach: Bombastus von Hohenheim unterwegs im sächsisch-böhmischen Erzgebirge. - Sonderdruck Förderverein Montanregion Erzgebirge, S.12 ] 
Von den schädlichen Abgasen beim Erzeugen (Verschwelen) von Holzkohle schreiben weder Bombastus noch Lauterbach..
zu Momument
S.244

. .---------------------------

     Navigation
Anfang der Datei
Themenliste Teil II der Studie