Über die Bronzezeit im Vorderen Orient unter den Aspekten der Metallgewinnung, der Waffentechnik und der Energiebasis Holzkohle. Eine Studie

Übersicht der Hauptteile und Kapitel der Studie ===>
Gutachten zur Studie ===>


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 Prolog
 Zur Entwicklung menschlicher Gesellschaften in ur- und frühgeschichtlicher Zeit

 
Themen
(1) Zeitabschnitte der Ur- und Frühgeschichte
(2) Über die Zeiträume der Entwicklung urgeschichtlicher Gesellschaften
(3) Beschleunigende und bremsende Einwirkungen auf die Entwicklung ur- und frühgeschichtlicher Gesellschaften
(4) Zur Langsamentwicklung menschlicher Gesellschaften im urgeschichtlichen Zeitraum
(5) Thesen zur Beurteilung des Entwicklungstempos einer Gesellschaft in ur- und frühgeschichtlicher Zeit
(6) Kapitelverzeichnis zu Teil I der Studie
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(1)  Zeitabschnitte der Ur- und Frühgeschichte
Die menschliche Gesellschaft als Ganzes hat sich im Verlauf  vieler Millionen Jahre herausgebildet. Die Entwicklung dieser Ganzheit, die in voneinander getrennten Gruppen und auf unterschiedlichen Territorien stattfand, wurde im Ablauf der Urgeschichte vom ständigen Streben der frühen Menschen nach Sicherung und Verbesserung ihrer Existenzbedingungen geprägt.
Die Entwicklungsprozesse der verschiedenen Menschengruppen vollzogen sich in diskontinuierlichen Abfolgen von Zeitabschnitten des Voranschreitens, der Stagnation und des  Rückschritts auf den vielfältigen, ineinander verflochtenen und langwierigen Wegen, die beim unablässigen Suchen nach bedürfnisgerechten Lebensumständen eingeschlagen wurden.
Tabelle der Zeitabschnitte  ==>


 
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(2)  Über die Zeiträume der Entwicklung urgeschichtlicher Gesellschaften

Die durchlaufenen Zeitabschnitte waren in den ersten Phasen der Menschheitsentwicklung von anscheinend endloser, für Menschen der Gegenwart kaum vorstellbarer Dauer. Ein ungefähres Bild von den riesigen Zeiträumen vermittelt die obenstehende tabellarische Darstellung der geschichtlichen Abläufe von der Steinzeit über die Kupfer- und Bronzezeit bis zur Eisenzeit. Dieser mit der Altsteinzeit beginnende und sich über mehr als zweieinhalb Millionen Jahre hinstreckende Zeitraum bildet in seiner Gesamtheit die letzte Etappe des noch viel größeren zeitlichen Rahmens, in dem sich der allmähliche Entstehungsprozess erster menschlicher Gesellschaften vollzog.

Nachdem die frühen Menschen begonnen hatten, in der Natur vorgefundene Gerölle, Kiesel und andere Steinarten als Werkzeuge zu benutzen, gab es über hunderttausende von Jahren hinweg nur punktuelle Fortschritte beim Herstellen und Anwenden primitiver Steinwerkzeuge.

Der außerordentlich langsame Verlauf der Entwicklung technischer Fertigkeiten der Frühmenschen wird an der Dauer der Altsteinzeit (dem Paläolithikum), welche die Geschichtsschreibung mit ca. 2,4 Mio. Jahren angibt, besonders deutlich. Legt man der damaligen durchschnittlichen Lebensdauer einer Generation von Menschen etwa 30 bis 25 Jahre zugrunde, dann lebten in der Periode der Altsteinzeit in Folge ca. 80.000 - 96.000 Generationen. Zum Vergleich: Den rund 2000 Jahren seit der Zeitenwende entsprechen bei gleicher Berechnungsweise etwa 70 bis 80 Generationen.
Jedoch kam es auch in den über lange Zeiträume hinweg stagnierenden Perioden altsteinzeitlicher Steinbearbeitung zu qualitativen Sprüngen. Markante Beispiele liefert das in der Übergangszeit vom Alt- zum Mittelpaläolihikum erstmalige Auftreten von klingenartigen Feuerstein-Abschlägen mit oft nur wenige Millimeter großen, fein gearbeiteten Steinspitzen, weshalb dieser Zeitabschnitt als Mikrolithikum bezeichnet wird. 

Die größten Fortschritte wurden dort erzielt, wo es den frühen Menschen gelang, sich das Feuer für Produktionszwecke dienstbar zu machen. Das Beherrschen des Feuers steht sowohl mit der Steinbearbeitung als auch mit der von Menschenhand vorgenommenen Erzeugung von Holzkohle im engen Zusammenhang.

In der an die Altsteinzeit anschließenden Mittelsteinzeit (Mesolithikum) sowie in den ersten Phasen der Jungsteinzeit (Neolithikum) kamen in den menschlichen Gesellschaften wieder viele Jahrtausende meist gleichartige oder leicht verbesserte, in ihen Wirkprinzipien jedoch nicht wesentlich veränderte Werkzeuge zum Einsatz.
Erst als die sich verändernden äußeren Lebensbedingungen und Umweltveränderungen mit Nachdruck den Übergang von dem mit häufigen Ortswechseln verbundenen Jagen und Sammeln zu ortsfesten Tätigkeiten des Ackerbaus und der Viehzucht erzwangen, wurden auf der Basis von Steinmaterial leistungsfähigere Produktionsinstrumente geschaffen, die vor allem bei der Bodenbearbeitung und beim Ernten der Bodenfrüchte ein Beschleunigen der Arbeitsprozesse und damit schnellere soziale Entwicklungen größerer Menschengruppen bewirkten.

Zu einer deutlichen Beschleunigung bei der Entwicklung großer gesellschaftlicher Gruppen kam es in der letzten Phase der Jungsteinzeit, als einfache Gegenstände erstmals aus Metall angefertigt wurden. Dieses Metall war das Kupfer. Wegen ihres Übergangscharakters vom letzten Abschnitt der Steinzeit zum Zeitabschnitt der Kupferanwendung, als die Werkstoffe Stein und Kupfer nebeneinander zur Anwendung kamen, wird diese nur regional auftretende Phase der Menschheitsgeschichte als Kupfersteinzeit bezeichnet (dtsch. auch nur Kupferzeit, griech. Chalkolithikum, lat. Äneolithikum). Zusammen mit der Herausbildung der Landwirtschaft war das Verwenden von Kupfer als Werkstoff der Kernpunkt der Neolithischen Revolution, dem bis dahin weitreichendsten revolutionären Sprung in der Entwicklung der Menschheit.

Die im Chalkolithikum für das Verhütten der Kupfererze erforderlichen Temperaturen von über 1000 °C  und der Energieverbrauch für das anschließende Warmschmieden des Verhüttungsprodukts Kupfer führten zu einem rasch ansteigendem Verbrauch von Holzkohle, die damit in der Energiebasis für die jungen metallurgischen Produktionsstätten von erstrangiger Bedeutung wurde. Diesen Primärstatus unter den industriellen Brennstoffen behielt die Holzkohle bis ins 19. Jahrhundert u.Z. 
Es stellt sich die Frage, warum die hier nur angedeuteten, der Neolithischen Revolution vorausgehenden und extrem langen  Geschichtsetappen von den frühen Menschen nicht schneller durchlaufen werden konnten, da doch infolge der relativ raschen biologischen Entwicklung des Menschen aus heutiger Sicht ein höheres Tempo der gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse möglich gewesen sein müsste. Mit dieser Frage verbindet sich die Überlegung, welches soziale, kulturelle und technische Niveau die Menschheit der Gegenwart erreicht haben könnte, wenn es in der urgeschichtlichen Zeit neben Perioden beschleunigter Entwicklung nicht die vielen endlosen Perioden der Stagnation und des Rückschritts gegeben hätte.
Welche beschleunigenden und bremsenden Einwirkungen auf die Entwicklung menschlicher Gemeinschafen bei Fragestellungen wie den obigen in Betracht gezogen werden müssen, soll in der nachstehenden Tabelle der Einwirkungsfaktoren ansatzweise verdeutlicht werden.



 
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(3)  Beschleunigende und bremsende Einwirkungen auf die Entwicklung ur- und frühgeschichtlicher Gesellschaften
Siehe die Tabelle der Einwirkungsfaktoren
 

Tabelle der Einwirkungsfaktoren ==>



 
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(4)  Zur Langsamentwicklung menschlicher Gesellschaften im urgeschichtlichen Zeitraum

Es ist nicht Gegenstand der vorliegenden Studie, die Fragen der im Abschnitt (3) des Prologs dargelegten beschleunigenden und bremsenden Enwirkungsfaktoren in ihrer ganzen Kompliziertheit und Komplexität zu erörtern. Es muß an dieser Stelle offenbleiben, neben den biologischen auch die sozialen Ursachen und Hintergründe der Langsamentwicklung deutlicher zu machen, als es im Rahmen der obigen Zusammenstellung erfolgen konnte.
Manche werden auf die Frage nach den Gründen des schleppenden Fortgangs der Menschheitsentwicklung, wie er vor allem im Paläolithikum zu verzeichnen ist, mit dem tautologischen Scheinargument antworten, daß die Dinge " eben so gelaufen sind, wie sie ablaufen mussten". Für das wirkliche Begreifen und richtige Einordnen der ur- und frühgeschichtlichen Abläufe in den unterschiedlichen menschlichen Gesellschaften sind solche Abwehrversuche jedoch ein Hemmnis im historischen Erkenntnisprozeß.
 


   
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(5) Thesen zur Beurteilung des Entwicklungstempos einer Gesellschaft in ur- und frühgeschichtlicher Zeit

Das gesellschaftliche Entwicklungstempo ist eine Bezugsgröße. Ob das Entwicklungstempo einer Gesellschaft hoch, mittelmässig oder langsam ist, läßt sich durch Bezugnahme auf andere gesellschaftliche Gruppen, die unter vergleichbaren Bedingungen existieren oder existiert haben, beurteilen. 
Diese Bezugnahme ist an Vergleichsmaßstäbe gebunden. Wichtigster Vergleichsmaßstab ist der Grad der Produktivität, den eine gesellschaftliche Gruppe gegenüber einer anderen Gruppe aufweist. Die Höhe der Produktivität kann am Zeitaufwand gemessen werden, der in der betrachteten Gesellschaft für das Erzeugen lebensnotwendiger Mittel, die bestimmte Qualitätsansprüche erfüllen, erforderlich ist. Ein im Vergleich mit einer anderen Gruppe höherer Zeitaufwand für das Erzeugen des gleichen (oder eines vergleichbaren) Produkts bedeutet niedrigere Produktivität und umgekehrt. 

Durch den Einsatz von verbesserten oder völlig veränderten Arbeitsmitteln kann die Produktivität erhöht werden. Produktivitätssteigerung bedeutet höheres Entwicklungstempos der betrachteten gesellschaftlichen Gruppe gegenüber vergleichbaren anderen Gruppen, solange diese nicht gleichfalls die verbesserten oder veränderten Arbeitsmittel anwenden.

Klassisches Beispiel: Das mehrere Jahrhunderte währende Monopol der kleinasiatischen Hethiter auf das Erzeugen von hochwertigem Eisen führte zu einem im Vergleich zu anderen Völkern höheren Entwicklungstempo der hethitischen Gesellschaft insgesamt.
Der Begriff „gesellschaftliche Entwicklung“ bedeutet eine unter bestimmten Zielsetzungen erfolgende Veränderung von Strukturen und Komponenten der jeweiligen Gesellschaft. Vom Charakter der Zielsetzungen hängt es ab, ob die erfolgende Entwicklung für die betroffene Gesellschaft und ihre gesamte Umgebung förderlich oder zerstörerisch ist. Ein  hohes Entwicklungstempo, welches zum Zweck der Unterjochung oder Vernichtung anderer gesellschaftlicher Gruppen eingeschlagen wird, bedeutet letztendlich das Stattfinden einer zerstörerischen Entwicklung der Gesellschaft des Angreifers.
Innerhalb einer menschlichen Gesellschaft können gleichzeitig förderliche und zerstörerische Entwicklungen ablaufen. Zum Beispiel kennzeichnet ein hohes Entwicklungstempo bei der Erzeugung und Bearbeitung von Kupfer eine für die betreffende Gesellschaft förderliche Entwicklung, wobei sich zut gleichen Zeit eine zur Sicherung der Erzverhüttung ungebremst erfolgende Abholzung ganzer Wälder auf die gesamte Gesellschaft zerstörerisch auswirkt..
Beispiele für die komplexen zerstörerischen Wirkungen von Waldvernichtungen liefern verschiedene afrikanische Gesellschaften des Altertums oder industrielle Entwicklungsprozesse der englischen Gesellschaft im Mittelalter..
EGe., 2011



(6)

Ende von Kapitel 0 (Prolog)

Aufruf des nächsten Kapitels über das nachstehende Kapitelverzeichnis Teil I, Spalte 1


 
Beachten: 
Die Reihenfolge der Kapitel 2 bis 5 in der Studie (siehe das unten stehende Kapitelverzeichnis) entspricht in der technischen Realität dem Ablauf einer metallurgischen Produktionskette mit ihren aufeinander folgenden und sich zugleich ständig wiederholenden Hauptprozessen.   Jeder im Kapitelverzeichnis aufgeführte Hauptprozeß  ist die Voraussetzung dafür, daß der  unmittelbar nachfolgende Hauptprozeß auch wirklich stattfinden kann. Der Prozeß des Erzeugens und Anwendens von Holzkohle besitzt in der Produktionskette die Funktion eines Katalysators, welcher für den Gesamtablauf vom Erzabbau über die Verhüttung bis zur Metallverarbeitung die energetische Basis liefert.

 
Kapitelverzeichnis Teil I
Kapitel Thema bzw. technischer Hauptprozess Kurzbezeichnung
0
Prolog Prolog
1
Anlegen und Beherrschen von ortsfesten Feuern Feuerbeherrschung
2
Holzkohle als Energiebasis für die Metallgewinnung und Metallverarbeitung Holzkohle
3
Suchen, Finden und Abbauen von Erzen Erzabbau
4
Verhütten von Erzen zur Metallgewinnung Verhüttung
5
Bearbeiten und Weiterverarbeiten von Metallen Metallverarbeitung


 
Gutachten 
über Teil I der vorliegenden Studie