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Über die Bronzezeit im Vorderen Orient unter den Aspekten der Metallgewinnung, der Waffentechnik und der Energiebasis Holzkohle. Eine Studie

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Kapitel  3
Suchen, Auffinden und Abbauen von Erzen


 
Themen und Verzeichnisse von Kapitel 3
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(1)
Entstehen, Suchen und Finden von Erzlagerstätten
(2)
Gewinnen von Kupfererz in Ägypten und Jordanien
(3)
Gewinnen und Exportieren von Zinn
(4)
Gewinnen weiterer Nichteisenerze in Ländern des Vorderen Orient
(5)
 Gewinnen von Eisenerz im Vorderen Orient
(6)
Bergbautechnik
(7)
Bronzezeitliche Arbeitsprozesse mit grossem Energiebedarf
(8)
Produktionsdaten
(9)
Quellenverzeichnis Kapitel 3
(10)
Kapitelverzeichnis Teil I der Studie



( 1 )  Entstehen, Suchen und Finden von Erzlagerstätten

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Entstehung von Erzlagerstätten
Als Erze werden Mineralien bezeichnet, die in so hohem Maße mit nutzbaren Metallen angereichert sind, daß diese Metalle in Verhüttungsprozessen gewonnen werden können.
Die ersten, zeitlich noch nicht exakt einzuordnenden Erzvorkommen bildeten sich bereits in frühen Erdzeitaltern. 
In den letzten Jahrmillionen des Erdzeitalters Silur, dem Obersilur, nahmen die Erzvorkommen an Größe und Reinheit zu.
Das Erdzeitalter Silur (benannt nach dem keltischen Volksstamm der Silurer) erstreckte sich über einen Zeitraum, der vor 440 Millionen Jahren begann und vor knapp 417 Millionen Jahren endete. Der dritte und letzte Abschnitt des Silur, das Obersilur, begann vor  423 Millionen Jahren und dauerte sechs Millionen Jahre. Zeitlich vor dem Silur lag das 55 Millionen Jahre währende Erdzeitalter des Ordovizium (benannt nach dem in Nord-Wales lebenden Volksstamm der Ordovizier). Auf das Silur folgte das über 63 Millionen Jahre dauernde Erdzeitalter des Devon (benannt nach der englischen Grafschaft Devonshire im Südwesten Englands).  vgl.301 Erdzeitalter
Nur wenige Metalle kommen in der Natur in gediegener, reiner Form vor. Am bekanntesten dafür sind die klassischen Edelmetalle Silber und Gold, das gleichfalls zu den Edelmetallen zählende Kupfer sowie das vermutlich auch schon im Alten Ägypten verwendete Platin. Seltener tritt auch gediegenes Zinn auf. 
Die meisten Metalle, darunter Eisen, Zink und Blei, sind in der Natur nur in Verbindung mit anderen Metallen sowie zusammen mit Sauerstoff, Schwefel, Chlor und Kalk vorhanden. Natürliche Verbindungen dieser Art gelten auch für die oben genannten Edelmetalle.
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Erze im Vorderen Orient  (vorläufige Übersicht)
Metall Name des Erzes Mineralklassen Verbindungsart Fundorte im VO
Gold Calaverit Sulfide Gold / Schwefel, Selen, Tellur Nubien, Sinai
Silber Argentit, Galenit (Bleiglanz) Sulfide und Sulfosalze Silber / Schwefel  
Platin        
Kupfer Malachit
Azurit
Cuprit
Chrysokoll
Carbonate
Carbonate

Silicate und Germanate

  Ägypten
Zypern, Ägypten

Elat (Israel)

Zinn Kassiterit
Stannit
Oxide und Hydroxide
Sulfide u. Sulfosalze
Zinn / Sauerstoff
Zinn / Schwefel, Selen, Tellur
 
Eisen Hämatit, Magnetit
Pyrrhotin, Pyrit,
Siderit, Limonit
Oxide, Chloride
Sulfate, Carbonate
   
Zink Zinksulfid, Zinkspat Sulfide    
Blei Galenit (Bleiglanz) Oxide, Sulfite, Carbonate u.a.   Saudi-Arabien
Ausgedehnte Erzlager bildeten bzw. bilden sich vor allem in den Weltmeeren und hier oft in den Mündungsgebieten großer Flüsse. Entsprechende, an Mineralien reiche Sedimentablagerungen finden sich noch in tausend Kilometer Entfernung von der Küste. 
Die durch solche Transportströmungen in die Ozeane verfrachteten Eisen-, Kupfer-, Silber-, Zink- und Bleierze lagern  sich am Meeresboden ab.
Von großer Bedeutung für die Bildung von Erzlagerstätten ist auch der  Tiefseevulkanismus, dessen Wirkung sich beispielsweise an den im Obersilur noch zu weiten Teilen vom Meer bedeckten Alpen nachweisen läßt. Aus Unterwasservulkanen austretende Lava läßt am Meeresboden zahlreiche Spalten aufbrechen, aus denen schwermetallhaltige Lösungen hervortreten, die Metalle wie Kupfer, Zink oder Blei enthalten. 
Diese Hydrothermen lassen sich in der Gegenwart z.B. im Roten Meer anhand von aus dem Wasser austretenden schwarz-grauen Rauchfahnen (Black smokers) beobachten. Im Gefolge dieser Vorgänge, die Tausen­de von Jahren anhalten können, lagern sich die gelösten Metalle in dicken Schlammschichten auf dem Meeresboden ab. Im Laufe von Jahrmillionen werden diese metallhaltigen Schichten von mächtigen Gesteinsdecken überlagert, deren Druck die metallhaltigen Schichten allmählich zu Erzlagern verfestigt. Gebirgsbildende Vorgänge verformen und falten oft die Erzlager samt ihren darüber befindlichen Gesteinsschichten, wodurch die Lagerstätten wieder in die Nähe der Erdoberfläche gelangen können.   siehe 302 Erzlager
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Unterschiedliche Bedeutung des Wortes Erz in frühen Schriften
"Erz  (althochdeutsch aruzi, erezi, mittelhochdeutsch arze, erze, erz) - jedes Mineral, welches eins der nutzbaren schweren Metalle in gewinnbarer Menge enthält. Das Auftreten der Metalle in den Erzen ist verschieden. Bald erscheinen sie gediegen, bald als Sauerstoff-, Schwefel- oder Arsenverbindungen, bald als Kohlensäuresalze etc.  In den Schriften der Alten wird aes (griechisch chalkos) gewöhnlich mit Erz (Adjektiv: ehern) übersetzt. Man hat dabei in den älteren griechischen Schriften  (außer bei Homer) wohl nur an Kupfer ... zu denken, während in der ältesten und wieder in der späteren Zeit ganz allgemein die Bronze ... an die Stelle des Kupfers trat und auch als Erz bezeichnet wurde."  siehe 303 Erz
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Erkunden von Erzvorkommen
Das auf geologischen und ähnlichen Verfahren beruhende Ausfindigmachen, Erkunden oder Untersuchen von Lagerstätten nutzbarer Mineralien wird in der Fachsprache des Bergwesens als Prospektion (Prospektieren), die ausführende Person als Prospektor bezeichnet.
Das Wort "Erzprospektion" (Prospektion von Erzen) wäre aus dieser Sicht eine Tautologie. Wo dieser Terminus trotzdem Verwendung findet, ist er als Synonym von "Prospektion" anzusehen. Er wird meist benutzt, um die Tätigkeit einer "Erkundung von Erzvorkommen" bzw. einer "Suche nach Erzen" zu unterstreichen. 
Um die Suche nach einem bestimmten Erz oder einer Klasse von Erzen zu bezeichnen, wird der Terminus "Prospektion" mit dem Namen des betreffenden Erzes oder Minerals verbunden (z.B. "Prospektion von Kupfer" oder "Prospektion von Malachit"). Analoges gilt für die Bezeichnung der Suche nach einer bestimmten Klasse von Erzen oder Mineralen (Beispiel: "Prospektion von sulfidischen Kupfererzen"). 
Die ur- und frühgeschichtliche Prospektion war eine Tätigkeit, die vielfältige, und von Generation zu Generation weitergereichte Erfahrungen der Prospektoren voraussetzte und die oft jahrelanges Suchen erforderte. 
In den Anfangsperioden der Erzsuche war das Prospektieren auf das Finden von farblich auffälligen Steinen  und Sanden (zum Beispiel goldhaltiger Sand) gerichtet.  Zielorientiertes Prospektieren von Vorkommrn bestimmter Erze setzte erst ein, als die wirtschaftliche und vor allem auch die waffentechnische Bedeutung des aus den Erzen gewinnbaren Metalls erkannt wurde.  E.Ge.

Die ersten von Menschen entdeckten Metalle waren Kupfer und Gold. Eine Hypothese besagt, daß  sich einige zufällig in der Kohlenglut eines Lagerfeuers gelegene "grüne und blaue Steine" (die Kupfererze Malachit, Chrysokoll und Azurit kommen hier in Frage)  in kleine glänzende  Perlen verwandelt hätten, die sich mit Steinwerkzeugen  verformen und im abermaligen Feuer sogar schmelzen und in neue Formen gießen ließen. Dieser neue Stoff war gediegenes Kupfer. Entdeckungen der beschriebenen Art machten die Steinzeitmenschen an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten, lange bevor die ersten Prospektoren sich auf die gezielte Suche nach Kupfererzvorkommen begaben. 
304 Entdeckung
Wegen der leichten Verformbarkeit war die Verwendung von Kupfer für Werkzeuge und vor allem für Waffen stark eingeschränkt. Das änderte sich mit der Erkenntnis, daß durch Hinzufügen von kleinen Mengen eines weiteren Metalls oder Halbmetalls zur Kupferschmelze die Festigkeit beträchtlich verbessern ließ. 

Der eigentliche Durchbruch in der Kupferanwendung wurde schließlich mit der Beigabe von Zinn zur Kupferschmelze erzielt. Die als Bronzen bezeichneten verschiedenen Kupferlegierungen erreichten mit der Zinnbronze ihren Höhepunkt. Es begann die fast zwei Jahrtausende währende Bronzezeit. In dieser Epoche veränderten sich die Aufgabengebiete der Erzprospektion. Die Suche nach den selten vorkommenden Zinnerzlagerstätten rückte zunehmend  in den Vordergrund der Erzsuche.

Aufträge zu Prospektionen nach Erzen dürften in der Regel von den Landesherrschern selbst erteilt worden sein. Das war notwendig, weil Erkundungen in entfernten Gebieten  zum Eindringen in fremde Herrschaftsbereiche führen konnten und die Prospektoren nicht immer nur Erzsucher, sondern von Fall zu Fall auch Kundschafter auf militärischen und anderen Gebieten waren. 
Über den Einsatz von Kundschaftern im fremden Land berichtet das  Buch Numeri des Alten Testaments der Bibel, wobei es in dem dort beschriebenen Fall um das Erkunden des Landes Kanaan zur Vorbereitung der "Landnahme" durch die Israeliten ging. Von einer Suche nach Erzen wird im Kundschafterauftrag, den die zwölf Ausgewählten von Mose erhielten, nichts gesagt (vgl. Altes Testament, Buch Numeri 13, 17-20).  EGe ; siehe auch 305 Erkundung
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Möglichkeiten des Auffindens von Erzlagerstätten
Zum Auffinden von Erzen bzw. Erzlagerstätten in der freien Natur kam es in der Hauptsache durch:
  • zufälliges Finden während anderer, nicht auf Erzsuche gerichteter Handlungen. Ein Beispiel  ist das im 12. Jahrhundert u.Z  erfolgte Auffinden von Silbererzen auf sächsischem Gebiet. Kutscher von Salztransporten stießen damals mit ihren Fuhrwerken auf  zutage liegende Silbererzstufen. Der Fund führte zum Beginn des Freiberger Silberbergbaus.
  • Erkunden von großen Territorien mit dem Ziel, aus der Natur oder von Ortsansässigen Hinweise auf  Erzlager zu erhalten. Die Kupfererzvorkommen der Halbinsel Sinai oder der arabischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Oman könnten auf diese Weise entdeckt worden sein. 
  • Suchen in Gegenden mit schon bekannten Erzlagern nach weiteren Lagerstätten. Das führte beispielsweise zum Entdecken von Kupfererzlagern, die zunächst im weiteren Umfeld von Timna (Wadi al-Araba) vermutet und dann tatsächlich am südlichen Ende der  Negev-Wüste auch gefunden wurden.  (EGe)
Das  Interesse der Prospektoren galt anfänglich vor allem den Gebieten, wo leicht erkennbare erzhaltige Gesteine frei auf der Erdoberfläche lagen. Der Gebrauchswert dieser oft farbigen "Steine" bestand in ihrer Verwendbarkeit als Schmuck oder als dekorative Elemente für repräsentative Zwecke. 

Sobald die Kunde von solchen Funden bis in das Machtzentrum des entsendenden Landes gedrungen war. folgte der Prospektion häufig die Expedition, das heißt das Aussenden von Truppen mit dem Auftrag der weiteren Geländeerschließung und des Transports gefundener Erze an die vorgesehenen Verwertungsorte. 

Zu allen Zeiten der Geschichte des Alten Ägypten diente das Heer dem Pharao als Instrument für außenpolitische Operationen: in Krisenzeiten zur Beilegung militärischer Konfrontationen durch Feldzüge, in Friedenszeiten zum Durchführen von Kampagnen zur Materialbeschaffung mittels Expeditionen. Beide Aktionsfelder ließen sich nicht immer klar voneinander unterscheiden. Insbesondere in Nubien waren Expeditionen oft mit Kampfhandlungen verbunden, um den Zugang zu den Rohstoffressourcen (vor allem zu Gold) mit Gewalt zu erzwingen.     306 Expedition
Waren die Oberflächenfunde erschöpft, richtete sich das Interesse der Erzsucher bzw. der Expeditionen auf diejenigen Fundorte, die relativ dicht unter der Erdoberfläche lagen. Es entstanden die ersten Gruben, Gänge und Schächte, um auch an diese Erze heranzukommen.
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Eigenschaften von bestimmten Erzen und Erzlagern
Gezieltes Suchen setzte voraus, daß die Prospektoren über Kenntnisse von bestimmten typischen Eigenschaften und Wirkungen der gesuchten Erze verfügten. Das betraf Eigenschaften wie Farbe und Geruch des Erzes sowie Veränderungen der Vegetation über oder unmittelbar neben den im Erdboden lagernden Erzen. 
Am einfachsten war das Auffinden von Erzen in landschaftlichen Trockengebieten, weil dort Erzgänge meist ohne nennenswerte Vegetationsdecke zutage traten. Letzteres traf generell auf felsige Gegenden zu.  Dort ließen sich Gesteinsfarben, die auf das Vorhandensein bestimmter Erze hinwiesen, leicht feststellen. Grünblaue Farbe deutete auf Anwesenheit von Kupfererz, rötliches Braun auf Eisenerz, matt glänzendes Schwarz auf Bleiglanz und grau-schwarze Farbe auf Weißbleierz.

Ebenso wichtig wie hinreichende Kentnisse von den Erzen selbst war Wissen über die Signale, welche in der der natürlichen Umwelt der Erzlager das Vorhandensein von Erz anzeigten. Diesbezügliche Signale waren beispielsweise Besonderheiten in Farbe und Geschmack von Quellwasser oder in Farbe und Wuchs von Kräutern.   307 Prospektion

Auch eine gegenüber der Umwelt erhöhte Temperatur des untersuchten Gebietes konnte als Signal angesehen werden. Georgius Agricola schrieb davon später in seinem Werk "De re metallica", daß über Erzgängen wachsende Kräuter bei Frost nicht mit Reif überzogen werden, da ein vom Erdboden aufsteigender "hitziger und trockener dunst" das Gefrieren verhindert. 
"Zu de so wir die gäng suchen / habendt wir fleißig achtung auff die reiffen / von welchen alle kreuter weiß sähe / außgenomen dise die auff den gängen wachsen / dan es gher vo jne ein hitziger vn  drockner düst / welcher dieweil sie feucht seindt / dz zusame gfrure verhindt."    308 Agricola
Aus Klüften aufsteigende warme und nach Schwefeldioxid riechende Luft wies  auf sulfidische Erze wie zum Beispiel Bleiglanz hin. In seiner "Naturgeschichte" berichtet Plinius der Ältere  in diesem Zusammenhang über die  verderbliche Wirkung derartiger Dünste auf Tiere, namentlich Hunde.     309  Plinius
Wenn oberflächennahe Erzvorkommen erschöpft waren, wurde Prospektion von Erzlagern auch mittels unterirdisch angelegten Schächten und Stollen betrieben. Beispiel hierfür sind die Athenischen Silberbergwerke der Antike.  Ein Prospektionsschacht im griechischen Bergbaurevier Laureion erreichte eine Tiefe von 59 Metern. Von dort aus wurden Prospektionsstollen vorgetrieben, "jedoch ohne Erfolg, denn die gesuchte erzführende Schicht lag, wie man später feststellte, 20 m tiefer."   310 Meier

Um vermutete oberflächennahe Erzvorkommen zu entdecken, wurde von den Prospektoren anstelle des Aufschlusses mit Pickel und Hacke noch ein zweites Verfahren angewendet, das in der modernen Terminologie als "flushing" (Spülen) bezeichnet wird. Es besteht darin, künstlich angestautes Wasser durch Öffnen eines Erddamms sturzbachartig abfließen zu lassen, damit Humus- und Schotterschichten weggeschwemmt und oberflächennahe Erzgänge sichtbar werden.   311 Plinius

Die direkte bodennahe Untersuchung des Erdbodens über mögliche Erzvorkommen erfolgte hauptsächlich mittels Schürfgruben. Diese ovalen, kreisrunden oder asymmetrischen Gruben haben Durchmesser zwischen 15 und 50 Meter und Tiefen bis zu 4 Meter. 
312 Schürfgrube

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Eiserner Hut
Der Eiserne Hut bildet sich an sulfidischen Kupfererzvorkommen aus, wenn diese oberhalb des Grundwasserspiegels durch den im Regenwasser gelösten Luftsauerstoff oxidiert werden. Bei Vorhandensein von Pyrit (FeS) bleiben die unlöslichen Eisenoxide an der Oberfläche zurück und bilden den eisernen Hut.
Da die Erze reich an Kupfer, Schwefel und Eisenverbindungen sind, wird der Erzkörper in der Nähe der Oberfläche durch schwankende Grundwasserspiegel und Kontakt mit Luftsauerstoff, Frostsprengung und dgl. verwittert. Auf diese Weise entstehen im Bereich des Eisernen Hutes aus den sulfidischen Kupfererzen die oxidischen Kupfererze (zu denen auch die karbonatischen Kupfererze gezählt werden) sowie gediegenes Kupfer.    314 Eisenhut



 
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Dichterische Beschreibung natürlicher Aufdeckungen von Erzen
Eine dichterische Wiedergabe der Aufdeckung von Blei-. Silber- und anderen Erzvorkommen durch Naturereignisse liefert der lateinische Dichter und Philosoph Lukrez (lat. Titus Lucretius Carus), 97– 55 v. u.Z.): 
"Nun  zu den übrigen noch: das Erz und das Gold und das Eisen
Und des Silbers Gewicht und das Blei entdeckte man anfangs,
Als auf hohem Gebirg ansehnliche Waldungen hatte
Glut des Feuers verzehrt; vom Blitz entweder geschleudert,
Oder wenn unter sich selbst feindselige Kriege verführend,
Wälder sie steckten in Brand, den Feind durch Furcht zu verjagen;
Oder wenn angereizt von des Bodens Güte die fetten
Äcker erweitern sie wollten und urbar machen die Felder;
Oder ertöten das Wild, vom Raube der Beute gelocket:
Denn anfänglich brauchte zur Jagd man Feuer und Gruben,
Eh´ mit Garnen umstellte den Forst und hetzte mit Hunden.
Wie es auch sei, und welches der Grund der flammenden Glut war,
Die mit entsetzlichem Brausen den Wald auffraß bis zur Wurzel
Und durchkochte mit Feuer das Land; aus den siedenden Adern
Floß in die künftigen Räum´ ein Bach von Gold und von Silber
Und von Kupfer zusammen und Blei: als sie diese verhärtet,
Und sie sahen, wie hell von Farb´ auf dem Boden sie blinkten,
Nahmen sie solche zuletzt, vom glatten Schimmer bezaubert;
Und sie bermerkten, sie seien nach ähnlichen Formen gebildet,
Als es die Hohlungen wiesen, in welche sich jedes gelagert.
Dann kam ihnen in Sinn, daß diese, geschmolzen im Feuer,
Könnten zerfließen in jegliche ''Form und beliebige Bildung,
Auch sich unter dem Schlag ausdehnen ließen in scharfe
Spitzen und Flächen, daraus sich Gerät zu schaffen  und Werkzeug ... "

315 Lukrez


( 2 )   Gewinnen von Kupfererz in Ägypten, Jordanien und Palästina

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Alte Kupferreviere im Vorderen Orient
Das vermutlich älteste Kupferrevier der Welt ist Ergani Maden in Zentralanatolien, wo bereits vor 5000 Jah­ren sulfidisches Kupfererz gefördert wurde. Ergani-Maden ist u.a. berühmt für bis zu 1 m lange Chalkantit-Stalagtiten, welche sich aus Kupfersulfatlösungen in den alten Abbauräumen bilden. 
Bedeutende Kupferreviere im Vorderen Orient waren von der Kupfersteinzeit bis zur mittleren Bronzezeit die Erzlagerstätten von Feinan (Fenan) im Wadi el-Arabah (heutiges Jordanien) und von Timna in der Negev-Wüste (heutiges Israel). 
Das Bergbaurevier von Timna war, obwohl vermutlich niemals größere Mengen an Kupfererz gefördert oder verhüttet wurden, charakteristisch für die damaligen Wüstenbergbau- und -schmelzreviere. Als Kupfererz wurde in weichem Sandstein lagernder knollenförmiger Malachit abgebaut. Die Gruben waren meist vertikale Schächte, welche durch Strebe miteinander verbunden waren. Die Gänge folgten planlos dem Verlauf der Kupfermineralisation, bis diese erschöpft war.  313 Kupferreviere
***. 
Vordynastische Kulturen und Kupferanwendungen in Ägypten
Mit Vordynastik oder Prädynastik (synonym Vordynastische oder Prädynastische Zeit) werden in der Ägyptologie die Geschichtsepochen vor der Herausbildung der pharaonischen Dynastien bezeichnet. Hierbei wird unter "Dynastie" die Abfolge der zu einem bestimmten Herrschergeschlecht gehörenden Herrscher bzw. Pharaonen  (Pharao ist der Titel für altägyptische Könige).  verstanden. Die Vordynastische Zeit dauerte bis 3150 v.u.Z. Sie wurde von der Frühdynastischen Zeit (3032 bis 2707 v.u.Z.) abgelöst.     316 Prädynastik
  • Vordynastische Kulturen Oberägyptens
Die im Vergleich zu den unterägyptischen Kulturen jüngeren oberägyptischen Kulturen sind seit 4400 v. u.Z. belegt, also seit jener Zeit, als die sogenannte Memride-Kultur  ausklang. Aus diesen oberägyptischen Kulturhorizonten ging später die Entwicklung der pharaonischen Kultur hervor. 
Am bekanntesten unter den oberägyptischen Kulturen ist die El-Badari-Kultur (ca. 5000-4000 v.u.Z.). Es ist die älteste neolithische Kultur Oberägyptens. Die Bezeichnung stammt vom gleichnamigen Dorf "Badari" am Ostufer des Nil, südlich von Assiut, einer Stadt in Mittelägypten. Diese Kultur widerspiegelt insbesondere den ersten reich entwickelten Grabkult, dessen Grundelemente (wie die Bestattung mit Gütern und Kleidung) bis in die pharaonische Zeit Bestand hatten. Innerhalb der Keramikproduktion zeichnete sich die Badari-Kultur durch charakteristische braunrote Tongefäße aus, die im oberen Teil schwarz gefärbt waren. Diese Randfärbung wurde durch eine spezielle Brenntechnik erzeugt.
Im 4. Jahrtausend wurde die Badari-Kultur von der räumlich benachbarten Naqada I-Kultur abgelöst. 317 Badari 
  • Vordynastische Kupfergewinnung und -anwendung in Ägypten
Kupfer kam seit der Badari-Periode (siehe oben) in Form von Nadeln und Schmuckperlen und seit der Frühen Vordynastischen Zeit (um 3400 v.u.Z.) in Form von Armbändern, Fingerringen und weiteren kleinen Gegenständen in Ägypten vor. Alle diese Objekte waren klein und leicht; es wurden noch keine schweren Objekte wie Waffen etc. aus Kupfer hergestellt. Kupferne Waffen besaßen die Ägypter erst seit dem Ende der Vordynastischen Zeit (ca. 3150 v.u.Z.). Beginnend mit der anschließenden Frühen Dynastie waren dann kupferne Äxte, Beile, Dolche und Speere sowie Haushaltsgegenstände aus Kupfer in beachtlicher Anzahl in Gebrauch.
Eine große prähistorische Bergbau-Anlage befindet sich in Timna in der israelischen Negev-Wüste. Hier wurde ungefähr seit dem Jahr 4000 bis etwa 1200 v.u.Z. Kupfererz gefördert und auch weiterverarbeitet. Die noch in der Gegenwart zu besichtigende Anlage von Timna ist vermutlich die älteste der Welt. Trotz des relativ  kleinen Umfangs der Kupfererzmengen, die dort abgebaut und verhüttet wurden, ist Timna charakteristisch für seinerzeitige Wüstenreviere des Bergbaus und des Schmelzens. 
Abgebaut wurde in Timna das knollenförmige Kupfererz Malachit, welches in Sandstein eingebettet war. Die Bergbaugruben waren meist vertikale, durch Streben miteinander verbundene Schächte, die Gänge folgten planlos dem Verlauf der Erzadern. 
Als Brennmaterial für das Verhütten dienten die spärlich vorhandenen Wüstenakazien, über deren Verarbeitung zu Holzkohle jedoch keine Angaben vorliegen. Die Innentemperaturen für die Verhüttungsöfen betrugen, wie nachgestellte Experimente belegen, zwischen1180 und 1350°C. Begünstigt wurden diese hohen Temperaturen durch vorherrschende starke Winde und durch Verwenden von Blasebälgen, gefertigt aus Ziegenhaut. Das gewonnene, noch verunreinigte Rohkupfer wurde durch nochmaliges Erhitzen oder durch Hämmern verfeinert.  318 Vordynastik
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Kupferbergbau im Wadi Arabah (Jordanien)
Zu den bedeutendsten Revieren des Kupferbergbaus vom Chalkolithikum bis zur mittleren Bronzezeit zählen die Lagerstätten von Fenan (Synonyme Feinan; Faynan) im jordanischen Teil  des Wadi Arabah (Synonyme Wadi al-Araba(h), Arava, Aravasenke, Aravatal), wenngleich sich Fenan, gemessen an seiner Tonnage an hinterlassenen Schlacken, kaum mit den großen Kupferrevieren auf  Zypern und in Zentralanatolien (Ergani Maden) vergleichen läßt. Das Gebiet von Fenan liegt etwa auf dem halbem Weg zwischen dem Roten und dem Toten Meer und fast direkt an der Grenze zu Israel.     319  Fenan
Das Wadi Arabah ist ein Wüstengebiet. Westlich von ihm liegt die Wüste Negev. Das Wadi gehört zum Großen Afrikanischen Grabenbruch und ist die Fortsetzung der Bruchlinie vom Jordangraben über das Tote Meer weiter nach Süden. Es erstreckt sich über 175 km vom südlichen Ende des Toten Meeres bis zum Golf von Aqaba am Roten Meer und ist 10 bis 25 km breit. Am Ostrand des Wadi Arabah befinden sich die jordanischen Berge mit mehr als 1700 m Höhe, westlich des Wadi erreicht das Gelände nur ca. 600 m. Die höchste Stelle des Wadi Arabah selbst liegt ca. 75 km nördlich der Küstenstadt Eilat und beträgt 230 m, während sich die tiefste Stelle mit 417 m unter dem Meeresspiegel am Toten Meer befindet.     320 Arabah
Die unterirdische Grube Umm el-Amad (Mutter aller Säulen) im Kupferzentrum von Fenan zeigt heute noch deutliche Spuren der prähistorischen (vorzeitlichen) Kupfererzgewinnung. Die Abbaue erstreckten sich bis 20 m Teufe und bis 55 m Länge. Der Abbau erfolgte im Kammer-Pfeiler-Bau. Das Erz wurde untertage vorsortiert, das taube Gestein für den Bau von Stützpfeilern genutzt.
318 Umm
150–160.000 Tonnen Schlacke mit einem Alter zwischen 4500 und 2000 Jahren wurden auf den Abraumhalden rund um die Verhüttungsplätze im Wadi Arabah gefunden. Der Hauptteil der alten Kupferschlacken stammt aus der Eisenzeit IIC (700-587 v.u. Z.).Während dieser Periode war der Kupferbergbau von Fenan gleichbedeutend mit jenem auf Zypern. Im Verhältnis zu Ergani Maden, dem  bereits vor 5000 Jahren betriebenem Kupferbergwerk in Zentralanatolien, blieb Fenan allerdings weiterhin relativ klein. 
321 Kupferbergbau
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Kupferbergbau in Palästina  (vgl. Kupferbergbau im Wadi Arabah)
Zu Südpalästina sind Kupferobjekte in Nahal Mishmar (einem Tal am Toten Meer) und an weiteren Plätzen bereits für die Periode von 4500 bis 3500 v.u.Z. archäologisch belegt. In einer Höhle am Toten Meer fanden sich über 400 Kupferobjekte sowie mehrere Gegenstände aus Stein und Elfenbein. Das Kupfer enthielt in einigen Fällen einen hohen Arsenanteil. Es war dadurch härter und zugleich leichter zu gießen als das Kupfer der anderen Gegenstände. Viele der Kupferobjekte waren in Formen aus verlorenem Wachs hergestellt worden und gehörten damit zu den ältesten bekannten Objekten in dieser Technik. Die Gegenstände wurden um 3500 v.u.Z. hergestellt und sind somit der Kupfersteinzeit zugehörig. Die Herstellung erfolgte mehr als tausend Jahre vor dem Beginn der Kupferverarbeitung in Mesopotamien. 340 Mishmar
Das Kupfererz für das Herstellen der genannten kupfernen Gebrauchsgegenstände stammt vermutlich aus dem palästinensischen Wadi Arabah  bzw. aus Fenan.
Für die am gleichen Ort entdeckten kupfernen Prestige- und Prunkobjekte kam hingegen das einheimische Kupfererz nicht in Frage, da es kein Arsen enthielt. Entweder müssen diese Objekte selbst oder das zu ihrer Herstellung verwendete legierte Kupfer in Form von Erz oder Kupferbarren importiert worden sein.
Arsenhaltiges Kupfererz wurde zu jener Zeit nur im Ostiran abgebaut. und  verarbeitet. Härte und Glanz des arsenhaltigen Kupfers führten erst viel später dazu, daß man der Kupferschmelze zunächst ganz bewußt Arsen und schließlich Zinn beifügte, wodurch es zur gezielten Erzeugung von Bronze kam.     341 Forum
Angliederung Palästinas an Ägypten
Seit den Feldzügen der Thutmosidenzeit  waren sowohl große Teile Palästinas als auch Nubien als Provinzen an Ägypten angegliedert.     342 Angliederung 
Die Pharaonen Thutmosis I. bis Thutmosis IV. gehörten zur 18. Dynastie des Neuen Reiches und regierten mit einer Unterbrechung von 1504 bis 1388 v.u.Z.
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Kupferbergbau und -verarbeitung im Ägypten der dynastischen Zeit
Kupfererz in brauchbaren Mengen kam im ägyptischen Mutterland kaum vor.   Auch die Kupfererzlager im Sinai und in der östlichen Wüste sind aus heutiger Sicht für einen wirtschaftlichen Abbau nicht ausreichend.    322 Lucas
Das Gebiet des Wadi Maghara im Sinai, welches Kupferminen beherbergt, war erst durch Djoser, dem letzten König der 2. Dynastie, erobert worden. Ab der 3. Dynastie (Beginn 2707 v.u.Z.) kam es dann im Sinai und im Gebiet südlich des Toten Meeres zum Kupferabbau.    323 Helck
Während der 5. oder 4. Pharaonendynastie des Alten Reichs, in welchem von etwa 2707 bis 2216 v.u.Z. die 3. bis 6. Dynastie regierte, existierten im oberägyptischen Buhen Anlagen zur Kupferverarbeitung. Gefunden wurden Fragmente von Kupfererz sowie Schlacken in Verbindung mit roter Keramik fremder Herkunft. Diese Funde ließen darauf schließen, daß dort in den fraglichen Zeiten keine Metallgewinnung, sondern Verarbeitung andernorts gewonnener Metalle stattfand. 
Buhen war eine altägyptische Festung und Siedlung unterhalb des zweiten Nilkataraktes in Oberägypten (historische Landschaft Unternubien), nahe der heutigen Grenze zum Sudan.. Die Stadt wurde vor allem im Mittleren und Neuen Reich genutzt und hatte eine Ausdehnung von 215×460 m.   324 Buhen
Weitere Vorkommen von Kupfer wurden während des Mittleren Reiches (11. bis 12. Dynastie, etwa 2137 bis 1781 v.u.Z.) in der östlichen Wüste Ägyptens erschlossen. 
In den Inschriften früherer Perioden wurde kaum etwas von Anlagen und von Arbeitern zur Kupfergewinnung.berichtet. Damit scheidet Ägypten als Ursprungsland der aus prä- und frühdynastischen Perioden stammenden Funde von Kupfergegenständen aus.
Spätere textliche Quellen ergeben kein anderes Bild. Nur einmal wird in den ägyptischen Königsinschriften über eine Expedition gesprochen, die unter dem Pharao Sesostris III. (1878-1840 v.u.Z., Mittleres Reich) zum Wadi Maghara im Sinai geführt wurde, um von dort Malachit und Kupfer zu holen.
Dieser Feldzug wurde von manchen Forschern als Zeichen für ein Kupfervorkommen im Sinai gewertet, welches den Kupferbedarf Ägyptens decken konnte. Diese Vermutung fand anfänglich durch die im Sinai gefundenen Kupferschlacken Bestätigung. Jüngere Untersuchnungen haben jedoch ergeben, daß es sich bei dem am genannten Ort vermuteten Kupfervorkommen nur um Schlacken aus den Resten von Verschmelzungen handelt. [siehe Gardiner & Peet 1955, The Inscriptions of Sinai: 5.6.8.] Die Schlacken weisen zwar auf Kupferverarbeitung, aber nicht auf dortige Kupfergewinnung hin.   325 Lucas
Der Feldzug des Sesostris III. dürfte eher der Erbeutung von Lagerbeständen fertiger Kupferobjekte und -barren gedient haben. Wer diese angenommenen Lagerbestände anlegte, bleibt ungewiß.
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Demgegenüber gibt es in ägyptischen Quellen zahlreiche Erwähnungen von Kupfer fremder Herkunft. So wurde zum Beispiel das sogenannte asiatische Kupfer in mehreren Feldzügen der ägyptischen Könige als Beute heimgebracht.
326 Helck , 327 Forum
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Kupferbergbau in Timna und auf dem Sinai

[ ... ]
Das Bergbaurevier Timna liegt im südlichen Teil Negev-Wüste, ca. 25 km nördlich der Hafenstadt Elat (Golf von Akaba). und nahe der im Osten verlaufenden Grenze zu Jordanien. 

Die besten Beweise alter Kupferausbeutung im Sinai kommen von den  Minen und -Hüttenstandorten in Timna, die ausgegraben und bis ins Detail geprüft wurden. Dieses Bergbaurevier zeigt  die Gewinnung und örtliche Verhüttung von Kupfererzen und die allmähliche Entwicklung der angewendeten metallurgischen Prozesse vom vierten Jahrtausend an. 
Es gibt wenige Hinweise für kontinuierliche Ausbeutung des Sinai in der Ersten Zwischenzeit.des alten Ägypten.  Jedoch in der Elften Dynastie wurde der Bergbau  neu gestartet und in der zwölften Dynastie extensiviert, was zunehmend dokumentiert wurde. 
Der Kupferbergbau bei Timna scheint seinen Gipfel während der neunzehnten und zwanzigsten Dynastie er­reicht zu haben. Er repräsentiert, so weit die Entdeckungen reichen, das im größten Maßstab angelegte ägyptische Kupferbergbau-Unternehmen 

Die Timna-Minen sind im Grunde genommen eine Serie von zylindrischen Säulen , welche unterirdische Galerien miteinander verbinden. Die gegrabenen Gänge sind eng und niedrig. Sie liefern, obwohl miteinander verbunden, wenig Beweise von einer Gesamtstrategie des Abbaus oder von Kenntnissen über die Möglichkeiten der  Belüftung und der Wasserführung. 
329 Metals 

  • Kupferbergbau auf dem Sinai
Die besondere Rolle, welche Ägypten bei der Kupfergewinnung im Vorderen Orient spielte, kam in den ägyptischen Aktivitäten auf dem Sinai zum Ausdruck.  Die Sinai-Halbinsel gehörte seit der frühdynastischen Zeit zum Einfluss- oder Machtbereich des Alten Ägypten. 
Die Kupferbergwerke auf dem Sinai wurden vermutlich bereits um 5000 v.u.Z. in Betrieb genommen. Es wird angenommen, daß zu jener Zeit aus dem Osten und Norden gekommene Völker auf dem Sinai lebten, der wesentlich fruchtbarer war als heute. Die Menschen betrieben Jagd, Viehzucht und Fischfang; der Süden des Sinai war offenbar dicht besiedelt. 
Die als "Elat-Kultur" bezeichnete Periode (4500 - ca. 3500 v.u.Z.) und die anschließende "Timna-Kultur" (bis 2500 v.u.Z.) waren durch Kupfererzabbau und Kupferverarbeitung geprägt. Die Kupfererze der Sinai-Gruben enthielten hauptsächlich Malachit und Chrysokoll. 
Malachit ist ein häufig vorkommendes grünes bis dunkelgrünes, auch smaragdgrünes Mineral aus der Klasse der Carbonate und Nitrate. Die ausschließlich grüne Farbe ist für Malachit charakteris­tisch. Malachit entsteht als Verwitterungsprodukt in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstät­ten. Sein Kupfergehalt liegt bei 57 Prozent. Im Vergleich zu Glas ist Malachit relativ weich (Härtegrad 3,5 bis 4; Glas 5 bis 5,5).   330 Malachit

Chrysokoll (synonym Chrysokolla, Kieselkupfer, Kieselmalachit, Kupferkiesel, Kupfergrün oder Berggrün), tritt wie Malachit relativ häufig auf. Es ist ein kupfer­reiches, smaragd- bis blaugrünes Mi­neral aus der Klasse der Silicate und Germanate. Die Härte beträgt 2,4, damit ist Chrysokoll noch weicher als als Malachit. Chrysokoll geht  ebenso wie Malachit aus der Verwitterung anderer Kupfermineralien hervor. und befindet sich daher gleichfalls vorwiegend in Kupferlagerstätten. Das Wort Chrysokoll kommt von den griechischen Wörtern für Gold (chrysos) und kleben (kolla) und bedeutet Goldleim (ein Hilfsmittel für die antike Goldschmiedekunst).   331 Chrysokoll

Im Sandstein des Sinai war Kupfererz nicht besonders reichlich vorhanden. Um aus dem abgebauten Gestein das Kupfer zu gewinnen, mußten daher vor dem Verhütten umfangreiche und weitgehende Erzaufbereitungsarbeiten erfolgen.     332 Neuburger
Umschlagsort für den Weitertransport des in den Timna-Minen abgebauten Kupfererzes war der  am nördlichen Ende des Golfs von Aqaba (Rotes Meer) gelegene Hafen von Elat (synonym Eilat). Das Erz wurde auf Schiffe verladen und über das Rote Meer zu den ägyptischen Verarbeitungsplätzen verschifft. 
Vermutlich fanden ägyptische Expeditionen zum Kupferrevier von Timna schon in der vordynastischen Zeit Ägyptens (4. Jahrtausend v.u.Z.) statt, um das im ägyptischen Kernland rare und vor allem militärisch bedeutsame Kupfer zu beschaffen.
"The evidence for ancient copper mining and smelting by the Egyptians is twofold, first, the existence of ancient mines with ruins of mining settlements and ancient slag heaps, and second, inscriptions in the neighbourhood of mines left by mining expeditions.”
==>  "Beweise für alten Kupferbergbau und Verhüttung von Kupfererz gibt es in Ägypten zweifach: erstens das Vorhandensein alter Bergwerke mit Ruinen von Bergbausiedlungen und mit alten Schlackenhaufen, zweitens Inschriften, die von Bergbauexpeditionen in der Nachbarschaft von Bergwerken zurückgelassen wurden."
“Ancient workings, some of which are of considerable size, which admittedly  were either for copper ore or for turquoise, exist at Magharah and at Serabit el Khadim, both of which are situated in the south-west of the peninsula of Sinai and about twelve miles apart.”
==>  "Alte Arbeitsstätten, davon einige mit beträchtlicher Größe, bestimmt für Kupfererz oder für Türkis, existieren bei Maghara und bei Serabit el Khadim. Beide Orte liegen im Südwesten der Halbinsel Sinai,  etwa zwölf Meilen voneinander entfernt." 
333 Lucas
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Türkisgewinnung auf dem Sinai
Türkis ist ein relariv selten auftretendes, wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Phosphat aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“, welches auf dem Sinai in den von Basalt überlagerten Sandsteinen gefunden wird. Die grünblaue Farbe von Sinai-Türkis ist dunkler als die Farbe der Türkise aus Persien; das Material ist auch härter als dasjenige von vergleichbaren Türkisen anderer Fundorte. Türkis wird ausschließlich zu Schmucksteinen verarbeitet. 334 Türkis
Der Türkis gehört zu den ältesten Edelsteinen der Menschheitsgeschichte. Er wurde bereits vor dem Jahr 5000 von den Ägyptern als Schmuckstück und für Einlegearbeiten verwendet. Beispiele aus späterer Zeit sind vier mit Türkis belegte Gold-Armbänder der Ehefrau des zweiten Herrschers der Ersten Dynastie (3032-3000 v.u.Z.) sowie die mit Türkis ausgelegte Totenmaske des Pharao Tutenchamun. 
Die Halbinsel Sinai hatte bedeutende Türkislagerstätten. Im Südwesten des Sinai befanden sich auf einem ca. 650 km² großen Gebiet sechs Türkis-Abbaureviere. Die ältesten dieser Reviere waren Serabit el-Khadim und das Wadi Maghara. In Serabit el-Kadim lag eines der wichtigsten Zentren des Türkisabbaus, den vor allem die Pharaonen der 12. Dynastie an diesem Ort vorantrieben. Als Herrin des Türkises galt die Göttin Hathor, wie zahlreiche Votivstelen und eine in den Felsen geschlagene große Tempelanlage zeigen.
335 Türkisabbau
Bereits in der vordynastischen Zeit Ägyptens erfolgte auf dem Sinai, der als "Land der Türkise" bezeichnet wurde, die Suche nach dem kostbaren Mineral. Die Pharaonen aus der Zeit der Timna-Kultur (3500 - 2500 v.u.Z.) entsandten ägyptische Expeditionen in den Sinai, um dort Türkis abzubauen.    336 Biallas
Beginnend mit der Zeit der ersten ägyptischen Dynastien wurde  mehr als 2000 Jahre lang von ägyptischen Sklaven in den Maghara-Wadi-Gruben des Sinai nach Türkis geschürft.
Im Gebiet von Eilat am Golf von Aqaba gibt es Vorkommen eines Gemenges aus Türkis, Malachit und Chrysokoll.
In den alten Grubengebieten von Timna, die  etwa 40 km nördlich von Eilat liegen und zu den ältesten abgebauten Kupferlagerstätten der Welt gehören, wurde zu Beginn des dortigen Kupferbergbaus vermutlich auch Türkis gewonnen.   337 Türkisgruben
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Felsinschriften auf dem Sinai
  • In Maghara gibt es 45 Dokumente, davon 36 Felsinschriften, 8 Graffitis und eine Stele. Die Inschriften datieren sämtlich vom Alten und Mittleren Reich, davon die frühesten aus der 3. Dynastie.
  • Im Tal und in den Minen nahe Serabit el Khadim existieren 15 Dokumente, davon 13 Felsinschriften und zwei Stelen.. 10 Dokumente datieren aus der 12. Dynastie und 3 aus der 18. Dynastie.
  • Im Hathor-Tempel und in seiner Nähe befinden sich ungefähr 322 Inschriften, sämtlich in Form von losen Steinblöcken, Statuetten, frei stehenden Stelen sowie anderen Objekten, davon eine Anzahl von Inschriften auf Mauern und Säulen. Sie stammen sämtlich aus dem Neuen Reich, 18., 19. u. 20. Dynastie.
  • Im Wadi Nasb existiert eine einzelne Felsinschrift, stammend aus der 12. Dynastie. 
"The inscriptions in those instances where there is any reference to the nature of the activities undertaken fre­quently make mention of turquoise, but only once of copper, and they are very unsatisfactory for use as a history of Egyptian copper mining.
Thus the earlier ones (Third, Fourth and beginning of Fifth Dynasties respectively) merely record the names and titles of the Pharaohs, then reference to the leaders and officers of the expeditions are included (Fifth Dynasty) and at later dates statements of the objects of the expeditions.
Although there can be little doubt that all the expeditions were for the purpose of mining either turquoise or coppper ore, there is no direct proof of this from the inscriptions themselves in the case of the earlier ones, which might have been merely punitive expeditions, though they are believed to have been more." 
==>  "Die Inschriften mit Hinweisen auf häufig erfolgte Aktivitäten beziehen sich auf Türkis und nur in einem Fall auf Kupfer. Sie sind daher für die Beschreibung der Geschichte des ägyptischen Kupferbergbaus ungeeignet. 
Die frühen Inschriften (3., 4. und beginnende 5. Dynastie) dokumentieren die Namen und Titel der Pharaos und machen Angaben zu Expeditionsleitern und Beamten (5. Dynastie). Später gibt es auch Statements zu den Objekten der Expeditionen.
Obwohl es kaum Zweifel daran geben kann, dass all die Expeditionen dem Zweck dienten, entweder Türkis- oder Kupfererz abzubauen, enthalten die frühen Inschriften keinen direkten Beweis dafür. Somit könnte man annehmen, daß es lediglich Strafexpeditionen waren, obwohl man glaubt, daß es mehr gewesen ist."   338 Inschriften
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Biblische Bezüge zum Sinai
Der Sinai ist in der biblischen Überlieferung zu einem Großteil der Schauplatz des Pentateuch und anderer Stellen des Alten Testaments, betreffend die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, die Mosesgeschichte, die Geschichte vom Empfang der Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai und den Beginn der israelitischen Landeroberungen in Palästina. Geografisch ist zu unterscheiden zwischen der Halbinsel Sinai als Ganzes und dem im Süden dieser Halbinsel gelegenen Berg Sinai.  EGe


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Zur Wahl eines weiteren Kapitels

( 3 )   Gewinnen und Exportieren von Zinn

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Technische und wirtschaftliche Bedeutung des Zinns
Die am Ende der Jungsteinzeit stattgefundene neolithische Revolution bewirkte einen  qualitativen Sprung in der bis dahin relativ schleppend verlaufenen Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte. Ein charakteristisches Merkmal dieses Sprungs war das beschleunigte Voranschreiten beim Übergang vom Werkstoff  Stein zum metallischen Werkstoff  Kupfer. Damit entstanden neuartige Möglichkeiten der Herstellung und Nutzung von  Geräten zur Intensivierung der Landwirtschaft sowie von Ausrüstungen und Waffen zum Führen von offensiven und defensiven Kriegen. 

Mit der sich verbreiternden Nutzung von Kupfer zeigten sich gleichzeitig dessen Grenzen, die in dem sowohl für zivile Anwendungen als auch für kriegerische Auseinandersetzungen zu niedrigem Härtegrad des Kupfers bestanden. Das rasche Sichtbarwerden dieser Grenzen führte schnell zu dem Bemühen um Verbesserung der Nutzungseigenschaften kupferner Arbeitsgeräte und kupferner Waffen. 
Solange es keine hinreichenden Kenntnisse von den nutzbringenden Eigenschaften  weiterer Metalle gab,  mußten alle Schritte zur Verbesserung der Materialeigenschaften von Kupfer zunächst auf empirischer Basis erfolgen. Zufällige Entdeckungen spielten hierbei eine große Rolle.Auf diesem Wege erkannten die frühen Metallurgen nach vielen Schmelzversuchen, daß sich durch geringfügige Beigaben bestimmter anderer Metalle in die Kupferschmelze der Härtegrad des aus der veränderten Schmelze hervorgegangenen metallischen Stoffes spürbar erhöht hatte. Als besonders erfolgreich erwiesen  sich auf diesem Wege Beigaben von Arsen in die Kupferschmelze. In der Natur vorgefundene arsenhaltige Kupfererze führten bei ihrer Verhüttung zu ähnlichen Ergebnissen. Das somit veränderte Schmelzprodukt und das daraus entstandene legierte Metall gingen als "Arsenbronze" in die Geschichtsschreibung über die frühe Metallurgie ein.
Die Verwendung von Arsenbronze war jedoch nur von relativ kurzer Dauer, da sich an vielen Orten schon um 2000 v.u.Z. das Element Zinnals noch günstiger für das Zusammenwirken mit dem Kupfer erwies. Zinn wurde zur beständigsten und weitverbreitetsten zweiten  Komponente der neuen Legierung, die unter dem Namen "Zinnbronze" oder einfach "Bronze" bekannt ist. Die Zinnbronze wurde somit zum Namensgeber einer ganzen historischen Epoche, der "Bronzezeit".
 

 
Das Wort "Bronze" wurde im 17. Jahrhundert u.Z. aus dem italienischen "Bronzo" und später neuerlich aus dem französischen „bronce“ entlehnt. Im 14. Jahrhundert u.Z. war das Wort aus dem Orient kommend in die italienische Sprache gelangt. Die vorausgehende ethymologische Geschichte des Wortes ist unklar. Vermutlich läßt sich das Wort auf das persische "birinj" (Birindsch) zurückführen, was einfach Kupfer bedeutet. 347 Bronze
Nach der neolithischen Revolution als dem ersten qualitativen Sprung in der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte wurde mit der Durchsetzung der Zinnbronze als führendem metallischem Werkstoff  der zweite qualitative Sprung vollzogen, der in allen Ländern des Vorderen Orients umfassende wirtschaftliche, waffentechnische und kulturelle Veränderungen mit sich brachte. 
Zum dritten qualitativen Sprung in der Entwicklung der Produktivkräfte.kam es erst am Ausgang des 2. Jahrtausends v.u.Z., als das Eisen nach einer langen Anlaufphase den Werkstoff Bronze zunehmend vom führenden Platz unter den metallischen Werkstoffen verdrängte.   EGe
Weiteres über die Verbreitung der Bronzetechnologie siehe Kapitel 5, Abschnitt3.
  • Problematik der Zinnbeschaffung
Obwohl während der gesamten Bronzezeit das Zinn nur mit durchschnittlich zehn Prozent an der Kupfer-Zinn-Legierung beteiligt war, ermöglichte das thermochemische Zusammenwirken der beiden Metalle das Erzeugen eines völlig neuartigen Werkstoffes, mit dem die Gebrauchswerte metallischer Geräte und Werkzeuge spürbar erhöht  und die Kampfwerte metallischer Waffen und militärischer Ausrüstungen um ein Mehrfaches gesteigert wurden. 

Der großen Bedeutung des Zinns für die Herstellung der Zinnbronze und dem daraus resultierenden wachsenden Zinnbedarf stand in den Ländern des Vorderen Orients und in deren unmittelbar benachbarten Regionen das Fehlen von abbauwürdigen Zinnvorkommen gegenüber. Das benötigte Zinnerz  mußte aus den Bergwerken und Zinnseifen ferner Länder auf den Handelswegen zu Wasser und zu Lande im Austausch gegen andere Handelsgüter bezogen werden. 
Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen solcher Importe wurde nur dadurch auf ein wirtschaftlich erträgliches Maß gebracht, daß die zur Bronzeherstellung notwendigen zehn Prozent Zinn  relativ wenig waren im Vergleich zur neunfachen Menge an Kupfer in Form von Erzen oder Barren, die benötigt wurden, um zusammen mit dem Zinn brauchbare Zinnbronze herzustellen. 

Ob und in welchem Umfang  vorgefertigte, jedoch unbearbeitete Bronze aus anderen Ländern in Gebiete des Vorderen Orients importiert wurde, ist kaum bekannt.  Jedoch dürfte aus wirtschaftlichen und besonders aus militärischen Gründen die Eigenerzeugung von Bronze aus heimischem Kupfer und und das Beschränken auf Zinnimporte häufig den Vorrang vor dem Importieren fertiger Bronze besessen haben, auch wenn das zur Bronzeherstellung benötigte Zinn unter großenteils schwierigen Bedingungen aus weit entfernten Ländern herangeschafft werden mußte.         EGe

Zinn
Eigenschaften und Minerale
Zinn-Eigenschaften Zinn-Minerale
Symbol Sn (Stannum) Cassiterit (Zinnstein) SnO2
Moshhärte 1,5 (mit Fingernagel ritzbar) Stannin Cu2FeSnS4
Schmelzpunkt 231,93 °C
Siedepunkt 2602 °C  
348 Zinn

  • Typen von Zinnlagerstätten
Als Zinnlagerstätten gelten Erzvorkommen, die als wirtschaftlich bedeutsamste Komponente eines der beiden nutzbaren Zinnminerale führen: Cassiterit  (Zinnstein, SnO2) oder Stannin (Zinnkies, Cu2FeSnS4). 
Zinn wird im wesentlichen aus drei  Typen von Lagerstättengewonnen:
a) Ganglagerstätten, die an granitische Gesteine gebunden sind (Gegenwartsbeispiele Cornwall in England, südostasiatischer Zinngürtel mit Thailand und Malaysia);
b) Seifenlagerstätten (Seifen), in denen aus Graniten und assoziierten Lagerstätten stammender und durch Erosion freigelegter Zinnstein in Flüssen oder im Meer (Schelfgebiete) angereichert wird;
c) Ganglagerstätten, die an intermediäre Vulkanite und Porphyrytin-Systeme gebunden sind (vor allem in den südamerikanischen Kordilleren und in Bolivien).

Gegenwärtig kommen über 60% der Welt-Zinnproduktion aus dem Zinngürtel Südostasiens.     349 Lagerstätten

  • Ungenutzte Zinnlagerstätten
Im Alten Ägypten gefundene Zinnvorkommen  blieben ungenutzt, da es für Zinn keine Verwendung gab und die Herstellung von Bronze erst 500 Jahre später anfing. Die Zinnlagerstätten im Gebiet des heutigen Cornwall (britische Inseln) waren schon 1000 Jahre bekannt, bevor man mit ihrer Nutzung begann. [ Nach Angaben von Ernst Pernicka].    350 Zinnvorkommen

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Bedeutung von zentralasiatischem Zinn
Von ca. 3000 bis etwa 1000 v.u.Z  bestimmte die Legierung aus 90% Kupfer und 10% Zinn die Weiterentwicklung von Persien bis an die Adria.
 
 
"In den  2000 Jahren der Bronzezeit entstehen die ersten Städte und die großen Reiche, die Schrift und der Fernverkehr, die Monumentalarchitektur und die Kunst, es bilden sich die Königsideologie, differenzierte Gesellschaften und die Arbeitsteilung. Babylon, Assur, Mykene sind die Machtzentren, die Hethiter und Ägypter die Taktgeber der Weltgeschichte. Troja blüht auf und geht unter, der Friedensvertrag als Beendigung eines Krieges wird erfunden, der Austausch von Technologien und Ideen beschert der damaligen Welt  einen gewaltigen Fortschritt." 
350 Bronzezeit

"Bei der Suche nach der Initialzündung für diese Entwicklung steht als gemeinsamer Ausgangspunkt die Frage: Woher stammt das Zinn in den Bronzen des Alten Orients?  Denn: Kupfer  findet sich im östlichen Mittelmeerraum reichlich, aber weit und breit kein Zinn." 
Im Süden des Gebiets der zentralasiatischen Andronowo-Kultur wurde an zwei Stellen bronzezeitlicher Zinnbergbau nachgewiesen: Karnab / Cangali (Usbekistan) und Muschiston (Tadshikistan). Diese Orte liegen relativ dicht beeinander südöstlich vom Kaspischen Meer. Auf die alten Zinnbergwerke in Karnab wurde bereits 1950 von dem sowjetischen Archäologen Litvinskij hingewiesen. Im westlichen Ausland wurde seine damalige, nur in Russisch vorliegende Publikation allerdings kaum beachtet.      351 Zinnherkunft

Mit dem Hinweis auf die usbekischen Karnab-Bergwerke läßt sich die Frage nach der Herkunft des zur Bronzeherstellung notwendigen Zinns nicht beantworten.  Die dortigen Zinn-Minen waren erst von 1600 bis 800 v.u.Z in Betrieb, das heißt zu einer Zeit, als man im Alten Orient frühzeitliche Bronzegeräte schon längst herstellte oder hergestellt hatte. 
Zeitlich besser passen die Bergwerke bei Muschiston im benachbarten Tadschikistan, rund 150 km östlich von Samarkand, die bereits von ca. 2400 bis 800 v.u.Z in  Funktion waren.     352 Muschiston
  • Bronzezeitliche Zinnerzgruben im usbekischen Karnab
Das Dorf Karnab liegt etwa auf halber Strecke zwischen Samarkand und Buchara, südöstlich der Stadt Navoi. Das Bergbaurevier liegt 2,5 km nordöstlich des Dorfes in einer halbwüstenhaften Landschaft. Das Areal mit alten Gruben erstreckt sich über 1500 m Länge und 500 m Breite auf einer Meereshöhe von 450-500 m. Die Mächtigkeit der zinnführenden Quarzgänge schwankt zwischen einigen Zentimetern  und einem Meter. Das darin feinverteilte Mineral  Cassiterit (SnO2) ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Der Zinngehalt nicht abgebauter Erzgänge beträgt nicht mehr als 2%.
In den 40er Jahren des 20.Jahrhunderts u.Z. wurden im Revier Karnab etwa 20 Gruben mit alten Pingen kartiert. In einigen Grabungsobjekten befanden sich gut sichtbare Bergbaureste. 
 
Eine Pinge ist eine keil-, graben- oder trichterförmige Vertiefung, die durch Bergbautätigkeiten entstanden ist. Diese Vertiefungen entstehen häufig durch den Einsturz alter Tiefbaugruben, die in geringer Teufe betrieben wurden.
353 Pinge

Erzführende Gänge zweier in Karnab untersuchter Pingen waren von den alten Bergleuten fast völlig abgebaut worden. Die Untersuchungen gingen bis zum Grundwasserbereich ab 9,5 m Teufe. Gefunden wurden unter anderem mehrere Tausend Steingezähe  (Hämmer, Hacken, Klopfsteine). Eine weitere Pinge wurde bis zu einer Teufe von 17 m vollständig ausgegraben. Gefunden wurden mehrere Hundert Steingeräte.In Übergangszonen zu tieferen Sohlen wurden mittig in der Sohle deutliche  Schleifspuren festgestellt, die einen sicheren Hinweis auf Seilförderung und -fahrung darstellen.
In einer nahe gelegenen bronzezeitlichen Siedlung der Karnab-Bergleute wurden neben Keramikscherben und Steinschlägeln auch Erzbrocken mit hohem Zinngehalt gefunden.
Aus Bergbau und Siedlungen stammende Holzkohleproben ergaben für die gefundenen Artefakte, daß sie aus der Zeit zwischen 1700 und 800 v.u.Z. stammen.       354 Mittelasien

  • "Bronze-Erz" aus dem tadschikischen Muschiston
Die Lagerstätte von Muschiston liegt in NW-Tadschikistan südlich des Zeravschan-Tals in 3000 m Höhe. Die hydro­thermalen Erzgänge sind zwischen devonischen Kalken und Schiefern eingebettet.

In einem Erz-Handstück, welches den Archäometallurgen Parzinger, Pernicka und Weisgerber bei einem Arbeitsbesuch 1992 in Mushiston von dortigen Bergleuten  vorgezeigt wurde, traten neben dem Primärerz Stannit (Cu2FeSnS4) noch die Erze Varlamoffit (Sn,Fe))(O,OH)2 und Muschistonit (Cu,Zn,Fe)Sn(OH) auf. Muschistonit war erst 1984 auf der namengebenden Lagerstätte entdeckt worden. Außerdem wurden vor Ort die Kupfererze Malachit und Azurit sowie das Zinnerz Cassiterit festgestellt.
Sieben Jahre danach (1999) wurde in einem im Metallurgielabor der Freiberger Bergakademie vorgenommenen Schmelzexperiment  aus dem "Muschiston-Erz", in welchem Kupfer und Zinn in vergesellschafteter Form vorhanden waren, ein nur aus Bronze bestehender Regulus (Regulus - aus Erzen ausgeschmolzener Metallklumpen)   gewonnen. Damit wurde nach Mitteilung der Experimentatoren demonstriert, daß  Zinnbronze direkt aus entsprechenden Erzen erschmolzen werden kann
siehe auch Kapitel 5 Abschnitt 9
 

 
Die Schlußfolgerung aus dem Schmelz-Experiment lautete, daß Bronze schon vor dem Beginn der Bronzezeit in der Natur im fertigen Zustand vorgefunden werden konnte und nicht erst von Menschen erfunden werden mußte. Womöglich erkannten frühe Metallurgen die Vorteile dieser "Bronze-Erze" und kopierten die Natur einfach ab (vgl. Forscher-Porträt Ernst Pernicka, Spektrum der Wissenschaft Mai 2009, S.62 und 64). Die wissenschaftliche Beantwortung der mit dieser These verbundenen Fragen steht nach Einschätzung des Autors Wolfgang Korn noch aus (siehe 355).    355 Muschiston , 356 Regulus

Eine Radiokarbonanalyse noch erhaltener Holzstämme ergab für den Grubenausbau in Muschiston  eine Datierung zwischen 2100 und 1000 v.u.Z., das heisst während der Bronzezeit. 


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Zinnhandel im Alten Orient
Durch ihre geographische Lage im Südwesten Mittelasiens, d.h. direkt an den alten Handelswegen in den Alten Orient, sowie durch den Umfang des Erzabbaus waren die Zinnbergwerke von Karnab und Muschiston potentielle Lieferer für die frühstädtischen Kulturen. 357 Cierny 
Alte babylonische Quellen berichten von einem "Zinnland weit im Osten". ( ZDF-Sendung "terra-x" vom 7.8.2008 )
  • Weitertransport des Zinns vom Abbau-Ort Karnab
Die etwa 800 Gruben von Karnab erstreckten sich über fast zwei Quadratkilometer. Jede Abbaustelle in Karnab lieferte pro Jahr rund eine Tonne Zinn.
Eselskarawanen brachten das Zinn, wie Keilschrifttafeln belegen, über 2000 km unwegsames Gebiet zu den Handelsmetropolen in Mesopotamien. Wichtigster Umschlagplatz war Babylon. Von dort ging es weiter zum Hafen Ugarit am Mittelmeer. 
Die weitere, über See führende Handelsroute wird am Beispiel des Schiffes "Uluburun" (siehe unten) und seiner im Schiffswrack gefundenen Ladung nachvollzogen. Von Ugarit ging die Fahrt über Zypern (Laden von Kupferbarren) nach Kreta und Mykene (Ladeort für Keramikkrüge). Danach weiter per Schiff nach Troja und ins Schwarze Meer. Von da nach Ägypten (Übernahme von Glasbarren) und zurück nach Ugarit (Tausch von ägyptischem Glas gegen weiteres Zinn). Die Länge einer solchen Fernhandelsrundreise mit dem Schiff betrug ca. 1700 Seemeilen.    358 Seehandelsweg
Assyrische Texte aus dem frühen 2. Jahrtausend  v.u.Z berichten über Zinntransporte via Susa. Gelegen an der südöstlichen Grenze Mesopotamiens zum persischen Hochland war Susa das natürliche Ziel aller Karawanen aus Zentralasien.
Im Zeravschan-Tal (nahe Muschiston in Tadshikistan) freigelegte Knochen von Pferden und Kamelen zeigen, daß für den Erztransport erforderliche Lasttiere vorhanden waren.    359 Handelsweg
  • Zinnbeschaffung durch Fernhandel
Die meisten Kulturgruppen mußten Fernhandelsbeziehungen aufbauen, um sich das für die Bronzeherstellung notwendige Zinn zu beschaffen. Das galt beispielsweise auch für ganz Südosteuropa, in dem es, von kleineren Vorkommen in Ostserbien abgesehen, keine Zinnlager gab. Darum mußte das Metall aus Böhmen, der Türkei oder vom Ural beschafft werden.
Mitte des 2. Jahrtausend v.u.Z wurde dann mit dem Eisen ein neues Metall entdeckt, das nicht legiert werden mußte und in vielen Teilen Europas zu finden war.    360 Fernhandel
  • Fernhandelsgüter und Zielhäfen
Ende des 14. Jahrhunderts v.u.Z sank vor der Südküste Kleinasiens im Sturm ein mit Handelsgütern beladenes Schiff,  dessen Wrack später nach dem nahen Küstenort "Uluburun" benannt wurde. Unterwsserarchäologen bargen in der Gegenwart von Bord des Schiffswracks folgende Güter:
 
 *  mind. 350 kg azurblaue Glasrohlinge, gefertigt in Ägypten;
 * zwei Dutzend Keramikkrüge aus Mykene;
 * neun Tonnen Kupfer in 354 Ochsenhautbarren. Maße je Barren:  60x45 cm, Gewicht 29 kg. 
Herkunftsland: Zypern (lt. aufgeprägtem Stempel);
 * eine Tonne Zinn   361 Uluburun

Auffällig ist an obiger Liste das Gewichtsverhältnis der Schiffsladungen von Kupfer und  Zinn wie 9 zu 1. Das entspricht dem üblichen Gewichtsverhältnis von 9 zu 1 in der Kupfer-Zinn-Schmelze beim Herstellen von Zinnbronze.  EGe

  • Handelsbeziehungen Ägyptens
Im Laufe des 3. Jahrtausends gewann der Import von Holz, speziell Zedernholz, zunehmende Bedeutung. Wichtigster Umschlagplatz für die Ägypter war die Hafenstadt Byblos. Von hier aus wurde auch das für die Mumifizierung wichtige Pech nach Ägypten verschifft. 

In der Amarna-Korrespondenz wird von Kupferlieferungen aus Zypern bereichtet. Dieser für die Spätbronzezeit ungemein wichtige Rohstoff wurde zu Beginn des Neuen Reiches noch durch Überseehandel beschafft und nur bedingt aus Serabit el-Chadim (Westsinai) importiert. Erst mit dem Eröffnen der Kupferminen von Timna in der 19. Dynastie und mit dem industrialisierten Ausbeuten der dortigen Ressourcen unter Ramses II sicherte sich Ägypten eine unabhängige Versorgung mit Kupfer. 

In der 12. Dynastie kam es zur Intensivierung der Handelsbeziehungen mit der Levante. Staatlich organisierte Handelsexpeditionen erschlossen für Ägypten den direkten Zugang zu fehlenden Rohstoffen wie Blei, Zinn, Bronze und Silber. Zur Drehscheibe des Güteraustausches wurde Byblos. Ägypten exportierte dafür Gold (als Rohstoff und in verarbeiteter Form), feines Leinen, Papyrus u.a.    362  Handel 


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Zur Wahl eines weiteren Kapitels

( 4 )   Gewinnen von Nichteisenerzen in weiteren Ländern und Gebieten des Vorderen Orient
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  • Gold und Kupfer aus Nubien
Das nubische Gebiet jenseits der traditionellen ägyptischen Südgrenze im Bereich der Nilinsel Elephantine am Ersten Katarakt stand schon früh im Blickpunkt pharaonischen Machtinteresses. Nubien besaß einerseits selbst wertvolle Rohstoffe und Produkte, welche die Aufmerksamkeit der ägyptischen Herrscher weckten, andererseits bildete es einen langgestreckten Korridor zu den nicht minder attraktiven  exotischen Handelsprodukten Innerafrikas.

Bereits für die Frühzeit und das Alte Reich sind militärische Vorstöße nach Unternubien überliefert. In gezielten Einzelaktionen drangen ägyptische Truppen in ihr Nachbarland ein, um mit großen Mengen an Rohstoffen, Menschen und Vieh zurückzukehren. ... Neben Menschen und Vieh waren es wertvolle Rohstoffe, welche die Ägypter immer wieder nach Nubien führten. An erster Stelle stand das Gold, dessen Abtransport nach Ägypten schon in der 3. Dynastie anhand der Titulatur  eines hohen Militärs von Elephantine deutlich wird.  Dieser war unter dem König Sechemset nicht nur Festungskommandant, sondern such "Siegler des Goldes von Elephantine". Die Doppelfunktion dieses Beamten weist auf die primäre Aufgabe Elephantines als militärisch gesicherter Goldumschlagplatz hin.

Neben Gold lockten in Nubien auch Hartgesteine (z.B. der mindestens seit der 4. Dynastie abgebaute Diorit) sowie Kupfererze, deren Verhüttung während der 4. und 5. Dynastie in Buhen nachgewiesen ist.    339 Nubien


  • Kupferinsel Zypern
Zypern (griech. Kypros, latein. Cyprus) war im hethitischen Reich  sowie in Ugarit als Alasija bekannt. Bodenschätze Zyperns waren bzw. sind Kupfer, Asbest, Marmor, Pyrit (Minen), Gips, Salz, Tonerde (an den Stränden). Seit der Bronzezeit belieferte Zypern das östliche Mittelmeer mit Kupfer.
Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Geografisch gehört Zypern zu Asien; geologisch liegt es auf der Anatolischen Platte. Die erste ständige Besiedlung der Insel erfolgte von Syrien aus während der Jungsteinzeit im 
9. Jahrtausend v.u.Z. 
Die Insel Zypern war ehemals dicht bewaldet (waldreichste Insel im gesamten Mittelmeer.), auch die Ebenen waren  mit Wald bedeckt. (nach Mitteilung von Eratosthenes). In der Gegenwart ist Zypern noch zu 17 % bewaldet (Waldgebiete von Troodos und Pentadaktylos). 
Baumbewuchs auf Zypern: Im Troodos (Zyperns “Schwarzwald”) wachsen Erlenblättrige Eichen,  Aleppo-Kiefern, Pinien, Platanen, Zedern und Steineichen. Im übrigen wird das Inselbild von Zypressen, Olivenhainen und Johannisbrotbäumen geprägt.    343 Zypern

  • Kupfergewinnung im Oman
“Ein ganzer Berg wurde in ein Tal verwandelt, das von der Schlacke der alten Kupferöfen bedeckt ist; nichts wurde von dem harten Fels übrig gelassen als die Öffnung (Foto!), durch die die damaligen Bergleute in den ehemaligen Berg vorgedrungen waren. 
46 frühgeschichtliche Kupferminen hatten die Erzsucher im Norden des Oman aufgespürt, und allein diese eine hatte geschätzte 100.000 Tonnen Schlacke hinterlassen.”      344 Heyerdahl
Oman
Südöstlicher Teil der arabischen Halbinsel, in der Gegenwart im Westen landseitig begrenzt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jemen; seeseitig vom Golf von Oman (nordöstliche Küste) und vom Arabischen Meer (südöstliche Küste).  Hadschar-Gebirge (Länge 600 km, höchste Erhebung 3.017 m).
Bäume und Sträucher im Oman: Dattelpalmen, Dornsträucher (in Wüsten und Halbwüsten); Akazien, Maulbeerfeigen, Jasmin (an feuchten Gebirgshängen); Weihrauchbaum (auf den Karabergen). Ab 1000 m Höhe:Wacholder, Ölbäume, Zedern, Euphorbien (Wolfsmilch).  Euphorbien sind ungewöhnlich vielgestaltig. Sie bilden einjährige oder ausdauernde, überwiegend krautige Pflanzen oder verholzende Sträucher oder Bäume  (siehe Wikipedia).. 
Das Territorium des  heutigen Oman war bereits in der Steinzeit besiedelt.
In der Gegenwart wird im äußersten Nordosten des Oman Kupferbergbau betrieben. Im Osten des Landes befinden sich unweit von Sur unerschlossene Steinkohlevorkommen.     345  Oman
Ausführliches zum Thema "Kupfergewinnung und Holzkohle im Oman" siehe den Abschnitt (2) "Holzkohlenerzeugung und -anwendung"  im Teil I der vorliegenden Studie.

  • Abbau von Blei- und Silbererz
Neben den Kupfer- und Zinnerzen nahmen in der Bronzezeit auch die Silber- und Bleierze an Bedeutung zu, wenngleich das Blei in der vorrömischen Zeit noch eine wirtschaftlich unbedeutende Rolle spielte. Erst in römischer Zeit wurden Hunderttausende Tonnen Blei verhüttet, verarbeitet und hauptsächlich im Baugewerbe und im Schiffbau eingesetzt.
Bedeutende Reviere für Bleierz und Silbererz befanden sich auf der Ägäisinsel Siphnos und im griechischen Laureion an der Südspitze Attikas.(Blütezeit 5./4.Jh. v.u.Z.). Später kamen die Blei- und Silbererzvorkommen Hispanias (Carthago Nova, Sierra Morena), Britanniens und Sardiniens hinzu (Der Höhepunkt in Sardinien war vermutlich im 4.Jh. u.Z.).
Oft fiel Blei nur als Nebenprodukt bei der Silbergewinnung an, denn in der Antike wurde der größte Teil des Silbers aus silberreichen Bleierzen erschmolzen.     346 Silbererz


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( 5 )   Gewinnen von Eisenerz im Vorderen Orient

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Anfänge der Eisengewinnung und -nutzung
Um 4000 v.u.Z. erfolgten in in Sumer und Ägypten, wie entsprechende Funde belegen, praktische Nutzungen von gediegenem Eisen, das als Meteoreisen in der Natur vorhanden war.  Das Eisen wurde hauptsächlich für Dekorationen und Speerspitzen verwendet. 

Im Zeitraum zwischen 3000 und 2000 v.u.Z. wurde in Mesopotamien, Kleinasien und Ägypten begonnen, Eisen durch Verhüttung von Eisenerz herzustellen. Vom Meteoreisen unterscheidet sich das aus irdischem Eisenerz gewonnen Eisen dadurch, daß es kein Nickel enthält. Das durch Verhüttung gewonnene Eisen war wertvoller als Gold und wurde vermutlich nur für zeremonielle Zwecke genutzt. Möglicherweise entstand dieses Eisen in Form von Eisenschwamm auch als Nebenprodukt bei der Bronzeherstellung.

Zwischen 1600 und 1200 v. u.Z. kam es zur verstärkten Nutzung von Eisen, gefördert durch eine von den Hethitern entwickelte Methode zur besonders wirtschaftlichen Eisenherstellung. Zugleich blieb die Bronze auch gegenüber dem Eisen der dominierende Werkstoff. Die Eisenproduktion war zu dieser Zeit weitgehend ein Monopol des Hethitischen Reiches und ein Faktor von dessen wirtschaftlichem und militärischem Aufstieg. Mit dem ab 1200 v.u.Z. beginnendem Untergang des Hethitischen Reiches konnte sich das Wissen um die Eisenproduktion im gesamten Vorderen Orient und allmählich auch in Europa verbreiten. Es begann der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit

Wesentlicher Grund für das Vordringen des Eisens in andere Länder war die Überlegenheit eiserner Rüstungen und Waffen gegenüber den aus Bronze hergestellen Ausrüstungen. Auch der ständige Mangel an dem zur Bronzeherstellung erforderlichem Zinn leistete dem Übergang zur Eisenzeit Vorschub.   363 Eisen


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Eisengewinnung in Ägypten
  • Ägyptische Eisenerzlagerstätten
"There are abundant supplies of iron ore in various parts of Egypt and in the Sinai peninsula. Iron ores (including magnetide and haematite as well as accessory minerals such as jasper) are found at Wadi el-Dabba in the Eastern Desert. Baharyia Oasis in the Western Desert, almost on a latitude with el-Minya, is an important iron-ore source today, supplying haematite, limonite and goethite."
==> Umfangreiche Lagerstätten von Eisenerz gibt es in verschiedenen Teilen von Ägypten und auf der Sinai-Halbinsel. Eisenerze (inklusive Magneteisenstein und Roteisenstein sowie Zusatzminerale wie Jaspis) werden auch im Wadi  el-Dabba in der Ostwüste gefunden. Die Bahariya-Oase in der Westwüste, fast auf gleicher geografischer Breite wie el-Minya, ist heute eine wichtige Eisenerzressource, welche Roteisenstein, Limonite und Goethite liefert.
364 Eisenerz 
  • Beginn der Eisengewinnung in Ägypten
"The impetus for iron production might well have derived from copper smelting.It is noted above that iron minerals were added to copper ores as fluxes to aid the smelting process. These could result in copper -iron al­loys. However, iron with more than a minute trace of copper becomes unworkable and the true link, if any, between copper and iron production remains in doubt. Another possible link is between the introduction of red iron-based glazes, such as the red faience that appears in New Kingdom Egypt, and the development of iron ore smelting. 
By the second half of the second millennium BC, iron was beginning to come into more common use, perhaps mainly deriving from the Hittite world."
==> Der Impuls für Eisenproduktion könnte von der Kupferverhüttung gekommen sein.  Es ist bekannt, daß den Kupfererzen als Flußmittel Eisenminerale hinzugefügt wurden, um den Hüttenprozess zu unterstützen. Das könnte zu Kupfer-Eisenlegierungen geführt haben. Jedoch kommt es bei mehr als einer winzige Spur von Kupfer zu keiner echten Verbindung zwischen den beiden Metallen und ein wirklicher Zusammenhang zwischen Kupfer- und Eisenproduktion bleibt im Zweifel.
Eine andere mögliche Verbindung besteht zwischen der im Neuem Königreich Ägypten erfolgten Einführung von roten eisenbasierten Lasuren wie der roten Fayence und der Entwicklung des Schmelzens von Eisenerzen. 
Seit der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausend BC kam Eisen, vermutlich hauptsächlich von der hethitischen Welt ausgehend, in zunehmend allgemeineren Gebrauch.    365 Eisengewinnung 
  • Stahlerzeugung im Vorderen Orient
"Steel was beeing produced in parts of the ancient Near East by the closing centuries of the second millenni­um BC. A process termed "carburisation" adds carbon to the iron which thus provides a "steel" which can be quench-hardened  and tempered to considerable hardness.
There are sporadic examples from about the middle of the second millennium BC onwards. Studied examp­les include a pick from Palestine, identified as carburised, quenched and tempered which has been  securely dated ti the twelfth century BC."
==> Stahl wurde in Teilen des alten Nahen Ostens in den letzten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends BC produziert. In einem als "carburisation" bezeichneten Prozess wird dem Eisen Kohlenstoff hinzugefügt und durch Abschrecken und Tempern zu sehr hartem "Stahl" umgewandelt..Beispiele von Funden, darunter ein Spitzhacke aus Palästina, die als carburisiert, abgeschreckt und gehärtet identifiziert wurden, konnten auf das 12. Jahrhundert BC datiert werden.      366 Stahl
Ein wesentlicher Faktor für die Überlegenheit von eisernen gegenüber bronzenen Waffen bestand in der Verstählung des Eisens durch Zuführung von Kohlenstoff (mittels Holzkohle) während der Eisenverarbeitung. Es bildete sich ein zumindest oberflächlicher Stahl, der durch vorsichtiges und sorgfältiges Abkühlen in Wasser oder Öl zu einem der Bronze hinsichtlich Elastizität und Härte weit überlegenen Werkstoff wurde.   367 Eisen


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( 6 )   Bergbautechnik

  • Vordringen in die Tiefe
Abbau von Erzen begann in der Antike stets als Tagebau, wobei der älteste Bergbau nur den erzführenden Schichten oder Gängen folgte.Die auf diese Weise geschaffenenen Grubenbaue  dienten gleichzeitig noch dem Ein- und Ausfahren der Bergleute), dem Fördern des Erzes und Zuführen von Frischluft (Bewetterung). 
Da Bewetterung und Wasserhaltung natürliche Grenzen setzten, erreich­ten Bergwerke der Bronzezeit nur selten Schachttiefen (Teufen) über 25 m. Bronzezeitliche Tagebaue sind neben gleichfalls geringen Teufen ausserdem gekennzeichnet durch unregelmässige Formen und durch zumeist  kleine Querschnitte von Stollen und Schächten.
In grössere Teufen (zunächst bis 130 m) begannen die Bergleute erst in griechisch-römischer Zeit vorzudringen. Die Römer erreichten im Revier von Mazzaron (Hispania) eine Teufe von 340 m. 

Die Beschaffenheit der Schachtwände war in der Frühzeit des Untertagebergbaus meist sehr grob, da die verfügbaren Gezähe aus Stein oder Kupfer bestanden. Im Gegensatz dazu stehen die späteren, sauber gearbeiteten glatten Wände von Schächten, die im Bergbaurevier des griechischen Laureion mit eisernen Werkzeugen niedergebracht wurden.

  • Grubenentwässerung
Mit wachsender Teufe vergrösserte sich das Problem, das auf natürliche Weise eingedrungene Grubenwasser zu sammeln und an die Erdoberfläche zu bringen. Es war eine grosse Herausforderung an die Bergleute, hervorgerufen durch die Wasserzuflüsse von der Erdoberfläche, die Höhe des Grundwasserspiegels in der Grube und auch von dem im Verlauf der Jahrhunderte schwankenden Meeresspiegel. 
Im prähistorischen und bronzezeitlichen Bergbau spielte die Ableitung der Grubenwässer noch eine untergeordnete Rolle, weil man im allgemeinen nicht unter den Grundwasserspiegel vordrang. Das änderte sich mit den grösseren erreichten Teufen in der griechisch- römischen Periode. 

Für das maschinelle Zutagefördern von Grubenwässern kamen verschiedene maschinelle Hilfsmittel zum Einsatz. Dazu gehörten die Haspel (mit Seil und Wassergefäß), das Becherhebewerk (Endloskette mit daran befestigten Behältern aus Kupfer, Bronze, Ton oder Holz), das Wasserschöpfrad, die Archimedische Schraube und ab dem 2. Jh. v.u.Z. die Druckwasserpumpe (in Carthago Nova aus reinem Blei gefertigt). 

Die Archimedische Schraube war die meist verbreitetste Wasserhebemaschine in der Antike. Sie besaß die Form einer Schraube oder Schnecke. und wurde auch Ägyptische Schraube genannt, da sie Archimedes bei einem Besuch in Ägypten erfunden hat. In einem spanischen Bergwerk wurden Schrauben von 4,2 m Länge und 0,6 m Durchmesser gefunden, die Fundorte lagen zwischen 40 und 200 m Tiefe. Die Schraubenläufe waren in Pech getränkte und mittels Holzbolzen oder Bronzenägeln in der Achse verankerte Holzschindeln. Das Wasserfördern erfolgte durch Drehen der Schraube, der Antrieb geschah durch Treten mit den Füßen. Die Förderleistung betrug 10.000 l pro Stunde und Mann (bei einem angenommener Neigungswinkel von 29° und einer  Förderhöhe von  1,16 m). Wegen der relativ niedrigen Förderhöhe wurden je nach der insgesamt zu bewältigenden Höhe mehrere Schrauben in der Höhe gestaffelt eingesetzt. Zum Einsatz kamen Archimedische (Ägyptische) Schrauben ab Ende des 2. Jh. v.u.Z.. 368 Bergbau

  • Bergmännische Werkzeuge
Für das Vordringen zum Erzkörper (Erzaufschluss) und für die eigentliche Erzgewinnung kamen hauptsächlich Schlägel und Eisen sowie zum Zermürben des Gesteins auch das Feuersetzen zur Anwendung.
Die Gezähe (Werkzeuge des Bergmanns) bestanden im Chalkolithikum und in der Bronzezeit vorwiegend aus hartem Gestein wie Basalt, Diorit oder Granit. Auch Kupferlegierungen wurden verwendet. 
In der nachfolgenden griechisch-römischen Periode wurden für den Vortrieb zur Lagerstätte und für den Erzabbau fast ausschließlich eiserne Gezähe genutzt. Bei hartem Gestein und zum Arbeiten in engen Räumen vor Ort kamen vorwiegend Bergeisen und Schlägel sowie Keil, Meissel und Fäustel zur Anwendung.

Das Bergeisen war ein keil- oder meisselartiges Werkzeug, welches mit einem Stiel gehalten wiurde. Es  musste während einer Arbeitsschicht mehrmals vom Stiel gelöst und gewechselt werden, weil die eiserne Spitze schnell stumpf wurde und vom Schmied wieder geschärft werden musste. Plinius berichtet vom Arbeiten mit "eisernen Keilen und eisernen Hämmern". 369 Plinius 
Die meisten der genannten Arbeitsweisen und Werkzeugformen wurden vermittels steinerner und anderer nichtmetallischer Werkzeuge (z.B. Teile von Geweihen) bereits im Feuersteinbergbau des Neolithikums angewendet. 370 Feuerstein

  • Feuersetzen
Das Feuersetzen war ein Verfahren, um mittels großer Hitze das vor Ort anstehende Gestein mürbe und rissig zu machen und somit leichter abräumen zu können. Dazu wurden vor Ort Holzscheite passender Länge auf­geschichtet und angezündet. Der Vorgang musste teilweise mehrmals wiederholt werden. Durch das Erhitzen dehnte sich das Gestein. Die entstehenden thermischen Spannungen bewirkten schließlich den erwünschten Zermürbungseffekt. 

Nachteilig  beim Feuersetzen war der große Verbrauch an Holz. Deshalb wurde diese Methode vermutlich vor allem in holzreichen Gegenden angewendet. Holzkohle kam als Brennmaterial nicht in Frage, da bei ihrer Verbrennung Kohlenstoffdioxid entstand, welches in hoher Konzentration bei Mensch und Tier zum Erstickungstod führte. 
 Der hohe Sauerstoffverbrauch des Feuers, das Freisetzen von Kohlendioxid und hochgiftigem, geruchlosen Kohlenmonoxid, die starke Rauchentwicklung und die mehrere Tage nach dem Feuersetzen noch andauernde große Hitze zwangen zu oft mehrtägigen Unterbrechungen der Arbeiten unter Tage. 
Zum Abziehen des beim Feuersetzen entstehenden starken Rauches waren  außerdem entsprechend viele Wetterschächte erforderlich.   371 Feuersetzen

  • Stollen, Strecken und Weitungen
Stollen sind langgestreckte Grubenbaue mit unterschiedlichem Profil, die von Übertage aus zu einem Erzvorkommen oder zu einem Schacht führen, während als Strecken gleichfalls langestreckte Baue bezeichnet werden, die jedoch nicht von Übertage ausgehen und meist in der Streichrichtung eines Erzvorkommens verlaufen. Im prähistorischen und bronzezeitlichem Bergbau wurden Stollen und Strecken direkt im Erzkörper aufgefahren. Neben dem Tagebau zählten im Erzkörper angelegte Stollenbauten vermutlich zur ältesten Art des Bergbaus.

Unregelmässige Profile und sehr geringe Querschnitte der Stollen und Strecken unter Tage weisen auf mögliche prähistorische Häuerarbeit hin. Stollenprofile in hochstehenen Rechtecken oder Ellipsen treten in der Wende vom Chalkolithikum zur Bronzezeit auf, was auf einen Übergang von der liegenden zur kauernden Stellung der Häuer hindeutet. 
Bronzezeitliche Stollen und Strecken weisen in der Mehrzahl geringe Abmessungen auf. Zum Beispiel gab es in den altägyptischen Bergwerken von Gebel el-Zeit Stollenbreiten von 60 bis 100 cm bei Stollenhöhen, die kaum einen aufrechten Gang ermöglichten. Daneben gab es aber auch grosse Profile von 1,4 x 2,4 m.

Auch in den römischen Bleigruben Hispanias existierten Stollen und Strecken, in denen die Hauer ihren Abbauort nur kriechend erreichen konnten. Es wird vermutet, dass in solchen Gruben Kinder arbeiten mussten.
Die deutlichsten Unterschiede zwischen prähistorischem und griechisch-römischem Bergbau zeigen sich bei den Längen von Stollen und Strecken sowie bei der Tiefe der Teufen. In prähistorisch-bronzezeitlichen Bergwerken waren Stollen und Strecken zwischen 5 und etwa 40 m lang, während es in den römischen Gruben Hispanias Längen von 400 bis 870 m gab. Gefunden wurde dort sogar ein Querschlag von 1170 m Länge..

Zur Erzgewinnung wurden in dem anstehenden Erzkörper Weitungen gehauen, das waren kammerartige Grubenhohlräume von unregelmässigen Formen und Abmessungen. In den Revieren von Carthago Nova und Laureion erreichten solche Weitungen Abmessungen von 36 x 25 x 20 m bzw. Grund­flächen von über 1000 m². Zum Schutz vor Einstürzen ließ man in solchen Weitungen Sicherheitspfeiler stehen.

  • Grubenausbau
Unter Grubenausbau versteht man Stützelemente aus Holz und Stein zur Offenhaltung bergmännischer Hohlräume als Schutz gegen Steinfall. Der Grubenausbau wurde hauptsächlich im Untertagebau angewendet, speziell bei Stollen, Strecken und Weitungen im wenig festen Gebirge (z.B. Schiefer, Sandstein oder Kalk). 

Im frühen und bronzezeitlichen Bergbau wurden die Gruben nur selten künstlich ausgebaut. Als häufigster Schutz gegen Steinfall dienten stehen gelassene Pfeiler aus Erz oder Nebengestein. Aus der frühen Bronzezeit (ca. 2700 v.u.Z.) lassen sich zum Schutz vor Steinschlag auch künstlich zu Pfeilern aufgetürmte Geröllstücke nachweisen. Aus der mittleren Bronzezeit ist vereinzelt auch hölzerner Grubenausbau bekannt. 
Ab der Mitte des 1, Jahrtausends v.u.Z. gehörte einfacher künstlicher Grubenausbau dann zur üblichen Bergbautechnik, wie zum Beispiel eine ganze Reihe von erhalten gebliebenen Holzstempeln zeigt. [Weisgerber 1990]. Zur Pflicht wurde der Grubenausbau mit der römischen Bergbaugesetzgebung unter Kaiser Hadrian (2. Jh. u.Z.).

Als notwendig erkannter Grubenausbau wurde vorzugsweise in Holz ausgeführt.Der Vorteil des Holzes lag im gegenüber Stein relativ niedrigem Gewicht und in der guten Anpassungsfähigkeit an die örtlichen Verhältnisse unter Tage.Außerdem war Holz bis zu einem gewissen Grad elastisch und konnte dadurch dem Bergdruck etwas nachgeben. Bei bestimmten Hölzern warnten fein unterscheidbare Knistertöne rechtzeitig vor einem bevorstehenden Bergrutsch.

Der Holzbedarf für einen vollständigen Grubenausbau war enorm. .Zusammen mit dem Bedarf an Holzkohle für die Erzverhüttung und die anschließende Metallbe- und -verarbeitung war dieser Verbrauch an Holz eine wesentliche Ursache für den Ruin zahlreicher Wälder
Ob Holz für den Grubenausbau per Fernhandel aus waldreichen Territorien herangeschafft wurde, ist nicht bekannt. Vermutlich wurden immer zuerst die Baumbestände der eigenen Umgebung bis zum letzten Stamm abgeholzt, bevor kostspielige Holztransporte über Land und See überhaupt erwogen wurden.
Die im römischen Bergbau am häufigsten verwendeten Hölzer waren Eichen-, Kastanien- und Nadelbäume.Letztere waren wegen ihres Harzgehaltes besonders widerstandsfähig gegen Vermoderung. 372 Grubenausbau



 
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( 7 )   Produktionsprozesse mit hohem Energiebedarf

 
Arbeitsgebiet: Suchen, Auffinden und Abbauen von Erzen
Beginn: Neolithikum (Jungsteinzeit)
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Arbeitsprozess Hauptarbeitsmittel Arbeitstemperatur Hauptenergiequellen
Abbau von Kupfererz Menschliche Arbeit Mensch
Abbau von Eisenerz Menschliche Arbeit Mensch
Abbau von Zinnerz / Importe Menschliche Arbeit; Windkraft Mensch; Seewind
Anlegen von Stollen, Strecken, Weitungen Menschliche Arbeit; Holzfeuer Mensch; Holz, Last- und Zugtiere
Abteufen von Schächten Menschliche Arbeit Mensch
Grubenentwässerung Wasserfördervorrichtung Mensch; Wasserkraft, Zugtiere
Feuersetzen Kontrolliertes Feuer vor Ort hoch Holz
Grubenausbau Menschliche Arbeit Mensch, Lasttiere
Schmieden und Schärfen bergmännischer Werkzeuge Schmiedewerkzeug, Schmiedeofen, Schleifvorrichtung hoch Mensch, Holzkohle, Schmiedefeuer
Transport von Haufwerk und Erz Menschliche Arbeit; Transportmittel Mensch, Last- und Zugtiere
EGe 2011

( 8 )   Produktionsdaten
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Siehe Datei zu Produktionsdaten ==>


( 9 )   Quellenverzeichnis

   
Quellenangaben zu Teil I, Abschnitt (3) Erzabbau
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Quellennach-
weisnummer
Quellennachweis Textstelle
301 Erzlagerstätten breiten sich aus. - In: Das Jahrmillionenbuch. Vom Urknall zum Neandertaler. - ADAC-Verlag München  und Wissen Media Verlag Gütersloh 2003, Seiten 123, 367 und 376 TI301
302 Erzlagerstätten breiten sich aus. - a.a.O., S.123 TI302
303 Meyers Konversations-Lexikon. - 5. Auflage, Band 5, Leipzig und Wien 1894, S.984 TI303
304 TV-Dokumentation Terra-X, Sendung vom 19.08.2010 TI304
305 Altes Testament, Numeri 13,1-14,45: Der Bericht der Kundschafter TI305
306 Pharao siegt immer. Krieg und Frieden im Alten Ägypten. - Hamm, Gustav-Lübcke-Museum 2004, Katalog S.81 TI306
307 Stefan W. Meier: Bleibergbau und Verhüttung in der Antike. -In: Bergknappe 3/96 , Fortsetzung 1, S.7 TI307
308 Georgius Agricola: Vom Bergwerk 12 Bücher. - Das ander Buch, S. XXVIII. Faksimiledruck der Ausgabe von 1557 TI308
309 Die Naturgeschichte des Caius Plinius Secundus, Buch 33, 98. - marix-verlag Wiesbaden  2007, S.430 TI309
310 Stefan W. Meier, a.a.O., Fortsetzung 1, S.9 TI310
311 Plinius, Naturgeschichte, a.a.O., Buch 33, 74-76 TI311
312 vgl, Stefan W. Meier, a.a.O., Fortsetzung 1, S.11 TI312
313 http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Kupfer/Geschichte#Chalkolithikum, Stand 22.6.2010 TI313
314 http://www.archaeometallurgie.de/impressum/glossar.html  Stand 21.11.2010 TI314
315 Lukrez: Von der Natur der Dinge. - Fischer Bücherei, Frankfurt am Main und Hamburg 1960, S.204-205 TI315
316 Wikipedia, Prädynastik (Ägypten), Version vom 7.12.2010 TI316
317 http://www.meritneith.de/politik-praedynastische-zeit.htm   Stand vom 25.11.2010 TI317
318 Mineralienatlas Lexikon - Mineralienporträt Kupfer, Geschichte.  Stand vom 22.06.2010 TI318
319 Andreas Hauptmann: Den alten Hüttenleuten auf die Finger geschaut. - In: Rubin - Das Wissenschaftsmagazin, Heft 2 / 2000 TI319
320 Wikipedia, Arava, Version vom 14.09.2010 TI320
321 Wikipedia, Kupferbergbau, Version vom 30.9.2010 TI321
322 Alfred Lucas, J.R.Harris: Ancient Egyptian Materials and Industries. - London 1962, S.202. Übers. E.Ge. TI322
323 Hans Wolfgang Helck: Wirtschaftsgeschichte des Alten Ägypten im 3. und 2. Jahrtausend vor Chr. - Leiden/Köln 1975 TI323
324 Wikipedia, Buhen, Version vom 13.11.2010 TI324
325 Alfred Lucas, J.R.Harris: a.a.O., S.202-203. Übersetzung: E.Ge. TI325
326 Hans Wolfgang Helck: Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien. - Wiesbaden 1971, 384-385 TI326
327 Ägyptologie Forum - Lexikon: Kupfer /   http://www.aegyptologie.com/forum/... Stand vom 12.11.2010 TI327
328 Wikipedia, Timna (Israel), Version vom 13.3.2011 TI328
329 Jack Ogden: Metals. - In: Ancient Egyptian Materials and Technology / Paul T. Nicholson, Ian Shaw (Hrsg.): . - Cambridge University Press 2000,  p. 150 TI329
330 Wikipedia, Malachit, Version vom 27.12.2010 TI330
331 Wikipedia, Chrysokoll, Version vom 09.08.2010 TI331
332 Albert Neuburger, a.a.O., S.16 TI332
333 Alfred Lucas, J.R.Harris: a.a.O., S.202.    Übersetzung: E.Ge. TI333
334 Wikipedia, Türkis (Mineral), Version vom 13.12.2010 TI334
335 Pharao  siegt immer - Krieg und Frieden im Alten Ägypten. - Hamm 2004, S.182 TI335
336 Katrin Biallas in: www.sinai-bedouin.com TI336
337 Mineralienatlas Lexikon / Mineralienporträt Türkis TI337
338 A. Lucas; J.R. Harris):Ancient Egyptian Materials and Industries, London 1962,4. Auflage, S. 203. Übersetzung: E.Ge. TI338
339 Carola Vogel: Grenzschutz und Kolonisation. - In: Pharao siegt immer - Krieg und Frieden im Alten Ägypten, Hamm 2004, S. 164 TI339
340 Wikipedia, Nahal Mishmar, Version vom 23.07.2010 TI340
341 Ägyptologie Forum - Lexikon: Kupfer / www.aegyptologie.com/forum/ ... Stand vom Nov.2003 TI341
342 Pharao  siegt immer - Krieg und Frieden im Alten Ägypten. - Hamm 2004, S.184 TI342
343 Wikipedia, Zypern, Version vom 20.9.2010 TI343
344 Thor Heyerdahl: Tigris - Auf der Suche nach unserem Ursprung. - Verlag Volk und Welt, Berlin 1982 TI344
345 Wikipedia, Oman, Version vom 12. 9. 2010 TI345
346 Stefan W. Meier: Bleibergbau und Verhüttung in der Antike. - In: Bergknappe 2/96, S.21-22 TI346
347 Wikipedia, Bronze, Version vom 31.5.2011 TI347
348 Wikipedia, Zinn, Version vom 10.11.2010 TI348
349 GeoDZ.com: Das Lexikon der Erde. Recherchedatum September 2010 TI349
350 Wolfgang Korn: Zinnrausch in Zentralasien. - In: Bild der Wissenschaft Online, Heftarchiv, Ausgabe 10/2001, S.86 ff.  TI350
351 Ian Cierny: Prähistorischer Bergbau auf Zinn und "Bronze" in Mittelasien; Teil 2: Der Alte Orient und die Zinnbronze. - In: Archäologie Online, 1.3.2001 TI351
352 Wolfgang Korn: Zinnrausch in Zentralasien. - a.a.O. TI352
353 Wikipedia, Pinge, Version vom 23.11.2010 TI353
354 Ian Cierny: Prähistorischer Bergbau auf Zinn und “Bronze” in Mittelasien. Teil 3: Prähistorischer Zinnbergbau in Mittelasien - In: Archäologie Online, 1.3.2001 TI354
355 Wolfgang Korn: Zinnrausch in Zentralasien. - In: Bild der Wissenschaft Online, Heftarchiv, Ausgabe 10/2001, S.86 ff. TI355
356 Ian Cierny: Prähistorischer Bergbau auf Zinn und “Bronze” in Mittelasien. Teil 4: Bronze-Erz-Bergbau in Muschiston, Tadschikistan. - In: Archäologie Online, 1.3.2001 TI356
357 Ian Cierny: Prähistorischer Bergbau auf Zinn und “Bronze” in Mittelasien. Teil 5: Zusammenfassung. - In: Archäologie Online, 1.3.2001 TI357
358 ZDF-Sendung Terra-X vom 07.09.2008 TI358
359 Wolfgang Korn: Zinnrausch in Zentralasien. - In: Bild der Wissenschaft Online, Heftarchiv, Ausgabe 10/2001, S.86 ff. TI359
360 Barry Cunlife (Hrsg.): Illustrierte Vor- und Frühgeschichte Europas. - Köln 2000, S.420 TI360
361 ZDF-Sendung "terra-x" vom 7.8.2008 TI361
362 Pharao siegt immer - Krieg und Frieden im Alten Ägypten. - Hamm 2004, Seiten 195, 196, 212 TI362
363 Wikipedia, Eisen, Version vom 31.5.2011 TI363
364 Jack Ogden: Metals. - In: Ancient Egyptian Materials, Edited by Paul T.Nicholson and Ian Shaw, Cambridge 2000, p.166. Übersetzung: E.Ge. TI364
365 Jack Ogden: Metals. - In: Ancient Egyptian Materials, a.a.O., p.167. Übersetzung: E.Ge. TI365
366 Jack Ogden: Metals. - In: Ancient Egyptian Materials, a.a.O., p,168. Übersetzung: E.Ge. TI366
367 Wikipedia, Eisen, Version vom 31.5.2011 TI367
368 Stefan W. Meier: Bleibergbau und Verhüttung in der Antike., Fortsetzung 5. - In: Bergknappe 3/97, S. 14-20 TI368
369 Plinius: Naturalis.Historiae., Buch 33, Abschnitt 72 TI369
370 Stefan W. Meier: Bleibergbau und Verhüttung in der Antike., Bergknappe 2/96, S. 22 ; Fortsetzung 2 Bergknappe 4/96, S. 16-19  ; Fortsetzung 3, Bergknappe 1/97, S.25 -28 TI370
371 Wikipedia - Feuersetzen, Version vom 16.10.2010 TI371
372 Stefan W. Meier: Bleibergbau und Verhüttung in der Antike., Fortsetzung 2. - Bergknappe 4/96, S. 16-23;Fortsetzung 4. - Bergknappe 2/97, S. 24-29 TI372
Ende

Erläuterungen zu den Quellennachweisnummern und zum Quellenverzeichnis ===>


Thema (10)

Ende von Kapitel 3 (Erzabbau)

Aufruf des nächsten Kapitels über das nachstehende Kapitelverzeichnis Teil I, Spalte 1



 
Kapitelverzeichnis Teil I
~~~
Kapitel Thema Kurzbezeichnung
0
Prolog Prolog
1
Anlegen und Beherrschen von ortsfesten Feuern Feuerbeherrschung
2
Holzkohle als Energiebasis der historischen Montanindustrie Holzkohle
3
Suchen, Finden und Abbauen von Erzen Erzabbau
4
Verhütten von Erzen zur Metallgewinnung Verhüttung
5
Bearbeiten und Weiterverarbeiten von Metallen Metallverarbeitung



 
 
 
 
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