Über die Bronzezeit im Vorderen Orient unter den Aspekten der Metallgewinnung, der Waffentechnik und der Energiebasis Holzkohle. Eine Studie

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 Kapitel 1
Anlegen und Beherrschen von ortsfesten Feuern



Themen und Verzeichnisse von Kapitel 1
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(1)
Zur Geschichte des beherrschten Feuers
(2)
Biblischer Bericht über den Feuerofen
(3)
Erstes Auftreten und Verbreiten der Herstellung von Keramik
(4)
Ausmasse von Keramik- bzw. Töpferöfen
(5)
Produktionsprozesse mit grossem Energiebedarf
(6)
Quellenverzeichnis Kapitel 1
(7)
Kapitelverzeichnis Teil I




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( 1 ) Zur Geschichte des beherrschten Feuers
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Das Anlegen und Beherrschen ortsfester Feuer ist die von Menschen an festen Orten (Plätzen) ausgeübte Herrschaft über solche Feuer, die von ihnen für nichtzerstörerische Zwecke angelegt wurden.   Zum Umfang dieses Begriffs von der Herrschaft über Feuer gehören: 
 
das Anzünden eines Feuers (die für Menschen ursprünglich schwierigste Tätigkeit);
das Aufrechterhalten eines Feuers (wenn das Feuer nicht von allein erlöschen soll);
das Eingrenzen eines Feuers (wenn das Feuer eine bestimmte flächenmässige Ausdehnung nicht überschreiten darf);
das Steuern des Feuerablaufs (Beschleunigung oder Bremsung der Feuerintensität, z.B. durch Erhöhung oder Verringerung der Sauerstoffzufuhr);
das vollständige oder teilweise Löschen eines Feuers;
die gezielte Nutzung eines Feuers (vorrangig als Quelle von Wärme und Licht, zum Zubereiten von Nahrung und zur Hitzebehandlung von Steinmaterial). 
EGe 2010

In der Kulturgeschichte gehören Beherrschung, Bewahrung und Erzeugung von Feuer zur Nutzung seiner Wärme und seines Lichts zu den wichtigsten Schritten in der Entstehung menschlicher Kulturen und Zivilisationen.    101 Feuer

Der Beherrschbarkeit eines Feuers sind von der Natur Grenzen gesetzt.  Insbesondere  vermochten die Menschen der Frühzeit es nicht, von ihnen selbst angelegte Feuer wieder zu löschen, wenn sich diese Feuer in großflächige Waldbrände verwandelt hatten. 
Über den Zeitpunkt (Zeitraum) des Beginns der Nutzung des Feuers durch den Menschen gibt es noch keine verläßlichen Angaben. Erste Nachweise von Feuernutzung als Wärmequelle und zur Nahrungszubereitung datieren in die Zeit vor 750.000 Jahren. 

Zur Feueranwendung beim Herstellen von Steinwerkzeugen und -waffen kam es vor mindestens 72.000 Jahren (möglicherweise auch schon vor 164.000 Jahren) an der Südspitze Afrikas, wo viele hoch entwickelte Steinwerkzeuge gefunden wurden. Die damaligen Werkzeughersteller gingen von der Erkenntnis aus, daß vom Feuer verursachtes starkes Erhitzen des Ausgangsgesteins dessen Material- und Bearbeitungseigenschaften erheblich verbessert.  102 Feuergeschichte
 

 
Die oben genannten Altersmessungen erfolgten mittels der „Optisch stimulierten Lumineszenz- Methode“, mit deren Hilfe das Ablagerungsalter von relevanten Sedimentsequenzen und einzelnen Sedimentkörnern bestimmt werden kann.  Die zweite Zeitangabe (164.000 Jahre) stellt eine Vermutung dar. 
Diese neuen Messungen (insbesondere die Zahl von 72.000 Jahren) korrigieren die bisherige Annahme, daß das erstmalige Anwenden von Feuer zur Werkzeugherstellung durch Jäger des ausgehenden Paläolithikums Europas erst vor 25.000 Jahren erfolgte.

Jedoch darf auch die Altersangabe von 72.000 Jahren für erste Feueranwendungen beim Herstellen von Werkzeugen und Waffen aus Stein nicht als endgültig betrachtet werden. Unter dem Aspekt, daß die ersten bekannten Feuernutzungen bereits vor 750.000 Jahren (oder noch früher) stattfanden, muß auch hier die Frage des generellen Entwicklungstempos menschlicher Gesellschaften neu gestellt werden (vgl. den Prolog zu dieser Studie). Es ist kaum anzunehmen, daß nach den ersten gezielten Nutzungen des Feuers wieder die gewaltige Zeitspanne von einer dreiviertel Million Jahre vergehen mußte,  bevor die Menschen der Urgesellschaften begannen, das Feuer auch bei der Werkzeug- und Waffenherstellung anzuwenden. 
Archäologische Belege für einen zu vermutenden viel früheren Zeitpunkt  des Beginns der Feuernutzung für das Herstellen von Steinwerkzeugen stehen allerdings noch aus.  EGe 2010

In enger Wechselbeziehung mit den Anfängen einer Beherrschung des Feuers stand der Beginn des Anwendens von Feuer beim Herstellen keramischer Gegenstände durch einfache Töpferei und beim Gewinnen von Kupfer durch starkes Erhitzen kupferhaltiger Erze. 
Der Technikhistoriker Albert Neuburger schreibt hierzu: " Die Keramik ist zweifellos eine der ältesten aller Techniken. Ihre Spuren gehen bis weit in die vorgeschichtliche Zeit, man kann wohl sagen, bis zu den Anfängen der Menschheit zurück."
Zu den Ursprungsländern der Keramik stellt Neuburger fest: "Die Wiege der keramischen Technik stand ... wahrscheinlich in Kleinasien oder in Ägypten. Von hier aus dürfte sich diese Technik nach dem Orient verbreitet haben, wo sie zunächst bei den Babyloniern und Assyrern in hoher Blüte stand."  103  Neuburger


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( 2 )  Biblischer Bericht über den Feuerofen
Die gezügelte und zugleich ungezügelte Gewalt eines von Menschenhänden in einem Keramikbrennofen entfachten Feuers widerspiegelt sich im Alten Testament (AT) der Bibel mit dem "Gesang der drei Männer im Feuerofen" (AT, Buch Daniel). Die vom babylonischen Despoten Nebukadnezar im 8. Jahrhundert v.u.Z.  befohlene Verbrennung dreier "ungehorsamer" jüdischer Beamter seines Hofstaates scheiterte an der angeordneten siebenfachen Menge Brennstoff, mit der ein extrastarkes Feuer im Ofen entfacht werden sollte. Anstelle der beabsichtigten gewaltigen Hitze-Entwicklung, welche den sofortigen Tod der im "Feuerofen" eingesperrten Männer bewirkt hätte, kam es zu einer mächtigen Verpuffung des entzündeten Brennmaterials, wodurch zwar die in unmittelbarer Nähe des Ofens befindlichen Diener des Herrschers getötet wurden, die zum Tode Verurteilten jedoch unverletzt blieben. 
Pyrotechnisch ist dieser Vorgang erklärbar, wenn es sich bei dem "Feuerofen" um einen Keramikbrennofen mit zwei voneinander getrennten Kammern (Feuerkammer und Brennkammer) gehandelt hat. In der Feuerkammer wurden mittels des entzündeten Brennmaterials die für den Brennvorgang benötigten heißen Gase erzeugt  und in die benachbarte Brennkammer geleitet, wo normalerweise die zum Brennen bestimmten Ton- oder Keramikgegenstände lagerten. Eine derartige Brennkammer war meist  hinreichend  geräumig, um größere Gegenstände aufzunehmen. Unter der Voraussetzung, daß die Feuerkammer noch keine große Hitze entwickelt hatte und die bis dahin entstandenen Brenngase noch keine schnelle betäubende Wirkung hatten, war für eine kleine Gruppe von Menschen ein kurzer Aufenthalt in der Brennkammer möglich, ohne daß einer dieser Menschen gesundheitliche Schäden davon trug. Auch eine in der angrenzenden Feuerkammer stattfindende Verpuffung von zu viel und zu dicht gelagertem Brennmaterial mußte keine sofortige Schädigung der Personen, die sich in der relativ geschützten Brennkammer befanden, zur Folge haben. Das explodierende Gasgemisch bahnte sich seinen Weg nicht in die Feuerkammer, sondern in die zum Beschicken der Brennkammer vorgesehene Öffnung ins Freie, wodurch die dort in unmittelbarer Nähe des Brennofens befindlichen Menschen zu Tode kamen. Ein Vorgang, welcher laut Bibel  den mit der Explosionsgefahr eines Brennofens nicht vertrauten Herrscher zutiefst erschreckte und zum Glaubenswechsel veranlaßte.
Aber handelte es sich  bei dem biblischen "Feuerofen" wirklich um einen Keramikbrennofen? Die Alternative wäre ein Ofen zum Verhütten von Erz oder zum Schmelzen von Metall. Zieht man jedoch die in der Bibel beschriebene Örtlichkeit und den Zweck des von Nebukadnezar angeordneten Rituals der Verehrung eines überdimensionalen goldenen Standbildes in Betracht, dann kommen die beiden letztgenannten Ofentypen schwerlich in Frage. 
Es bleibt die Überlegung, ob der "biblische Feuerofen" vielleicht eine "normale" Hinrichtungsstätte war, in welcher zum Tode verurteilte Menschen auf Befehl des Despoten in einem überhitzten grossräumigen Ofen erstickt und verbrannt wurden.Die wissenschaftliche Geschichtsschreibung bleibt für diese Annahme eine Bestätigung schuldig.  EGe 2010
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( 3 )  Erstes Auftreten und Verbreiten der Herstellung von Keramik
Mit dem Herstellen von einfacher Töpferware begann die Feuernutzung für das Produzieren  größerer Mengen von Gebrauchsgütern des Alltags. Insbesondere Gegenstände zum  Aufbewahren von Lebensmitteln aller Art  wurden nicht mehr in mühseliger Art nur aus Stein gefertigt,  sondern zunehmend aus lehmhaltiger Erde bzw. Ton geformt und anschließend im Feuer getrocknet und gebrannt. Diese ersten aus Erden geformten Gefäße entstanden mit den Anfängen der Feuerbeherrschung, als Steinmaterial noch lange der vorherrschende Werkstoff war. 

Der Begriff der Keramik beinhaltet die genannten einfachen Formen der Töpferei, geht jedoch weit darüber hinaus und schließt neben qualitativ bedeutend hochwertigeren Werkstoffen auch vielfältigste künstlerische Gestaltungselemente und neuartige Formen der Nutzbarkeit ein. 

Die Erzeugung von Keramik als Töpferware begann weitgehend unabhängig voneinander in unterschiedlichen Regionen.. Die bisher ältesten bekannten Keramikgefäße der Welt stammen aus der Jomon-Kultur Japans und datieren aus den Jahren um 13.000 v.u.Z. Von Japan ausgehend verbreitete sich die Keramiktechnologie über Wildbeuter-Kulturen nach Korea und in das Amurgebiet. Neuere  Entdeckungen in China belegen auch dort sehr alte (womöglich sogar die älteste) Keramik. 

Im Nildelta tritt Keramik erstmals im 9. bis 8. Jahrtausend v.u.Z. auf. Aus noch früherer Zeit stammen Funde in Mali, die auf damalige Jäger- und Sammlergruppen hinweisen. 
Für 7000 v.u.Z.ist Keramik bei mesolithischen Kulturen der Ukraine nachgewiesen, etwa zeitgleich mit dem ersten Auftreten der Keramik im Neolithikum des Vorderen Orients um die Mitte des 7. Jahrtausends.
Funde von Töpferöfen gibt es für das 5. Jahrtausend in China  und für das 4. Jahrtausend im Vorderen Orient. 104 Keramik  ,
105 Neuburger

  • Zur griechischen Keramikherstellung 
Im  7. und frühen 6. Jahrhundert v.u.Z  war die Stadt Korinth das wichtigste Zentrum der griechischen Keramikproduktion. Die Töpfereien lagen hier in einem eigenen Stadtviertel.  Korinthische Töpferöfen besaßen zwei übereinanderliegende Kammern: die untere Kammer mit vorgebautem Schürkanal nahm das Feuerungsmaterial auf, in die obere Kammer (den Brennraum) wurden durch eine große und anschließend zugemachte Öffnung die getrockneten Gefäße eingesetzt. Den oberen Abschluß des Töpferofens bildete eine Kuppel mit großem Abzugsloch. Wie bildliche Darstellungen zeigen, hatten die Töpferöfen eine beachtliche Höhe. Der Brand erfolgte in drei Phasen, in Phase 2 wurde eine Temperatur von 900 bis 950 °C erreicht.  106 Schneider
  • Zur römischen Brenntechnik 
Der Durchmesser des Brennraumes von römischen Brennöfen betrug meist 2-3 m, mitunter auch weniger. Der Feuerraum lag oft so weit vom Brennraum entfernt, daß nicht mehr die Flammen, sondern nur die heißen Gase in den Brennraum gelangten. Hierzu  war der Boden des in der Regel runden Brennraums durchlöchert, damit die Flammen oder die heißen Gase oder beide zusammen eintreten konnten. 
Das Herausnehmen des gebrannten Gutes erfolgte durch die abnehmbare runde Kuppel des Brennraums. Größere Brennöfen hatten eine besondere Öffnung zur Herausnahme des Brenngutes. 107 Neuburger


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( 4 )  Ausmaße von Keramik- bzw. Töpferöfen 
Fundort Alba Iulia, Rumänien  
Herkunftszeit um 150 u.Z.  
Ofenhöhe 1,40 m Die meisten Töpferöfen waren knapp 1,50 m hoch.
Ofendurchmesser 1,90 m Bei römischen Brennöfen 2-3 m oder weniger [Albert Neuburger]
Brennraumfläche 6,8 m² (Fundort und -zeit nicht genannt)
Quelle
                                             108 Lexikon

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( 5 )   Produktionsprozesse mit hohem Energiebedarf

Arbeitsgebiet: Ortsfeste Feuer
  Betrachteter Zeitraum: Mittel- und Jungsteinzeit inklusive Kupfersteinzeit
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Arbeitsprozess Hauptarbeitsmittel Arbeits-
temperatur
Hauptenergie-
quellen
Einfaches Bearbeiten von Steinen Steine als Werkzeuge   Mensch
Herstellen von Werkzeugen und Waffen aus Stein Feuerstelle   Holz, Holzkohle
Brennen von einfacher Keramik (Töpferware) Töpferofen   Holz, Holzkohle
Brennen von hochwertiger Keramik Keramikbrennofen hoch Holz, Holzkohle
Brennen von lasierter Keramik Keramikbrennofen mit Hochtemperatur sehr hoch Holzkohle
Brennen von einfachen Ziegeln Ziegelbrennofen hoch Holz, Dung
Brennen von lasierten Ziegeln Ziegelbrennofen mit Hochtemperatur sehr hoch Holzkohle
Erzeugen einfacher Glasgegenstände Glasofen für Holzfeuerung sehr hoch Holz, Reisig
Erzeugen von höherwertigen Glasgegenständen Glasmacherpfeife [s. J.Riederer, 1983] hoch Holz, Holzkohle
Erzeugen von Glasschmelze Glasschmelzofen sehr hoch Holz, Holzkohle
EGe 2011


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( 6 )   Quellenverzeichnis 
zu Kapitel 1  Feuerbeherrschung
Quellennachweis-
nummer
Quellennachweis Rücksprung 
zum Text
101 Wikipedia, Feuer, Version vom 9.6.2011 TI101
102 Die älteste Ingenieurkunst der Welt. - In: Österreich Journal, Magazin 87, 31.08.2010 TI102
103 Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929, S. 133-136 TI103
104 Wikipedia, Keramik, Version vom 4.1.2011 TI104
105 Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929, S.133-137 TI105
106 Helmuth Schneider: Keramikherstellung. - In: Wolfgang König (Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte, Berlin 1991,  S.116-123 TI106
107 Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. - Leipzig 1929., S.151-152 TI107
108 Lexikon der Antike, Leipzig 1977, S.578 TI108

Erläuterungen zu den Quellennachweisnummern und zum Quellenverzeichnis ===>



(7)

Ende von Kapitel 1 (Feuerbeherrschung)

Aufruf des nächsten Kapitels über das nachstehende Kapitelverzeichnis Teil I, Spalte 1

 
Kapitelverzeichnis Teil I
Kapitel Thema Kurzbezeichnung
0
Prolog Prolog
1
Anlegen und Beherrschen von ortsfesten Feuern Feuerbeherrschung
2
Holzkohle als Energiebasis der historischen Montanindustrie Holzkohle
3
Suchen, Finden und Abbauen von Erzen Erzabbau
4
Verhütten von Erzen zur Metallgewinnung Verhüttung
5
Bearbeiten und Weiterverarbeiten von Metallen Metallverarbeitung



 
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